Nigeria…….wo lauert die Gefahr?

Nigeria….die Geschichten um dieses Land sind Legende. In kaum einem anderen Land soll die Kriminalität verbreiteter, in kaum einem anderen Land die Brutalität härter und die Chancen auf einen Überfall –gerade auf Weiße- größer sein. Entführungen kommen oft vor. Meist um den jeweiligen Staat, vor allem aber die betroffene Firma um das Kopfgeld zu erpressen.

Auch wir wollen uns davor schützen. Wir wollen das Land relativ zügig durchfahren, in Begleitung von Dan, den wir schon in Mali kennengelernt hatten und seitdem in Kontakt sind. Er ist ähnlich “drauf” wie wir. Er reist langsam und fährt auch gerne mal abseits der “normalen” Pfade. Wir wollen vermeiden im Dunkeln zu fahren, immer in einem Hotel bzw. im Hof eines solchen zu nächtigen. Wildcampen also vermeiden wann immer es geht.

Der südliche Teil ist Rebellengebiet (Deltapiraten) und im Norden hat die Boko Haram eine gewaltige Macht.

Da wir noch kein Kamerun Visa haben müssen wir nach Calabar. Man sagt, es ist relativ safe dort. Man muss nur wissen, welche Strecke man dorthin nimmt…..

OK, so machen wir es

Dan hat einen Backpacker aufgegabelt, der mit uns durch Nigeria fahren möchte. Sam ist ein netter Brite, der mit 19 Jahren das erste Mal Afrika besuchte und seitdem das “Afrika-Reisefieber” hat. Seit über 10 Jahren reist er immer wieder nach Afrika und kennt sich somit mit der Mentalität bestens aus. Auf seinem Bein hat er sich die Afrika Karte tätowieren lassen.

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Gemeinsam –nun also zu viert- fahren wir Richtung Grenze. Auf dem Foto sind zu sehen: Dan, Didi, Dani, Sam

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Zuerst müssen wir über die Grenze bei Meko. Wir wählen diese Grenze, da sie günstig für uns liegt und kleine Grenzen meist einfacher zu bewältigen sind. Hier ist die Korruption noch halbwegs in den Griff zu bekommen. Das isst unsere Meinung, es gibt sicherlich auch andere Zwinkerndes Smiley

Noch in Benin fahren wir erst einmal an Polizei und Custom Control vorbei. Nichts deutet auf diese hin und erst nachdem wir –schon in Nigeria stehend- nachfragen zeigt man uns wo wir hin müssen um unsere Stempel zu erhalten. Das Eisentor der Polizei ist verschlossen, lässt sich aber öffnen und uns erwarten ein paar verschlafen wirkende Beamte. OK Sorry aber wir hätten gerne einen Stempel im Pass und im Carnet Nur ein Scherz

Alles kein Problem und 30 Minuten später stehen wir wieder am Auto und verhandeln bis aufs Blut mit den Geldtauschern. Hier bekommt man einen viel besseren Kurs als auf der Bank oder in der Wechselstube. Wir tauschen also unsere CFA und auch Euro in die nigerianischen Naira. Sprit ist billig in Nigeria (Diesel ca. 50 Eurocent Benzin ca 30! c) und somit steht fest, dass wir einiges tanken werden und die Übernachtungen im Hotel werden auch nicht billig werden vermuten wir.

Wir bekommen die knapp dreihunderttausend Naira bündelweise zurück. Nachzählen nahezu unmöglich, wenn man nicht eine halbe Stunde damit in der sengenden Sonne verbringen will. Also wird grob kontrolliert….man weiß ja, dass man auf dem Schwarzmarkt den Geldtauschern zu 100% trauen kann Engel

Mit den Taschen voller Banknoten verlassen wir die Grenze. Doch halt, wo bitte wird hier eigentlich das nigerianische Visa kontrolliert und wo bekommen wir den Stempel in unser Carnet?

Wir fragen uns durch und wir irren eine gute halbe Stunde durch den Ort mit nichtvorhandenen Straßen. Irgendwann hat jemand Mitleid mit uns. Vielleicht auch, weil wir ständig irgendwem den Weg versperrt haben? Er fährt uns mit seinem Moped voraus und zeigt uns wohin wir müssen.

Er fährt an den Ortsrand auf einer staubigen Piste immer weiter von der Grenze weg. Luftlinie nun schon gut 2 km……..und ich sage zu Dani noch im Scherz: “Klar, er hat gesehen wie wir eine Menge Geld getauscht haben, das nun im Auto liegt. Nun lockt er uns raus zu seinen Kumpels und die haben leichtes Spiel mit uns. Es hat ja eh jeder hier eine Kalaschnikow.”

