Flug

23.4.2020

Die Abholung durch das deutsche Konsulat klappt pünktlich und wir fahren erneut durch das menschenleere Jeddah.

Am Flughafen werden wir von der überaus netten Frau Koob vom Konsulat empfangen. Nach check ihrer Liste gehen wir zum check-in, geben unser Gepäck auf und warten (nach der Sicherheitskontrolle, aber ohne Gesundheitscheck) in der ausgestorbenen Abflughalle. Die Geschäfte sind geschlossen, lediglich der Coffee to go Laden ist geöffnet. Drinnen leer, draußen stehen die geparkten Saudia Flugzeuge in Reih und Glied.

Ca. 80-100 Menschen fliegen heute nach Wien. Der Flug verläuft ruhig. Es werden Masken und Desinfektionsmittel ausgeteilt.

Nach der Landung dürfen lediglich 15 Menschen auf einmal aus dem Flugzeug aussteigen. Sicherheitskontrolle der Österreicher. Ruppig geht es zu und nicht gerade freundlich. Das sind wir gar nicht mehr gewöhnt.

Wir gönnen uns das erste Bier seit Äthiopien. Drei Monate ist das her. Das zischt.

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Von Al Bahah nach Jeddah und unsere letzte Nacht in Saudi Arabien

22.4.2020

Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Abfahrt ist um 7 Uhr. Rex, der Hund, zieht den Schwanz ein und lässt die Ohren hängen. Wir verabschieden uns schnell von Elisabeth und Rex, doch die Tränen sind schneller… alles doof!!

Die lange Passstraße führt uns von 2200m auf Meereshöhe. Kurz vor Erreichen der Küstenstraße müssen wir den ersten Provinzkontrollpunkt passieren. Ob das hochoffizielle, fälschungssichere Schreiben der Botschaft hilft? Wir wissen es nicht, denn es wird lediglich die Gegenrichtung kontrolliert. Na das ging ja schon mal gut. Smile

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Kurz vor Jeddah finden vermehrt Kontrollen statt. Das Schreiben interessiert die Polizei wenig. Überzeugend wirkt, dass wir zum Flughafen möchten, um nach Hause zu fliegen. Wir werden überall durchgewunken.

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In Jeddah selbst sind die Straßen wie ausgestorben. An einer der wenigen Tankstellen, die innerhalb der Stadt Diesel haben, tanken wir nochmal voll. Kurz darauf treffen wir an unserem Ziel ein. Es ist 14 Uhr.

Riyadh, der Torwächter, öffnet und wir sind perplex: Wir dürfen in der Privatgarage von Hamza unsere Autos unterstellen. Klimatisiert!! Da müssen wir uns um Schimmelbildung im schwülen Jeddah keine Sorgen machen. Schwitzend und müde von den Anstrengungen der letzten Tage verziehen wir uns auch gleich mit in den Hangar. Wir sind erneut beeindruckt und zutiefst beschämt von der Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Saudis. Ein älterer, edler Herr fährt mit seinem Auto vor, begrüßt uns und sagt, dass er uns am nächsten Morgen zum Flughafen fahren würde. Doch wir wollen Hamza und seiner Familie nicht noch mehr Unannehmlichkeiten bereitet und kontaktieren das Konsulat. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht mehr. Nach einigem hin und her sagen sie zu, uns morgen früh mit dem Pkw der Botschaft abzuholen und zum Flughafen zu fahren. Somit ist die letzte Hürde geschafft.

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Der letzte Abend in der Sommerresidenz

21.4.2020

Die Stimmung ist nicht freudig. Wir sind uns alle noch nicht so sicher, ob es die richtige Entscheidung ist, nach Deutschland zu fliegen. Elisabeth kann wegen Rex hier nicht weg. Rex darf nicht nach Australien fliegen und Elisabeth nicht nach Deutschland. Sie wird die Sache in Saudi Arabien aussitzen. Die herzensgute Seele hat für uns Reissalat als Verpflegung für die Fahrt nach Jeddah zubereitet und hilft und unterstützt uns an unserem letzten Tag, wo sie nur kann.

Abends gehen wir alle früh ins Bett. Abschiednehmen ist nicht leicht… schon jetzt fließen Tränen.

