Die west-afrikanische Familie–so wie wir sie erlebten

Auf unserer Reise sammeln wir Eindrücke, die wir zunächst untereinander diskutieren. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, fragen wir Einheimische, andere Reisende, Auswanderer wie sie die Sache sehen. Auf diese Weise ist folgender Eindruck entstanden:

Das romantisch verklärte Bild des Zusammenhaltes einer afrikanischen Großfamilie bekommt für uns beim näheren Hinsehen ein paar Risse.

 

Der erste Eindruck ist, dass sämtliche Familienmitglieder in Harmonie zusammenleben. Jeder hat seine Aufgabe und scheint damit zufrieden und glücklich zu sein. Die Afrikaner sind aufgeschlossene, freundliche Menschen, die gerne lachen und nicht gerne über Probleme nachdenken oder sprechen. Wir haben uns immer sehr wohl gefühlt.

Alle helfen bei der Kindererziehung mit, die Frauen waschen, kochen und putzen, gehen einkaufen und versorgen den Gemüsegarten. Die Männer gehen arbeiten. Manche. Zwinkerndes Smiley Die Älteren werden mitversorgt. Alles wird geteilt. Keiner hat nennenswert “mehr” als der andere, dh. es werden kaum materielle Besitzgüter angehäuft. Alle Dorfbewohner, ja alle Westafrikaner möchte man fast sagen, essen täglich das Gleiche, nämlich Reis und Fisch. Die Gastfreundschaft ist enorm und so wird man auch immer zum Essen eingeladen. Alle machen einen glücklichen Eindruck – was will man mehr. Eigentlich dürfte alles in Ordnung sein. 

 

Jeder hat seine Rolle:

Nach der Hochzeit zieht die Frau zur Familie des Mannes.

Der Vater ist das Familienoberhaupt. Bei Entscheidungen ist sein Wort Gesetz. Seine Frau (seine Frauen, wenn er mehrere hat), darf ihn beraten bzw. ihre Meinung äußern, hat aber keine Entscheidungsgewalt.

Die Mutter hat in ihrem Elternhaus und der dortigen Familie eine gewisse Macht. Dort hat ihr Wort mehr Gewicht.

Stirbt der Vater “übernimmt” dessen Bruder die Ehefrau und sorgt für sie und ihre Kinder. Die Entscheidungsgewalt geht an ihn über.

Die älteste Schwester hat die Rolle der Schlichterin. Auch ihre Brüder kommen zu ihr, wenn Probleme innerhalb der Geschwister, Cousins etc. auftreten.

Die Kinder werden leider nicht überall im Land in die Schule geschickt. Viele Familien können sich die 30 Euro Schulgebühren und die Kosten für die Schuluniform nicht leisten. Oft darf dann nur der älteste Sohn die Schule besuchen. Die Kinder können frei spielen oder werden mit zum Fischen oder in den Garten genommen. Häufig werden sie losgeschickt, um Botengänge zu erledigen.

 

Beim näheren Hinsehen, Gesprächen mit Afrikanern und dort lebenden Deutschen ergibt sich aber auch folgendes Bild, das Teil des Ganzen ist:

Die Afrikaner sind wohl sehr neidisch und eifersüchtig. Auch innerhalb der Familie. Sobald ein Familienmitglied mehr Geld als ein anderes verdient, wird geteilt. Dh. für uns, dass der Ansporn “etwas im Leben zu erreichen” nicht sehr groß ist. Und tatsächlich steht dort zielorientiertes, kontinuierliches Arbeiten nicht im Fokus und hat nicht erste Priorität. In den Städten mag das anders aussehen. Dort haben wir keinen Einblick gehabt.

Möchte ein Familienmitglied, das zu Geld gekommen ist, dieses behalten, muss es das heimlich und sehr geschickt tun. Niemand sonst, auch nicht die Familie sollte dann davon wissen.

Wenn man sein Geld ausgeben möchte, muss man damit rechnen, dass das komplette Dorf die Hand aufhält. Es wird erwartet, dass geteilt wird. Und wenn nicht freiwillig, dann werden die Götter mit entsprechenden Maßnahmen schon dafür sorgen. Die Götter sind da recht erfinderisch: Vom verdorbenen Magen (Schlangengift oder Kräuter werden da gerne unter das Essen gemischt “Siehst du, den Göttern scheint es nicht zu gefallen, dass du nicht teilst:”) bis hin zu in Brand gesetzten Häusern, Autos ist alles möglich. Manch ein “Fehlverhalten” soll sogar bis zum unerklärlichen Tod geführt haben.

In Afrika nimmt die Familie das Geld, in Deutschland der Staat….

 

Generationen zurückliegende Konflikte zwischen Familien werden immer noch am Leben gehalten und nicht vergessen. Tsts, nachtragend sind sie auch noch….

Das tragische Ende einer Beziehung werden wir in Gambia 2 “Tumani Tenda-Kolanuss” beschreiben.

 

Es stimmt nachdenklich und man überlegt, welche Lebensweise (die unsere immer individueller und dadurch unverbindlicher werdende, aber familiendruckfreie Lebensweise oder die afrikanische Familienstruktur, die bis ins hohe Lebensalter gegenseitig für sich sorgt) wohl die “bessere” ist. Wir philosophieren und denken immer noch darüber nach, sind aber mit unserer Erziehung und Lebensweise hoch zufrieden. Zwinkerndes Smiley

 

Anzumerken ist noch, dass wir uns in den verschiedenen Familien, die wir kennenlernen durften immer sehr wohl gefühlt haben.

Die Gastfreundschaft ist umwerfend herzlich und allumfassend. Wir hatten immer eine tolle, unbeschwerte und unvergessliche Zeit und haben viel gelacht.

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