Ausharren in der Sommerresidenz

16.4.2020

Ja, wir sind immer noch hier. Seit Freitag dem 27.3.2020.

Seit ein paar Tagen telefonieren wir fast täglich mit einem Herrn der deutschen Botschaft. Uns ist es nicht wirklich verständlich, weshalb sich die Zollfrage so lange hinzieht. Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, in dieser Ausnahmesituation eine schnelle und einfache Lösung zu finden. Doch wir werden immer wieder vertröstet. Die Botschaft hat alle Hände voll zu tun Flüge und Reise-Ausnahmengenehmigungen (die Provinzgrenzen sind noch immer gesperrt) zu organisieren.

Dieses Auf und Ab zwischen Hoffnung und Enttäuschung nimmt uns alle emotional mit. Man kann halt nichts planen und wir sitzen fest. Keiner weiß, ob für einige Wochen, Monate oder ein halbes Jahr… Die Ausgangssperre von 15 – 6 Uhr macht es nicht besser. Es ist wie in einem Gefängnis (nach Jahren der Freiheit fühlt es sich für uns so an), wenn auch ein Schönes mit sehr angenehmer Gesellschaft. Dennoch kann dieser Zustand noch lange, noch sehr lange andauern. Die Zahl der neu Infizierten nimmt trotz der schnellen und entschlossenen Reaktion des Königs und dessen strickten Reglementierungen zu, statt ab. Deshalb möchten wir ausreisen.

Die Tage verbringen wir mit kochen, waschen, einkaufen gehen. Die angenehme Seite sind die gemeinsamen langen Frühstücke, Fotos der bisherigen Reise anschauen, lesen, die Gespräche mit Elisabeth, Oli und Dagmar, mit dem Hund spazieren gehen (noch geht es noch zwischen 6 und 15 Uhr), die Seele baumeln lassen so gut es geht. Zu Ostern backt Dagmar einen Kuchen. Smile

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Im Garten der Sommerresidenz in Al Bahah

4.4.2020

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Unsere kleine Kommune ist wirklich cool. Jeder arbeitet Hand in Hand mit dem anderen zusammen und in der Gemeinschaft ist diese Situation nur halb so schlimm. Wir halten uns mit Yoga und Ausdauersport fit und die Tage sind zunächst erfüllt mit der Fortsetzung der gründlichen Reinigung VAnGOs und die Klärung der Zollfrage, die immer noch im Raum steht.

Avais, der Gärtner, versorgt uns jeden Tag mit frischem Fladenbrot und würde auch Mittag- und Abendessen bringen, was wir ablehnen. Wir möchten diese Gastfreundschaft von Rasheed und Mohammed nicht ausnutzen und kochen selbst. Ab und zu backt Dagmar sogar einen Kuchen. Uns geht es also gut.

Avais spricht kein Englisch und wir sprechen kein Wort Arabisch. Das ergibt lustige “Unterhaltungen”. Avais ist schlau und versteht es uns mit Mimik und Gestik immer klar zu machen, was er meint. Einmal kommt der Google Translator doch zum Einsatz. Er tippt ein: “Avais möchte nach Australien gehen.” Übersetzt wird das mit: “Avais wants to go a stray.” Winking smile

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Tourismus und speziell der Individualtourismus ist für Saudi Arabien neu und so gibt es für den durch Corona ausgelösten Fall (dass Fahrzeuge länger als die erlaubten 90 Tage im Land bleiben und dass man selbst eventuell aus dem Land ausfliegt) noch keine Gesetzesgrundlage und noch keine Lösung. In Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft und der Hilfe von Wael s Kontakt beim saudischen Zoll erstellen wir ein Schreiben, das den Aufenthalt unserer Autos dokumentieren soll. Wir warten auf deren “Daumen hoch”.

