Larabanga–ein Erlebnis, das wir schnell vergessen wollen

Wir fahren frühmorgens los, um einen kurzen Besuch der angeblich ältesten Lehmmosche in Ghana zu machen. Nachdem wir gerade in den letzten Wochen immer wieder negative Erfahrungen gemacht haben bei Besuchen von Touristen”attraktionen” ist auch dieser Besuch bei uns mit gemischten Gefühlen verbunden.
Was wird nun wieder passieren?
Es kommt schlimmer als erwartet!
Schon als wir durch die Stadt Larabanga fahren schreien uns jede Menge unsympathischer Typen irgendetwas hinterher und pfeifen usw.
Wir verstehen nicht was sie sagen. Aber wir wissen was sie wollen…….Geld! Trauriges Smiley
Immer nach dem Motto:
Wir sind Schwarz und arm ihr seid Weiß und reich, also gebt und gefälligst etwas. Rassismus einmal andersherum. Leider sehr verbreitet in Westafrika!
Wir kommen also an der Moschee an, indem wir durch eine enge Gasse fahren müssen (=öffentliche Straße). Wir stehen noch nicht einmal, werden aber schon von vier bis sechs Jugendlichen „herzlichst“ empfangen. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, stehen sie sehr dicht um uns herum.
Ohne Hallo zu sagen heißt es sofort, dass wir bezahlen müssen weil wir einen Blick auf die Moschee werfen. Ein Foto machen ist verboten ohne zu bezahlen. Wir benötigen einen Guide sobald wir aus dem Auto sind usw. usw.. Es geht NUR um Geld! Und das in einer bisher unüblichen und extrem aggressiven Form.
Dani wird sofort sauer. Sie erklärt richtigerweise, dass wir uns  wie gehetzt und wie ein gejagtes Tier fühlen, man uns nicht mal aussteigen lässt, ohne uns zu belästigen, und dass es wohl ein Witz ist, dass man Geld bezahlen muss, um einen Blick von außen auf ein heiliges Haus zu werfen.
Als einer der Typen dann erklärt es ist ein Gesetz des Dorfes/Stadt, dass wir bezahlen müssen sage ich ihm er soll mir das mal zeigen. Er sagt, der Chef der Moschee (also der Imam) hätte das Gesetz erlassen und er wird ihn nun holen, da er auch ihr Chef ist.
Soll er machen!

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Während ich den anwesenden Heuchlern erkläre, das wir nicht dafür bezahlen eine Moschee von außen anzusehen und wir nach ihrem freundlichen Auftreten auch die Lust am Besuch dieses Ortes komplett verloren haben, macht Dani noch drei Fotos, damit man wenigstens weiß, um welches Gebäude es hier überhaupt geht.
Versuche zu erklären, dass sie mit einem solchen Verhalten dem ganzen Dorf schaden und sicher bald gar kein Tourist mehr kommt, scheitern schon im Ansatz.
Zu einfach sind diese Typen gestricktTrauriges Smiley

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Nun fangen die Typen an Baumstämme (liegen die etwa extra dafür bereit?) über die enge Gasse zu ziehen, um uns den Weg zur Straße zu versperren! Ich steige ins Auto und denke zuerst, dass es vielleicht noch einen anderen Weg aus dem Vorplatz der Moschee gibt. Leider scheint das aber nicht so. Ich sehe auch, dass Dani versucht die Stämme wieder zurückzuziehen…..und rufe sie, dass sie einsteigen soll.
Ich muss Vango erst wenden, um schnell weg zu kommen, will nicht noch mehr Zeit verlieren bis die Barriere noch grösser wird! Dani kommt nicht…..
Die Situation macht mir Angst. Wir sind die einzigen Weißen hier und die Menschenmenge wird immer größer. Hilfe von einem der Umstehenden hat man als Weißer nicht zu erwarten, soviel  ist klar…. das weiß jeder Afrikareisende. Nachdenkliches Smiley Das ist nicht schön, aber die bittere Wahrheit.
Bis ich gewendet habe hat sich die Barriere schon ziemlich aufgetürmt. Ca. 5 bis 7 krumme Baumstämme mit ca. 15 bis 20cm Durchmesser liegen nun im Weg. Der ganze Stapel ist einen guten Meter hoch und schaut irgendwie scheiße aus!
Ich denke mir „Mist….Gas und durch,“ habe aber Zweifel, ob das gut geht.
Egal. Also Gaaaas!!! AlienTeufelVor Wut kochen
Vango meistert den Stapel mit Bravour. Es klappert und scheppert gewaltig, aber ich bin drüber und halte dann an. Da sehe ich auch schon Dani im Rückspiegel zum Auto rennen. Gut, sie kommt und wir können endlich weg aus dieser blöden Situation.
Als Dani im Auto sitzt merke ich das etwas nicht stimmt. Sie ist mehr aufgebracht als ich es erwarte…..dann erzählt sie mir was passiert ist!
Als sie einen der Stämme wegziehen wollte hat sie einer der Männer am Hals gepackt und die Kehle zugedrückt. So stark, dass sie keine Luft mehr bekommen hat und hat sie dann nach hinten drückend aus dem Weg gestoßen.