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Die letzten Tage in der Sommerresidenz in Al Bahah

20.4.2020

Plötzlich kommt von der österreichischen Botschaft Bewegung in die Sache. Sie haben uns vor einigen Tagen einen Flug in Aussicht gestellt. Obwohl noch ungewiss ist, ob wir mitfliegen können nutzen wir die Ankündigung als Anlass zu packen, die letzte Wäsche zu waschen und somit alles für die Abfahrt und lange Unterstellzeit für VAnGO klar zu machen. Bis Jeddah sind es nur 400 km. Trotz Ausgangssperre ab 15 Uhr sind die locker an einem Tag zu schaffen. Nach Riad hätten wir mindestens zwei Tage benötigt und nicht gewusst, wo und ob wir auf dem Weg übernachten dürfen. Der Flug nach Wien ist der erste seit Schließung der saudischen Flughäfen, der das Land nicht von Riad aus verlässt. Wir hoffen sehr, mitgenommen werden zu können.

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen, hatten wir bis zum Abflug noch eine hektische Zeit.

Wir verabschieden uns von Avais, dem Gärtner, der uns täglich mit frischem Fladenbrot versorgte. Ein fröhlicher, in sich ruhender Mann, der sich sichtlich über unser Abschiedsgeschenk –ein Taschenmesser aus Deutschland- freut. Seiner lieben Frau, die für uns ein paar Mal gekocht hat, schenken wir ein kleines Taschenradio. Auch sie freut sich sehr, möchte sich aber nicht fotografieren lassen. Avais bereitet die Feuerstelle vor und als der Zeitpunkt des Abschiednehmens gekommen ist, verdrückt er glaube ich ein paar Tränen. Er hatte ja durchaus mehr Arbeit mit uns, als er ohne uns gehabt hätte (Brot bringen, Wasser anschalten, nach dem Rechten schauen) und die Kommunikation war nur mit Händen und Füßen möglich. Dennoch wird er uns vermissen und möchte unsere Telefonnummern haben. Das Gespräch würde dann so ablaufen:

Salam aleikum. (Begrüßung)

Aleikum salam, Avais.

Kayf halakum? (Wie geht es dir?)

Mia Mia. (Gut.)

Bye.

Bye bye.

Eventuell würde noch das ein oder andere Hamdulla (Gott sei Dank), Mashalla, Inshallah (Wenn Gott will) oder Allah kareem (Gott ist groß) eingestreut… Winking smile

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COVID 19 (Teil 4)

17.4.2020

Es ist Freitag. Wir sind nun exakt drei Wochen in der Sommerresidenz.

Das entscheidende Telefonat mit der Botschaft findet heute statt. Endlich. Heute erhalten wir Auskunft über die Vorgehensweise mit dem Zoll. Dachten wir…  Doch der Herr von der deutschen Botschaft meldet sich nicht mehr und ist für uns nicht erreichbar.

19.4.2020

Die österreichische Botschaft stellt einen Flug nach Wien am 23.4.2020 in Aussicht.

20.4.2020

Die Lufthansa hat die letzten Flieger zur Rückholung von Urlaubern losgeschickt. Danach wird es auf unbestimmte Zeit keinen Flugverkehr der Lufthansa geben.

Wir telefonieren mit der deutschen Botschaft und sagen, dass wir unbedingt das Flugzeug nach Wien erwischen wollen. Es müssen Reisegenehmigungen für beide Autos ausgestellt werden sowie eine Gesonderte für Jeddah. Die Zollfrage ist immer noch nicht geklärt. Wir haben nach wie vor lediglich die mündliche Zusage, dass alles in Ordnung geht. Da es nicht wahrscheinlich ist, etwas Schriftliches vom Zoll zu bekommen müssen wir uns wohl oder übel mit einer mündlichen Zusage zufrieden geben. Besonders wohl fühlen wir uns damit nicht, obwohl wir denken, dass die Saudis uns keine Steine in den Weg werfen wollen.

21.4.2020

Der hektischste Tag seit wir im Sommerhaus sind. Die Ereignisse überschlagen sich: Telefonieren mit der Botschaft. Verwirrende Emails der deutschen Botschaft bezüglich der Reisegenehmigung. Sie stellen lediglich eine Genehmigung für Jeddah aus. Wie wir dort hin kommen ist unsere Sache. Wiederholtes Telefonieren mit der Botschaft. Hilfe durch deren Seite wird uns doch noch in Aussicht gestellt. Gleichzeitig erhalten wir die Nachricht, dass wir den Flug selbst online buchen können. Das tun wir sofort. Olis Kreditkarte streikt. Oh nein. Schreckmoment. Wir nehmen Didis. Die Zahlung geht durch. Puh. Das wäre geschafft. Nun wieder zu den beiden Reisegenehmigungen, die wir benötigen. Wiederum zeitgleich chattet Oli mit Hamza, dem Mann, bei dem wir unsere Autos in einer Halle kostenlos unterstellen dürfen. Papierkram wird geklärt. Mittags um 16 Uhr bekommen wir die Reisegenehmigungen vom Konsulat zugeschickt. Das deutsche Konsulat in Jeddah arbeitet schneller, kommunikativer und besser als die Botschaft in Riad. Nun noch eine Anschlussverbindung von Wien nach Würzburg für vier Personen finden. Auch das klappt. Zugticket buchen. Fertig.