Es ist unglaublich, wie besorgt Rasheed und sein Vater Mohammed um uns sind. Sie schicken sogar einen befreundeten Krankenpfleger vorbei, der sich vergewissert, dass es uns gut geht. Drei Tage später erscheinen drei in voller Schutzklamotte eingekleidete Arzthelfer, die unsere Temperatur messen. Die Gastfreundschaft nimmt kein Ende und wir dürften uns sogar im ganzen Haus ausbreiten, was wir aber nicht möchten. Wir leben gerne draußen und das Wetter und dieser Garten sind perfekt dafür. Die erste Woche vergeht wie im Flug.

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Rasheed s Onkel bringt uns unerwarteter Weise jede Menge Gemüse vorbei. Wir sind beschämt.

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Besorgt blicken wir nach Deutschland. Dort nehmen die Reglementierungen erschreckende Ausmaße an. Man darf nicht alleine auf einer Parkbank sitzen und Kaffee trinken, man darf nicht Motorrad fahren (Pferde reiten aber schon?)… die Liste ist endlos. Und, wie wir finden, am falschen Ende begonnen und gegen das Grundgesetz und die hart erkämpften Menschenrechte. Dennoch bemühen wir uns nach Hause zu kommen. In der Heimat fühlt man sich in der Krise doch wohler. Hier in Saudi Arabien sind wir trotz aller Gastfreundschaft Ausländer, deren Visum demnächst abläuft, die die Sprache nicht sprechen, die sich mit den örtlichen Begebenheiten nicht auskennen…

Die Ausgangssperre wird verschärft und wir wissen nicht, wie wir im Falle eines Rückflugs von Riad aus, dort hin kommen könnten. Es sieht so aus, als würden wir hier mehr Zeit verbringen, als “geplant”. Planen ist so eine Sache… das ist in diesen Zeiten nicht möglich. Wir müssen uns den äußeren Gegebenheiten wohl oder übel anpassen. Die Tage gehen ins Land und von der Botschaft/Zollbehörde hören wir seit einer Woche nichts mehr. Wir sind nun bereits zwei Wochen hier.

COVID 19 (Teil 3)

30.3.2020

Die Ausgangssperre wird verschärft. Sie gilt von 15 Uhr bis 6 Uhr morgens seit einigen Tagen. Bei Nichteinhaltung droht eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Rial, umgerechnet ca. 2.500 Euro. Die Saudis sind echt gut im Regel einhalten und Abstand halten.

1.4.2020

Ein Krankenpfleger klopft an die Tür und bringt uns Handschuhe und Schutzmasken.

5.4.2020

Drei Arzthelfer erscheinen in voller Schutzmontur und messen unsere Temperatur.

6.4.2020

Totale Ausgangssperre in den Großstädten.

8.4.2020

Ausgangssperre auf dem Land von 15:00 bis 6:00 Uhr. Wir sind sehr froh, dass wir im Garten des Sommerhauses campen. Die Vorstellung täglich so viele Stunden im Auto verbringen zu müssen, wäre unerträglich.

10.4.2020

Alle zwei bis drei Tage fragt jemand von Rasheeds (dem Besitzer des Sommerhauses) Bekannten oder Verwandten nach, ob es uns gut geht und ob wir noch etwas benötigen. Soooo nett.

11.4.2020

Einer unserer Nachbarn bringt uns Datteln. Wir vermuten, dass es ein ähnliches Ritual ist, wie bei uns neuen Nachbarn Brot und Salz zu bringen.

13.4.2020

Die zeitlich bis auf Ostern limitierten Einschränkungen (Reiseverbot zwischen den Provinzgrenzen, kein öffentlicher Busverkehr, Ausgangssperre, sämtliche Grenzen sind zu, Geschäfte sind geschlossen außer Lebensmittelgeschäfte, Tankstelle, Apotheken) werden bis auf Weiteres gelten.