Auch hat sie einige Schürfwunden davongetragen!

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Jetzt geht mir natürlich völlig die Hutschnur hoch! Vor Wut kochenNinja
Ich greife hinter meinen Sitz wo ich einen Holzprügel verstaut habe. Dank meiner immer noch lädiert Schulter komme ich nicht schnell genug hin…..egal Fledermaus
Ich springe aus dem Auto, renne in die Menschenmenge in der Gasse und schreie den Mob an:
Who touched my wife, who was the ashole.  I want see him!“
Ich schreie wieder und immer wieder. Dummerweise fällt mir das Wort Feigling im Englischen gerade nicht ein. Nur zu gerne würde ich es sagen.

Alle glotzen sie mich nur blöd an und tun so, als ob sie gar nicht wissen, um was es geht.
Allen voraus der Chef der Moschee (ich nehme an es ist der Imam ), er grinst mich frech und abwertend  an….am liebsten würde ich ihm einen Nackenschlag verpassen. Es ist der Typ hier im unschuldigen weiß gekleidet.

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Aber dann lüncht man mich hier an Ort und Stelle, das ist mir klar.
Das Beste ist noch als einer aus der zuschauenden Menschenmenge hier meint: „Keep cool“…..”Take it easy.”
Da hat einer der Typen meiner Freundin die Gurgel zugedrückt und ist dann feige verschwunden währen 50 Mann zugeschaut haben. Und ich soll ruhig bleiben?
Was ist das für ein erbärmliche feiger, niederträchtiger Haufen hier in diesem Dorf?
Ich hole meinen Fotoapparat und mache ein Bild von der Gasse.  Natürlich laufen nun schnell alle weg…..nur nicht am Foto drauf sein.   Und rufe noch dazu das ich das “reporten” werde! Die Baumstämme haben sie übrigens ganz schnell, bevor ich das Foto gemacht habe, schon wieder beiseite geräumt….

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Nun auf einmal kommt der eine oder andere auf mich zu und entschuldigt sich und bittet darum, dass ich nicht weitererzählen soll was passiert ist. Es tut ihnen ja fürchterlich leid und selbstverständlich können wir die Moschee besichtigen und man würde uns alles zeigen!
Was denken die denn? Das wir da nun noch Lust haben?
Ich steige ein und nachdem bei Dani alles ok ist fahren wir los……das Ganze muss erst nun mal verarbeitet werden.Alien
Uns ist klar, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren dürfen, und dass wir nun besonders den netten Begegnungen wert schenken sollten, um weiter unbeschwert und ohne Angst reisen zu können. Es wird schwer fallen die erste Zeit. Vor allem in Ghana, das somit einen bitteren Nachgeschmack bei uns hinterlassen wird.

Später erfahren wir, dass dieses Dorf berüchtigt ist für sein aggressives Auftreten Touristen gegenüber. Dass nicht mal Einheimische ohne Begleitung dort hin wollen.  Leider kommt diese Info zu spät.

Und natürlich werden wir darüber berichten. In sämtlichen Overlanderforen, in denen wir unterwegs sind, denn dafür sind diese da. Nicht nur die guten Seiten sollen berichtet werden, nein auch Dinge, die man besser schnell vergisst. Finden wir jedenfalls.

Ich möchte aber eines noch sicherstellen. Wir glauben nicht, dass dieses Problem mit dem muslimischen Glauben zu tun hat. Es hätte genau so auch vor einem von Touristen gerne besuchten Ziehbrunnen oder sonst wo passieren können!

Es ist einzig ein Problem einzelner Personen/Gruppen vor Ort! Leider auch immer genau da wo Pauschaltouristen verkehren und mit einem nicht landesgerechten Verhalten sehr viel Mitschuld tragen.

3 thoughts on “Larabanga–ein Erlebnis, das wir schnell vergessen wollen

  1. Grobi says:

    Mir läuft gerade die Gänsehaut den Rücken runter und selbst bei mir kommt Wut auf.
    Ich hoffe ihr erlebt so etwas nicht mehr!!

    Gute Zeit noch

  2. Steffen says:

    Das sind leider die Auswüchse , die durch den Massentourismus
    in solchen Ländern entstehen .Der PauschalTourist macht sich keine Gedanken und gibt immer . Das Endergebniss ist , das die Kinder und andere Wegelagerer mehr verdienen als andere mit harter Arbeit .Schade , das die Enwicklung immer schlimmer wird. Wünsche Euch trotzdem eine schöne Weiterreise ohne unschöne Vorkommnisse . Es gibt so viel schönes in dem Land.
    Gruß Steffen

  3. Volker says:

    Ach du Sch…e !
    Zum Glück ist Dani nicht mehr passiert aber der Schock sitzt sich tief.
    Wir wünschen euch weiterhin eine gute Reise ohne solche Erlebnisse .

    Gute sicher Reise !

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