22.4.2020

Wehmütig verabschieden wir uns von Elisabeth, die mit ihrem Hund Rex in der Residenz bleibt.

Dagmar, Oli, Didi und ich fahren nach Dschidda.

Ausharren in der Sommerresidenz

16.4.2020

Ja, wir sind immer noch hier. Seit Freitag dem 27.3.2020.

Seit ein paar Tagen telefonieren wir fast täglich mit einem Herrn der deutschen Botschaft. Uns ist es nicht wirklich verständlich, weshalb sich die Zollfrage so lange hinzieht. Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, in dieser Ausnahmesituation eine schnelle und einfache Lösung zu finden. Doch wir werden immer wieder vertröstet. Die Botschaft hat alle Hände voll zu tun Flüge und Reise-Ausnahmengenehmigungen (die Provinzgrenzen sind noch immer gesperrt) zu organisieren.

Dieses Auf und Ab zwischen Hoffnung und Enttäuschung nimmt uns alle emotional mit. Man kann halt nichts planen und wir sitzen fest. Keiner weiß, ob für einige Wochen, Monate oder ein halbes Jahr… Die Ausgangssperre von 15 – 6 Uhr macht es nicht besser. Es ist wie in einem Gefängnis (nach Jahren der Freiheit fühlt es sich für uns so an), wenn auch ein Schönes mit sehr angenehmer Gesellschaft. Dennoch kann dieser Zustand noch lange, noch sehr lange andauern. Die Zahl der neu Infizierten nimmt trotz der schnellen und entschlossenen Reaktion des Königs und dessen strickten Reglementierungen zu, statt ab. Deshalb möchten wir ausreisen.

Die Tage verbringen wir mit kochen, waschen, einkaufen gehen. Die angenehme Seite sind die gemeinsamen langen Frühstücke, Fotos der bisherigen Reise anschauen, lesen, die Gespräche mit Elisabeth, Oli und Dagmar, mit dem Hund spazieren gehen (noch geht es noch zwischen 6 und 15 Uhr), die Seele baumeln lassen so gut es geht. Zu Ostern backt Dagmar einen Kuchen. Smile

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Im Garten der Sommerresidenz in Al Bahah

4.4.2020

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Unsere kleine Kommune ist wirklich cool. Jeder arbeitet Hand in Hand mit dem anderen zusammen und in der Gemeinschaft ist diese Situation nur halb so schlimm. Wir halten uns mit Yoga und Ausdauersport fit und die Tage sind zunächst erfüllt mit der Fortsetzung der gründlichen Reinigung VAnGOs und die Klärung der Zollfrage, die immer noch im Raum steht.

Avais, der Gärtner, versorgt uns jeden Tag mit frischem Fladenbrot und würde auch Mittag- und Abendessen bringen, was wir ablehnen. Wir möchten diese Gastfreundschaft von Rasheed und Mohammed nicht ausnutzen und kochen selbst. Ab und zu backt Dagmar sogar einen Kuchen. Uns geht es also gut.

Avais spricht kein Englisch und wir sprechen kein Wort Arabisch. Das ergibt lustige “Unterhaltungen”. Avais ist schlau und versteht es uns mit Mimik und Gestik immer klar zu machen, was er meint. Einmal kommt der Google Translator doch zum Einsatz. Er tippt ein: “Avais möchte nach Australien gehen.” Übersetzt wird das mit: “Avais wants to go a stray.” Winking smile

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Tourismus und speziell der Individualtourismus ist für Saudi Arabien neu und so gibt es für den durch Corona ausgelösten Fall (dass Fahrzeuge länger als die erlaubten 90 Tage im Land bleiben und dass man selbst eventuell aus dem Land ausfliegt) noch keine Gesetzesgrundlage und noch keine Lösung. In Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft und der Hilfe von Wael s Kontakt beim saudischen Zoll erstellen wir ein Schreiben, das den Aufenthalt unserer Autos dokumentieren soll. Wir warten auf deren “Daumen hoch”.