Unsere Zollfrage ist immer noch nicht geklärt. Wir sollten der Botschaft ein Schreiben aufsetzen, das diese dem saudischen Zoll zum Abnicken vorlegen wollte. Vor zwei Wochen haben wir das getan und es ist bis jetzt noch nichts passiert. Das heißt für uns, dass wir Saudi Arabien nicht verlassen können. Wir möchten nicht riskieren, dass wir wieder einreisen und unser Auto entweder verschrottet ist oder nachverzollt werden muss oder sonstiges…

16.4.2020

Der Herr der deutschen Botschaft vertröstet uns erneut auf den nächsten Tag.

Wie auf der Flucht….

26.3.2020

…fühlen wir uns, als wir um 6.00 Uhr früh unsere Fahrt in Richtung Al Bahah Provinz starten.

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Wir befinden uns in der Provinz Tabuk. Eigentlich ist es wunderschön hier und in der Wüste lässt es sich gut aushalten. Noch. Denn es wird Sommer und somit bald zu heiß. Bei totaler Ausgangssperre, die vielleicht wochenlang andauert ist es bei 50 Grad Außentemperatur nicht gerade witzig im Auto gefangen zu sein. Der Monarch hat kurzfristig die Sperrung der Provinzgrenzen angeordnet, somit fahren wir nicht weiter in den Norden, um das Flugzeugwrack etc. anzuschauen.

Es gilt heute von Tabuk in die Provinz Medina und von dort in die Provinz Mekka und dann noch in die Provinz Al Bahah zu gelangen. Das Ganze muss bis 15.00 Uhr passiert sein, denn dann sollen die Provinzgrenzen geschlossen werden. In der Provinz Mekka gibt es Berge, in denen es kühler ist. Falls wir dort hängen blieben, wären wir klimatisch schon mal zufrieden. Unser eigentliches Ziel ist die Provinz Al Bahah. Oli und Dagmar dürfen dort im Sommerhaus von Mohamed so lange bleiben wie sie möchten und auch wir sowie Elisabeth mir ihrem Hund Rex sind willkommen.

Die Fahrt an der Küste entlang ist eintönig, aber wir können Kilometer schrubben. VAnGO wird auf 110 km/h cruise control gesetzt. Angehalten wird lediglich zum Tanken und “kleines Geschäft” machen. Wir sind angespannt. Sind die Grenzen schon ab dem frühen Morgen geschlossen oder erst ab 15.00 Uhr? In der schriftlichen Ankündigung der Maßnahme steht das nicht klar und deutlich drin. Die erste Grenze verläuft problemlos. Es steht nicht einmal ein Polizeiauto dort. Nur wenige Hundert Kilometer später befindet sich die zweite Grenze. Auch hier dasselbe Bild. Es ist 14.05 Uhr. Wir haben bereits 700 km von 1300 km geschafft. Da es so gut läuft und wir nicht vor oder in Jeddah die Nacht verbringen wollen, fahren wir ohne Unterbrechung durch. Ich schmiere während der Fahrt Brote und versorge Didi mit Süßigkeiten und kühlen Getränken.

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Durch Jeddah kommen wir schnell durch. Das hatten wir nicht erwartet. Normalerweise fahren alle hier wie die Henker und das Verkehrsaufkommen ist hoch. An Jeddah vorbei überlegen wir nun ernsthaft, ob wir es bis in die kleine Provinz Al Bahah schaffen könnten? Wer weiß, ob morgen die Grenzen nicht hermetisch abgeriegelt sind und wir kurz vor dem Ziel ausgebremst werden?

