Blattfedern “reconditioning”

9.12.2019

Didi möchte gerne die Blattfedern hinten überarbeiten lassen. Das ist in Nairobi für kleines Geld möglich. Ursprünglich wollten wir nur die Silencer wechseln lassen, denn diese sind stellenweise verschlissen. Nachdem ein Mitarbeiter aber ein kaum teureres Angebot unterbreitet die Federn in dem Zuge zu überarbeiten wollen wir dies gleich mitmachen lassen. “Überarbeiten” heißt sie sollen professionell –wir sind ja bei einem Federfabrikant- nachgerichtet und somit wieder in die Ursprungsform gebracht werden.

Am Montag morgen erscheinen wir um 8:30 Uhr zu unserem Termin in der Federfabrik.

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Bis 13:00 Uhr soll die Sache angeblich erledigt sein. Nun… weit gefehlt. Zunächst wird eine Distanzscheibe (Silencer) für die Federblätter zur Geräuschminderung vergessen, dann wird die Auflagefläche gebogen (die muss gerade sein, sonst liegt sie nicht richtig auf der Achshalterung auf).

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Und als alles ausgebessert ist, wird erst mal Mittagspause gemacht. Für jede Mangelbeseitigung müssen die Federpakete wieder zerlegt werden. Blöderweise darf Didi nicht mit in das Werk gehen und somit sieht er immer erst die Mängel im zusammengebautem Zustand. Confused smile

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Als sie irgendwann ohne Absprache  ein Originalteil der Federklemmung aufbohren, damit die viel zu große Mutter (eine passende haben sie offensichtlich nicht finden können) passt, wird Didi ärgerlich und scharf im Ton. Es ist mittlerweile 16:00 Uhr und somit klar, dass die Jungs bis zum Feierabend nicht fertig werden. Wir schlafen also auf dem Firmengelände in VAnGO, der mit beidseitig ausgebauten hinteren Federn lediglich auf Wagenheber und Klötzen steht. Der Arbeiter meint noch zum Abschied: “Don`t shake it.” Na wenn ein Afrikaner sich schon nicht sicher ist, ob das gut geht…..Disappointed smile

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Wir stehen hinter der hohen Mauer mit Stacheldraht sicher und werden außerdem noch von dem in Afrika üblichen Security nachts bewacht.

Am nächsten Tag schüttet es wie aus Kübeln und die Lust an VAnGO weiter zu arbeiten scheint bei Didi´s neuen “Freunden” nicht ausgeprägt zu sein. So rennt er erst einmal 2h hinter jedem her, damit diese ihr Werkzeug rausbringen und endlich weitermachen. Nun kommen wir zum Höhepunkt der “Profi” Aktion. Die nachgebogenen Federn passen nicht mehr ins Auto!Surprised smile Sie sind nun zu kurz und alle Mühen zum Trotz, es geht nicht!

Wie heißt es so schön: “2x abgeschnitten und immer noch zu kurz….” Genau so fühlen wir uns und Didi ist am Verzweifeln. Man will nun alles wieder rückgängig machen. Aber wer etwas von Materialkunde versteht, der weiß, dass man Federstahl eigentlich nicht formverändern soll. zumindest nicht kalt, so wie es hier gemacht wird. 2x und dann auch noch in entgegengesetzte Richtung? Das kann nicht halten!

Also sagt Didi ein klares “Nein” und nimmt sich der Sache selbst an. Er ändert etwas an den Federgehängen und somit kann man die Federn nun einbauen. Die Jungs der Firma staunen nicht schlecht, lassen sich auch sonst noch einiges erklären und lernen heute wahrscheinlich mehr als je zuvorSmile with tongue out . Wer sollte jetzt nun eigentlich wem etwas bezahlen?Punk

Natürlich dauert das alles, und so müssen wir ein zweites mal auf dem Werksgelände schlafen. Am nächsten Morgen geht es los. Durch das Umbauen ist VAnGO nun etwas tiefer hinten, aber was solls. Irgendwann mal muss es sowieso vernünftig gemacht werden. Das wird wohl in Deutschland sein.

Um es vorweg zu nehmen: Die neuen Silencer halten genau 380km…

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…und die obere Blattfeder (Hauptlage) wird sechs Wochen später in Äthiopien nach ca. 2800km brechen.

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Eigentlich hätten wir es wissen sollen. Man fährt in eine afrikanische Werkstatt mit einem Problem und verlässt sie mit dreien.

Auf dem Weg zur Jungle Junction treffen wir Abe s Auntie, wie er sie nennt. Es sind super freundliche Menschen, die für uns die beiden buckshots aufbewahrt haben, die wir auf Garantie aus Tansania bekommen haben. Bei afrikanischem Tee unterhalten wir uns über die von ihnen bemerkten Veränderungen in Deutschland. Ihre Tochter lebt in Wiesbaden seit Jahrzehnten und somit kennen sie Deutschland schon lange von ihren jährlichen Besuchen. “Deutschland ist auch nicht mehr das, was es einmal war”, meinen sie…

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Gerne wären wir noch länger geblieben, doch es gibt noch einiges zu erledigen, bevor unser Visum ausläuft. Vielleicht treffen wir uns ja einmal in Wiesbaden? Wäre schön. Smile

Über Kisumu nach Nakuru (Lake Elementaita)

6.12.2019

Ein letztes Mal auf dieser Reise campen wir am Lake Victoria außerhalb von Kisumu im Dunga Hill Camp. Vom kleinen Hügel mit Bar und Restaurant hat man einen schönen Blick auf den See und Kisumu. Die Stadt selbst wirkt moderner und entwickelter, als die übrigen Städtchen Ostafrikas, wenn man die Hauptstädte außen vor lässt. Letztere haben oft hypermoderne Einkaufszentren und auch extrem schicke Villenviertel.