Es ist unglaublich, wie besorgt Rasheed und sein Vater Mohammed um uns sind. Sie schicken sogar einen befreundeten Krankenpfleger vorbei, der sich vergewissert, dass es uns gut geht. Drei Tage später erscheinen drei in voller Schutzklamotte eingekleidete Arzthelfer, die unsere Temperatur messen. Die Gastfreundschaft nimmt kein Ende und wir dürften uns sogar im ganzen Haus ausbreiten, was wir aber nicht möchten. Wir leben gerne draußen und das Wetter und dieser Garten sind perfekt dafür. Die erste Woche vergeht wie im Flug.

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Rasheed s Onkel bringt uns unerwarteter Weise jede Menge Gemüse vorbei. Wir sind beschämt.

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Besorgt blicken wir nach Deutschland. Dort nehmen die Reglementierungen erschreckende Ausmaße an. Man darf nicht alleine auf einer Parkbank sitzen und Kaffee trinken, man darf nicht Motorrad fahren (Pferde reiten aber schon?)… die Liste ist endlos. Und, wie wir finden, am falschen Ende begonnen und gegen das Grundgesetz und die hart erkämpften Menschenrechte. Dennoch bemühen wir uns nach Hause zu kommen. In der Heimat fühlt man sich in der Krise doch wohler. Hier in Saudi Arabien sind wir trotz aller Gastfreundschaft Ausländer, deren Visum demnächst abläuft, die die Sprache nicht sprechen, die sich mit den örtlichen Begebenheiten nicht auskennen…

Die Ausgangssperre wird verschärft und wir wissen nicht, wie wir im Falle eines Rückflugs von Riad aus, dort hin kommen könnten. Es sieht so aus, als würden wir hier mehr Zeit verbringen, als “geplant”. Planen ist so eine Sache… das ist in diesen Zeiten nicht möglich. Wir müssen uns den äußeren Gegebenheiten wohl oder übel anpassen. Die Tage gehen ins Land und von der Botschaft/Zollbehörde hören wir seit einer Woche nichts mehr. Wir sind nun bereits zwei Wochen hier.

COVID 19 (Teil 3)

30.3.2020

Die Ausgangssperre wird verschärft. Sie gilt von 15 Uhr bis 6 Uhr morgens seit einigen Tagen. Bei Nichteinhaltung droht eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Rial, umgerechnet ca. 2.500 Euro. Die Saudis sind echt gut im Regel einhalten und Abstand halten.

1.4.2020

Ein Krankenpfleger klopft an die Tür und bringt uns Handschuhe und Schutzmasken.

5.4.2020

Drei Arzthelfer erscheinen in voller Schutzmontur und messen unsere Temperatur.

6.4.2020

Totale Ausgangssperre in den Großstädten.

8.4.2020

Ausgangssperre auf dem Land von 15:00 bis 6:00 Uhr. Wir sind sehr froh, dass wir im Garten des Sommerhauses campen. Die Vorstellung täglich so viele Stunden im Auto verbringen zu müssen, wäre unerträglich.

10.4.2020

Alle zwei bis drei Tage fragt jemand von Rasheeds (dem Besitzer des Sommerhauses) Bekannten oder Verwandten nach, ob es uns gut geht und ob wir noch etwas benötigen. Soooo nett.

11.4.2020

Einer unserer Nachbarn bringt uns Datteln. Wir vermuten, dass es ein ähnliches Ritual ist, wie bei uns neuen Nachbarn Brot und Salz zu bringen.

13.4.2020

Die zeitlich bis auf Ostern limitierten Einschränkungen (Reiseverbot zwischen den Provinzgrenzen, kein öffentlicher Busverkehr, Ausgangssperre, sämtliche Grenzen sind zu, Geschäfte sind geschlossen außer Lebensmittelgeschäfte, Tankstelle, Apotheken) werden bis auf Weiteres gelten.

Unsere Zollfrage ist immer noch nicht geklärt. Wir sollten der Botschaft ein Schreiben aufsetzen, das diese dem saudischen Zoll zum Abnicken vorlegen wollte. Vor zwei Wochen haben wir das getan und es ist bis jetzt noch nichts passiert. Das heißt für uns, dass wir Saudi Arabien nicht verlassen können. Wir möchten nicht riskieren, dass wir wieder einreisen und unser Auto entweder verschrottet ist oder nachverzollt werden muss oder sonstiges…

16.4.2020

Der Herr der deutschen Botschaft vertröstet uns erneut auf den nächsten Tag.