Die Geschwindigkeit wird auf 120 km/h gesetzt. Eigentlich zu schnell für VAnGO mit den kleinen Reifen. Ich zähle die Kilometer bis zur Provinzgrenze. Bis zur Hauptroute, die Dagmar und Oli gefahren sind, schaffen wir es nicht mehr vor 19.00 Uhr. Ich suche nach Alternativen und finde eine Möglichkeit. Bei Shawq biegen wir links ab und müssen leider 18.56 Uhr ca. 10 km vor der Provinzgrenze aufgeben. Die Ausgangssperre beginnt in 4 min. und wir möchten nicht mit der Polizei in Konflikt geraten. Auf einem Hügel neben der Teerstraße campen wir und fallen todmüde ins Bett. Eigentlich wollten wir hinter dem Hügel campen, doch da gibt es nur Tiefsand und zum Ausgraben haben wir morgen früh keine Zeit. Exponiert auf dem Hügel ist nicht wirklich unser Wunschort, aber wir können es jetzt nicht ändern. Bei Dunkelheit einen Übernachtungsplatz zu finden ist nicht wirklich leicht. Licht machen wir keines mehr an, um nicht entdeckt zu werden. Doch beim Betätigen der Zentralverrieglung per Fernbedienung komme ich aus Versehen auf den Knopf, der die Alarmanlage betätigt. Alle Lichter blinken und VAnGO hupt wie verrückt. Na ganz toll.

Um 6.00 Uhr mit Ende der Ausgangssperre fahren wir weiter und erreichen die Provinz Al Bahah. Erst einige Kilometer später an einer T-Kreuzung steht ein Polizeiauto sowie orange farbige Plastikabsperrungen an der Seite der Straße. Der Polizist ist gerade mit der Taschenlampe an seinem Auto beschäftigt und wir biegen schnell rechts ab. GESCHAFFT. Smile

Uns fällt ein Stein vom Herzen.

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90 km später erreichen wir das Sommerhaus und werden mit Kaffee und Frühstück verwöhnt. Didi und ich stehen noch völlig neben uns. Unser Kreislauf spielt verrückt. Wir sind in Sicherheit hinter hohen Mauern. Wasser ist ausreichend vorhanden. Selbst Salat, Kräuter und Orangen wachsen hier. Toilette, Dusche und einen Aufenthaltsraum haben wir auch. Smile

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(Didi, Dagmar, Elisabeth, Oli)

COVID 19 (Teil 2)

17.3.2020

Lediglich Supermärkte, Tankstellen und Krankenhäuser sind geöffnet. Alle anderen Geschäfte sind geschlossen.

21.3.2020

Didi wird über facebook vom Direktor des Intercontinental Hotels in Riad angeschrieben. Falls wir Lebensmittel oder eine Unterkunft brauchen, sollen wir uns melden. In solchen Zeiten muss man zusammen halten. Soooo lieb. Vielen lieben Dank Nils. Im Moment sind die Temperaturen in der Wüste jedoch noch sehr angenehm und wir möchten Menschen aus dem Weg gehen. Da ist eine Großstadt wie Riad für uns jetzt erst mal nicht so attraktiv. Wir bleiben mit ihm in Kontakt und er schickt uns updates über Corona Zahlen in Saudi und andere wichtigen Nachrichten. Super, der Mann!

Inlandsflüge sind gestrichen und öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht mehr.

23.3.2020

Von Reisenden, die vor Jahren durch Saudi Arabien gefahren sind, haben wir die Kontaktdaten von Wael bekommen, der anscheinend Einfluss hat. Er verweist uns wegen der Aufenthaltsgenehmigung für VAnGO an einen höher gestellten Mitarbeiter des Zolls, der uns am gleichen Tag unserer Nachfrage die mündliche Zusage gibt, dass unser Fahrzeug so lange im Land bleiben könne, wie wir es wünschen. Die einzige Bedingung ist, dass wir vor Ausreise Bescheid geben sollen, über welche Grenze wir ausreisen möchten. Das beruhigt doch schon mal ungemein. Wir bitten um eine schriftliche Bestätigung. Bei Wael dürften wir unser Auto parken. Es passt leicht in seine Garage, sagt er. Winking smile

Die deutsche Botschaft hat es bis heute nicht geschafft, die Zollfrage zu klären.

