Gaborone

04.08.2017

Der Halter für die Kraftstoffpumpe des Zusatztanks ist durch die Rüttelpisten abgebrochen und muss geschweißt werden. Außerdem brauchen wir schon wieder eine neue Batterie. Die letzte Optima hat nun auch ihren Geist aufgegeben. Wir fahren in die Hauptstadt Gaborone. Eigentlich sind wir keine Stadtmenschen, doch hier fühlen wir uns gleich wohl.

Es ist sauber, modern. Es ist übersichtlich und freundlich gestaltet. Es gibt keine Slums. “Merkwürdige Gestalten” sind auch nicht vorhanden. Dafür super moderne Einkaufszentren. Botswana überrascht uns. Selbst in Namibia haben wir uns nicht so sicher gefühlt wie hier.

 

Die Geschichte Botsuanas ist spannend. Besonders seit Seretse Khama, dem späteren Präsidenten Botsuanas. (Leider ist er 1980 verstorben.)

Er ging 1945 zum Studieren nach England, traf dort eine Engländerin, die er heiratete und löste damit einen internationalen “Shitstorm” aus. Die Tradition verlangte eine königlich arrangierte Heirat. Eine gar gemischtrassige Heirat löste einen Skandal aus. Khama reiste ins Betschuanaland um zu schlichten, was ihm weitgehend gelang. Zurück in England stieß er auf weniger Verständnis. Ihm wurde die Wiedereinreise in sein Heimatland verweigert und er lebte lange Jahre im Exil in London. Erst 1956 durfte er nach Betschuanaland zurück reisen, wo man ihn jubelnd empfang.

Seretse Khama war es, ein charismatischer Mensch, der sein Volk friedlich und erfolgreich 1966 in die Unabhängigkeit führte. Bis zu diesem Zeitpunkt galt Botsuana als eines der 25 ärmsten Länder der Welt. Ab 1970 setze ein rasantes Wirtschaftswachstum ein, dank der Entdeckung von Diamanten. Nur 1 Jahr nach der Unabhängigkeit. (Glück gehabt Zwinkerndes Smiley und Pech für England) Hier steht die größte Diamantenmine der Welt. Botsuana: Der größte Diamantenproduzent der Welt.

Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist Rindfleisch. In Botsuana steht der größte Schlachthof Afrikas. Der überwiegende Teil wird nach Europa exportiert.

1975 wird die neue Währung Pula (was übersetzt “Wasser” heißt, die kleinere Einheit heißt “Tropfen”) eingeführt und nur wenige Jahre später hat das Land die härteste Währung und die niedrigste Schuldenrate (unter 5%) Afrikas aufzuweisen.

Leider sind die Diamantenvorräte bald erschöpft. Man versucht umzustrukturieren und eines der weiteren Standbeine ist der Tourismus. Dennoch leben schon heute ca. 30% der Batswaner an der Armutsgrenze (auf dem Land). In der Hauptstadt, die von den Einheimischen einfach nur “town” genannt wird, sehen wir davon nichts.

Hauptsächlich leben in Botsuana Einheimische (97,5%: 95%. Bantuvölker, 2,5% San oder auch Buschleute genannt). Der “Rest” sind Europäer, Inder und Chinesen. Grund für die geringe weiße Bevölkerung: Das geringe Interesse, das dem Land während der Kolonialzeit entgegengebracht wurde.

Es besteht keine offizielle Schulpflicht, dennoch werden 95% der Kinder eingeschult. 70% absolvieren die ersten sieben Schuljahre. Das ist für Afrika erstaunlich gut.

 

Doch wieder zurück zur town:

Es wird kräftig gebaut in der schnell wachsenden Stadt, die mittlerweile mehr als 200.000 Einwohner hat. Selbst auf dem Busbahnhof geht es geregelt zu.

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Am Straßenrand finden wir aber auch das Afrika, wie wir es kennen und lieben. Einfache Geschäfte, die ohne Bürokratie und Computer ganz persönlich und individuell abgewickelt werden können.

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Die Gaboroner scheinen fleißig zu sein. Wir sehen niemanden, der einfach so im Schatten unter einem Baum sitzt. Jeder arbeitet irgendwas, irgendwie. Selbst ohne feste Anstellung, weiß man wie man ein bisschen Geld verdienen kann. Europäer/Weiße sehen wir fast keine.

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In Tims Werkstatt (einer Landrover Werkstatt, die selbstverständlich von einem Engländer geführt wird Zwinkerndes Smiley) bereitet Didi alles zum Schweißen vor. Wir dürfen im Hof übernachten, was uns Geld spart. Dafür sind die paar cm Schweißnaht aber teurer als es ein neuer Halter samt Kraftstoffpumpe gewesen wäre. Teufel Warum nur haben wir nicht vorher gefragt was es kosten wird. Ein dummer Anfängerfehler.Weinendes Smiley

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Es ist erstaunlich ruhig in dieser Stadt und wir verbringen eine friedliche Nacht. In anderen Städten hätten wir das nicht gemacht, hätten Angst gehabt, hier mitten im Industriegebiet, dass zwielichtige Gestalten herumlungern.

Auch bei Taurus Batteries stellt man uns ein Plätzchen zur Verfügung, wo wir die neue Batterie sofort einbauen können. Aufgrund der etwas anderen Größe der neuen Solarbatterie muss Didi den Halter etwas umbauen und deshalb dauert es etwas länger.

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Leider habe ich nur sehr wenige Fotos gemacht, aber die Stadt hat uns wirklich sehr gut gefallen.

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Gaborone ist vielseitig und ganz anders, als die Städte in Westafrika:

Hier gibt es Wellness Center und Nagelstudios.

Unnützes Plastikspielzeug für Kinder in Form von z.B. Science Fiction Figuren.

Jogger nach Feierabend und am Wochenende.

Dicke Menschen.

Zurechtgemachte Schönheiten (Schminke, Nagellack, Schmuck, sorgfältig ausgewählte Kleiderkombi,…).

Keinen Müll.

Moderne Einkaufszentren.

Keine Mopeds, dafür viele Autos und dementsprechend Stau zu Rush-Hour.

Polizei regelt zu Stoßzeiten den Verkehr und man glaubt es kaum die Autofahrer richten sich nach den Vorgaben des Polizisten.Strebersmiley

Keine Schlaglöcher.

Die Verkehrsteilnehmer halten sich an Regeln. Nehmen es fast zu genau, wie in Deutschland besteht man auf sein Recht…..Nur ein Scherz

Fleißige Menschen.

An jeder Ecke Schulen.

Straßenbaustellen, an denen tatsächlich gearbeitet wird.

Touristen-Informationszentren.

In der Werkstatt wird mindestens eine Stunde Arbeitszeit angerechnet (auch wenn die Arbeit nur 15 min. gedauert hat). Grrr.

Brotschneidemaschine im Supermarkt.

Geschäftliche Höflichkeit.

Freundliche, aber reservierte Menschen.

Modische Kleidung.

Kids mit Handysticks.

Mädels mit Handtaschen.

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Fest installierte Blitzer.

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Neben den vielen guten Dingen, ist eines hier ganz schlimm! Noch schlimmer, als festinstallierte Blitzer:

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Das ist Geflügelwurst (die einzige Wurst, die es hier zu geben scheint) und diese hat eindeutig Verbesserungspotential. Sie schmeckt übrigens noch schlimmer als sie aussieht.

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