Wie auf der Flucht….

26.3.2020

…fühlen wir uns, als wir um 6.00 Uhr früh unsere Fahrt in Richtung Al Bahah Provinz starten.

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Wir befinden uns in der Provinz Tabuk. Eigentlich ist es wunderschön hier und in der Wüste lässt es sich gut aushalten. Noch. Denn es wird Sommer und somit bald zu heiß. Bei totaler Ausgangssperre, die vielleicht wochenlang andauert ist es bei 50 Grad Außentemperatur nicht gerade witzig im Auto gefangen zu sein. Der Monarch hat kurzfristig die Sperrung der Provinzgrenzen angeordnet, somit fahren wir nicht weiter in den Norden, um das Flugzeugwrack etc. anzuschauen.

Es gilt heute von Tabuk in die Provinz Medina und von dort in die Provinz Mekka und dann noch in die Provinz Al Bahah zu gelangen. Das Ganze muss bis 15.00 Uhr passiert sein, denn dann sollen die Provinzgrenzen geschlossen werden. In der Provinz Mekka gibt es Berge, in denen es kühler ist. Falls wir dort hängen blieben, wären wir klimatisch schon mal zufrieden. Unser eigentliches Ziel ist die Provinz Al Bahah. Oli und Dagmar dürfen dort im Sommerhaus von Mohamed so lange bleiben wie sie möchten und auch wir sowie Elisabeth mir ihrem Hund Rex sind willkommen.

Die Fahrt an der Küste entlang ist eintönig, aber wir können Kilometer schrubben. VAnGO wird auf 110 km/h cruise control gesetzt. Angehalten wird lediglich zum Tanken und “kleines Geschäft” machen. Wir sind angespannt. Sind die Grenzen schon ab dem frühen Morgen geschlossen oder erst ab 15.00 Uhr? In der schriftlichen Ankündigung der Maßnahme steht das nicht klar und deutlich drin. Die erste Grenze verläuft problemlos. Es steht nicht einmal ein Polizeiauto dort. Nur wenige Hundert Kilometer später befindet sich die zweite Grenze. Auch hier dasselbe Bild. Es ist 14.05 Uhr. Wir haben bereits 700 km von 1300 km geschafft. Da es so gut läuft und wir nicht vor oder in Jeddah die Nacht verbringen wollen, fahren wir ohne Unterbrechung durch. Ich schmiere während der Fahrt Brote und versorge Didi mit Süßigkeiten und kühlen Getränken.

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Durch Jeddah kommen wir schnell durch. Das hatten wir nicht erwartet. Normalerweise fahren alle hier wie die Henker und das Verkehrsaufkommen ist hoch. An Jeddah vorbei überlegen wir nun ernsthaft, ob wir es bis in die kleine Provinz Al Bahah schaffen könnten? Wer weiß, ob morgen die Grenzen nicht hermetisch abgeriegelt sind und wir kurz vor dem Ziel ausgebremst werden?

Die Geschwindigkeit wird auf 120 km/h gesetzt. Eigentlich zu schnell für VAnGO mit den kleinen Reifen. Ich zähle die Kilometer bis zur Provinzgrenze. Bis zur Hauptroute, die Dagmar und Oli gefahren sind, schaffen wir es nicht mehr vor 19.00 Uhr. Ich suche nach Alternativen und finde eine Möglichkeit. Bei Shawq biegen wir links ab und müssen leider 18.56 Uhr ca. 10 km vor der Provinzgrenze aufgeben. Die Ausgangssperre beginnt in 4 min. und wir möchten nicht mit der Polizei in Konflikt geraten. Auf einem Hügel neben der Teerstraße campen wir und fallen todmüde ins Bett. Eigentlich wollten wir hinter dem Hügel campen, doch da gibt es nur Tiefsand und zum Ausgraben haben wir morgen früh keine Zeit. Exponiert auf dem Hügel ist nicht wirklich unser Wunschort, aber wir können es jetzt nicht ändern. Bei Dunkelheit einen Übernachtungsplatz zu finden ist nicht wirklich leicht. Licht machen wir keines mehr an, um nicht entdeckt zu werden. Doch beim Betätigen der Zentralverrieglung per Fernbedienung komme ich aus Versehen auf den Knopf, der die Alarmanlage betätigt. Alle Lichter blinken und VAnGO hupt wie verrückt. Na ganz toll.