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Aber weit gefehlt, wir kommen tatsächlich irgendwann am Ende dieser Piste an einer Polizeistation an! Wie soll man so etwas finden? Einreise ins Land ohne Kontrolle also ohne weiteres möglich! Warum haben wir nur so fürs Visa gekämpft ?Party-SmileyVerspotten

Wir gehen zuerst zur Grenzpolizei. Das Gebäude ist recht groß, sieht aber schon von außen nicht mehr nach dem best erhaltensten aus… In der großen Halle, deren Decke schon halb herunterhängt und der Putz an den Wänden auch schon bessere Zeiten gesehen hat, treffen wir auf zwei Beamte, die gelangweilt hinter ihren schäbigen Tischen sitzen. Einer der Beamten schaut in unsere Pässe, sieht Danis und mein Visa und meint, dass diese nicht gültig seien, ob wir eine Telefonnummer der ausstellenden Behörde in Gambia hätten. Hm, das fängt ja schon mal gut an. Zum Glück hatte ich Sanna zwei Tage vorher nach der Telefonnummer gefragt.

Der harsche Ton des Beamten mit der Bemerkung, das unser Visa nicht gültig ist macht mir Angst. Ist er schlecht gelaunt weil wir ihn unterbrochen haben beim Fußballspiel Manchester gegen Liverpool? Wir müssen gegen das Geplärre des TV ankämpfen mit Argumenten, warum unser Visa 6 Monate gültig ist –was es angeblich gar nicht gibt- , und dass es schließlich von einer Botschaft ausgestellt wurde.

Der Beamte blickt in Sams Reisepass. Gleiches Problem. Auch sein Visum ist für 6 Monate gültig, was wohl eigentlich nicht üblich ist. Die Telefonnummer die er von uns haben wollte ist nun schon wieder in Vergessenheit geraten.

Dans Visum gefällt.

Nach einigem Hin- und Herüberlegen, gibt er uns ein Formular zum Ausfüllen und schreibt dann alle unsere Daten auf einen blauen Zettel.

“Wie lange möchtet ihr euch in Nigeria aufhalten?”, fragt der Grenzer. Dan meint, dass sein Visum für 3 Monate gültig ist. Wir einigen uns auf 30 Tage. Zwinkerndes Smiley

und dann plötzlich “fliegt” der Stempel in unseren Pass und weitere Daten werden von ihm per Hand auf die Rückseite des Formulars geschrieben. Der Pass wird dann mit Formular zu seinem Kollegen weiter gereicht, der alles noch in ein –ihr könnt es euch denken- großes Poesiealbum einträgt. Dauer: Ca. 1 1/2 Stunden.Nur ein Scherz

 

“Welcome to Nigeria” sagt man uns nun in freundlichem Ton. Das werden wir die nächsten Tage noch öfters hören.

Die Frage nach einem Geschenk “What did you bring for us?” beantworten wir mit einem Lächeln und wir verlassen freundlich grüßend das Gebäude.

 

Wir machen Kilometer, ganz entgegen unserer Gewohnheit. Einzig die immer wieder auftauchenden Straßensperren von Polizei, Custom Control, Army, VIO (Vehicle Inspection) und privaten Nagelbretterbanden stoppen unseren Vorwärtsdrang.

Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob man anhält (offizielle Kontrolle-leider oft ohne Uniform) oder lieber besser weiterfährt (Private Banden mit Nagelbrettern und eventuell gefakten Uniformen). Aber es klappt ganz gut.

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Letztendlich sind ALLE ohne Ausnahme sehr sehr freundlich zu uns. Sie sind neugierig und fragen, was wir hier treiben, wo wir herkommen und wohin wir wollen.

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Unser Standartspruch “We are from Germany on the way to Namibia” “ We drove all the way to here on the road” Somit ist alle Kontrolle der Papiere vergessen, man ist erstaunt und gibt dies auch kund. Meist wünscht man uns sofort eine gute Weiterreise und eben das herzliche Willkommen in Nigeria. Manchmal fragt man, auch was wir den mitgebracht haben für die arme Polizei…..Mittlerweile bin ich frech, grinse den Offizier an und sage, dass ICH schließlich der Gast in seinem Lande bin und ER mir etwas geben sollte Cooles Smiley

Meist grinst man dann zurück und lässt uns fahren, manchmal starten wir eine kleine Diskussion, die aber immer freundlich verläuft und eher als hin und her Geplänkel zu werten ist.

Wir fühlen uns wohl und sicher hier. Einzig die VIO Kontrollen sind ehr unfreundlich. Aber hier schwenke ich bald um auf hart und wohlwissend. Ich behaupte, dass sie nur befugt sind nigerianisch registrierte Autos zu kontrollieren und keine ausländischen (stimmt auch!). Diese unterliegen nicht ihrem Befugnisbereich. Ich habe nur aus Freundlichkeit angehalten und werde jetzt weiterfahren…..

Solange kein Nagelbrett auf der Straße liegt, mache ich dies auch. Wenn eines daliegt diskutieren wir halt noch etwas…..irgendwann verlieren sie die Geduld Engel.

Die Straßen in Nigeria sind oft extrem schlecht und mit tiefen Schlaglöchern ist immer zu rechnen. Rücksicht kennen vor allem die LKW und die Busfahrer keine. Wie eigentlich überall in Afrika……wenn etwas passiert endet es oft fatal. Wir haben an zwei Orten eine Leiche am Straßenrand liegen sehen. Vom Unfallverursacher keine Spur. Es scheint sich auch niemand darum zu kümmern. Afrika ist manchmal sehr hart, für Europäer schwer zu verstehen.

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