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Der Weg führt durch grüne Teeplantagen, die mit modernem Gerät beeindrucken. Winking smile

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Ungefähr 25 km südlich von Nakuru verbringen wir einige Tage auf dem Flamingo Campingplatz (Elementaita See), der uns auf dem Weg von Nairobi nach Uganda schon so gut gefallen hat. Ich mache großen Hausputz…äh Autoputz Winking smile und schreibe eine ellenlange Einkaufsliste für den Supermarkt, sowie eine Liste, was wir sonst noch erledigen müssen, bevor wir die “Zivilisation” verlassen. Angeblich ist Nairobi die letzte gute Versorgungsstation, bevor man sich nach Norden begibt. Didi legt mal die Füße hoch. Er hat ja vor ein paar Tagen gerade wieder stundenlang unter dem Auto gelegen, um den Fehler der Starterbatterie zu finden und zu beheben, da darf er das Winking smile. Am Montag wird er schon wieder ran müssen, denn er will die Blattfedern überholen lassen. Da wird er selbstverständlich mit Hand anlegen, denn er traut ja keinem anderen Mechaniker. Winking smile

Eigentlich wollten wir Hausputz, etc. bei Chris in der Jungle Junction in Nairobi erledigen, doch es gibt Unwetterwarnungen der kenianischen Regierung. El Nino schlägt mit voller Wucht zu. Seit Oktober (ihr erinnert euch? Mombasa war damals schon überschwemmt) regnet es fast ununterbrochen und auch richtig heftig. Reisende, mit denen wir in Kontakt sind und die gerade bei Chris sind sagen, dass sich der Campingplatz in einen See verwandelt hat und große Teile Nairobis überschwemmt sind…. oje…. Dennoch müssen wir am Dienstag nach Nairobi. Eben einkaufen gehen. US Dollar zum Geld tauschen für Äthiopien, Sudan und Iran besorgen und noch einmal zur Polizei gehen, da die Jungs aus Mombasa gar nicht mehr in unserer Reifengeschichte tätig geworden sind.

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Am Samstag Abend fällt auf dem Campingplatz eine 15 köpfige Gruppe Einheimischer ein, die -wie in Afrika üblich- um 22.00 Uhr die mitgebrachte 70 cm hohe Lautsprecherbox an den mitgebrachten Computer anschließt und die Musik bis 5.00 Uhr morgens in einer Lautstärke aufdreht, dass man es wohl bis Nakuru hören kann. Ein nicht zur Gruppe zugehöriges einheimisches Pärchen verlässt um 4.00 Uhr früh den Campingplatz, weil sie –so wie wir- keinen Schlaf finden können. Selbst Oropax können diesmal den Lärm nicht ausschalten!! Die Bitten des kenianischen Pärchens auf das Leiserdrehen wurden wohl ignoriert. Die Gruppe ist heftigst betrunken. Wir hören, wie sie den beiden noch lachend “bye, bye” hinterher rufen. Nichts gegen Feiern, aber die Partywütigen befinden sich auf einem öffentlichen Campingplatz. Da wäre Rücksicht wohl angebracht. Oder zumindest eine Vorwarnung “es könnte etwas lauter werden, aber ihr könnt gerne rüber kommen zum Mitfeiern.”

Nicht in Afrika, wie uns das Personal am nächsten Tag mitteilt. In Kenia gibt es auf Campingplätzen keine “Ruhezeiten”. Jeremy fühlt sich nicht verantwortlich für die Störung. Nach dem üblichen “sorry” meint er nur, dass uns dieser Platz dann wohl ewig in Erinnerung bleiben wird. So wird es auch geduldet, dass die Gruppe ab 9.00 Uhr erneut die Musik aufdreht. Der Afro-Tech geht uns mächtig auf die Nerven und nach vier weiteren Stunden und eben einer schlaflosen Nacht habe ich dann doch genug. Ich gehe rüber. Erkläre ruhig, dass die Musik zu laut ist. Als sie meine dunklen Augenränder erblicken, wird gefragt, ob ich mich nicht wohl fühle und dann kommt das übliche “Sorry”. Erst nach ausführlichen Erklärungen meinerseits wird die Musik auf ein erträgliches Maß zurück geschraubt. Um 16.00 Uhr gehen sie dann endlich nach Hause. Afrika ist nachts laut, besonders am Wochenende. Unter der Woche schlafen sie sich dann bei der Arbeit aus Winking smile, um am Wochenende wieder fit zu sein.

Durch El Nino kommen Didis “Lieblingsfeinde” (siehe Angola) gehäuft vor. Am Freitag Abend waren es tausende von Nairobi Fliegen (Acid Bugs), die sich zum Glück nur im Toilettenblock aufhielten. Am nächsten Tag waren fast alle wieder verschwunden.

Wir wissen nicht, welches Ereignis –die Party oder die Fliegen- schlimmer war.

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