Um 6.00 Uhr mit Ende der Ausgangssperre fahren wir weiter und erreichen die Provinz Al Bahah. Erst einige Kilometer später an einer T-Kreuzung steht ein Polizeiauto sowie orange farbige Plastikabsperrungen an der Seite der Straße. Der Polizist ist gerade mit der Taschenlampe an seinem Auto beschäftigt und wir biegen schnell rechts ab. GESCHAFFT. Smile

Uns fällt ein Stein vom Herzen.

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90 km später erreichen wir das Sommerhaus und werden mit Kaffee und Frühstück verwöhnt. Didi und ich stehen noch völlig neben uns. Unser Kreislauf spielt verrückt. Wir sind in Sicherheit hinter hohen Mauern. Wasser ist ausreichend vorhanden. Selbst Salat, Kräuter und Orangen wachsen hier. Toilette, Dusche und einen Aufenthaltsraum haben wir auch. Smile

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(Didi, Dagmar, Elisabeth, Oli)

COVID 19 (Teil 2)

17.3.2020

Lediglich Supermärkte, Tankstellen und Krankenhäuser sind geöffnet. Alle anderen Geschäfte sind geschlossen.

21.3.2020

Didi wird über facebook vom Direktor des Intercontinental Hotels in Riad angeschrieben. Falls wir Lebensmittel oder eine Unterkunft brauchen, sollen wir uns melden. In solchen Zeiten muss man zusammen halten. Soooo lieb. Vielen lieben Dank Nils. Im Moment sind die Temperaturen in der Wüste jedoch noch sehr angenehm und wir möchten Menschen aus dem Weg gehen. Da ist eine Großstadt wie Riad für uns jetzt erst mal nicht so attraktiv. Wir bleiben mit ihm in Kontakt und er schickt uns updates über Corona Zahlen in Saudi und andere wichtigen Nachrichten. Super, der Mann!

Inlandsflüge sind gestrichen und öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht mehr.

23.3.2020

Von Reisenden, die vor Jahren durch Saudi Arabien gefahren sind, haben wir die Kontaktdaten von Wael bekommen, der anscheinend Einfluss hat. Er verweist uns wegen der Aufenthaltsgenehmigung für VAnGO an einen höher gestellten Mitarbeiter des Zolls, der uns am gleichen Tag unserer Nachfrage die mündliche Zusage gibt, dass unser Fahrzeug so lange im Land bleiben könne, wie wir es wünschen. Die einzige Bedingung ist, dass wir vor Ausreise Bescheid geben sollen, über welche Grenze wir ausreisen möchten. Das beruhigt doch schon mal ungemein. Wir bitten um eine schriftliche Bestätigung. Bei Wael dürften wir unser Auto parken. Es passt leicht in seine Garage, sagt er. Winking smile

Die deutsche Botschaft hat es bis heute nicht geschafft, die Zollfrage zu klären.

Es herrscht Ausgangssperre von 19.00 bis 6:00 Uhr für 21 Tage. Das stört uns erst mal nicht weiter, denn nach Einbruch der Dunkelheit ist es draußen sowieso zu frisch und um 6:00 Uhr früh schlafen wir noch. Winking smile

25.3.2020

Der Prinz hat ab morgen 15.00 Uhr ein Reiseverbot für Residents ausgesprochen. Die Provinzgrenzen dürfen nicht mehr verlassen werden. Riad, Mekka und Medina werden komplett abgeriegelt. Keiner darf mehr raus, keiner mehr rein. Hier wird die Ausgangssperre verschärft. Ab 15 Uhr darf in diesen Städten niemand mehr das Haus verlassen. Das erfahren wir heute Nachmittag. Der Prinz ist schnell mit seinen Entscheidungen…

Heute früh bekommen wir eine whatsapp von Oli und Dagmar, die von einem Saudi, den sie in einem Wadi getroffen haben, dessen Sommerresidenz als Unterkunft kostenfrei auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellt bekommen haben. Wir sind herzlich eingeladen. Juchuhh. Das klingt doch gut. Durch das Reiseverbot werden wir morgen früh beim ersten Sonnenstrahl aufbrechen. Es sind 1300 km bis in die kühlen Berge. Wir vermuten, dass die totale Ausgangssperre nicht mehr lange auf sich warten lässt und sind für die Möglichkeit in vier Wänden unter zu kommen, und das auch noch mit so lieben Menschen, richtig froh.