Es herrscht Ausgangssperre von 19.00 bis 6:00 Uhr für 21 Tage. Das stört uns erst mal nicht weiter, denn nach Einbruch der Dunkelheit ist es draußen sowieso zu frisch und um 6:00 Uhr früh schlafen wir noch. Winking smile

25.3.2020

Der Prinz hat ab morgen 15.00 Uhr ein Reiseverbot für Residents ausgesprochen. Die Provinzgrenzen dürfen nicht mehr verlassen werden. Riad, Mekka und Medina werden komplett abgeriegelt. Keiner darf mehr raus, keiner mehr rein. Hier wird die Ausgangssperre verschärft. Ab 15 Uhr darf in diesen Städten niemand mehr das Haus verlassen. Das erfahren wir heute Nachmittag. Der Prinz ist schnell mit seinen Entscheidungen…

Heute früh bekommen wir eine whatsapp von Oli und Dagmar, die von einem Saudi, den sie in einem Wadi getroffen haben, dessen Sommerresidenz als Unterkunft kostenfrei auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellt bekommen haben. Wir sind herzlich eingeladen. Juchuhh. Das klingt doch gut. Durch das Reiseverbot werden wir morgen früh beim ersten Sonnenstrahl aufbrechen. Es sind 1300 km bis in die kühlen Berge. Wir vermuten, dass die totale Ausgangssperre nicht mehr lange auf sich warten lässt und sind für die Möglichkeit in vier Wänden unter zu kommen, und das auch noch mit so lieben Menschen, richtig froh.

Al Shaq Canyon

24.3.2020

Und wieder ein bezaubernder Platz in Saudi Arabien. Winking smile

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Am späten Nachmittag kommt noch eine einheimische Familie vorbei, die uns zum Kaffee einlädt. Wir lehnen zu deren und unserem Schutz dankend ab. Schade, dass das Corona Virus die sozialen Kontakte so sehr einschränkt. Sad smile

Im Canyon gibt es Wasser und ich nehme die Gelegenheit wahr, VAnGO mal wieder gründlich zu putzen.

Wir bleiben ein paar Tage, steigen immer wieder den nahen Hügel empor, um Internetempfang zu haben und bekommen die erleichternde mündliche Nachricht vom Zoll. Unser Auto darf so lange in Saudi bleiben, wie nötig. Jetzt brauchen wir das nur noch schriftlich und dann fällt uns ein großer Stein vom Herzen. Doch ist “Schriftliches” in der arabischen Welt nicht wirklich üblich. Hier gilt das Wort. Wir werden auch in den kommenden Wochen, trotz intensivster Bemühungen, nichts Schriftliches bekommen.

Eigentlich wollten wir zum Wadi Dam und zum Flugzeugwrack, doch die schnell neu eingeführten Corona Reglungen machen uns einen Strich durch die Rechnung…

Wadi Disah

23.3.2020

Wir fahren vom Norden her ins Wadi ein und campen oberhalb mit Blick in die Schlucht an einer kleinen Höhle. Bis kurz vor der Schlucht ist die Straße geteert. Dann führt der Weg durch tiefen Sand ins bewohnte Wadi hinein. Ab der Hälfte wird es nass. Wir campen hier nicht, da wir wegen Corona mit Kontakten im Moment vorsichtig sind und sich unerwarteter Weise viele Einheimische hier aufhalten.

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COVID 19 (Teil 1)

20.3.2020

… und was er für uns bedeutet. Aus unserer Sicht als Reisende:

Wir sind auf unserer gesamten Reise immer Gast im Land. Wie in vielen anderen Ländern auch, wurden wir in Saudi Arabien herzlich mit “welcome” begrüßt. Ca. 14 Tage nach dem uns ersten bekannten Corona Fall in Jeddah werden wir mit “Corona” andere Reisenden sogar mit “Go home” begrüßt. Das stimmt nachdenklich. Was wird passieren, wenn sich die Lage zuspitzt? Werden wir Ausländer für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht? Werden wir somit zum Buhmann und Ziel von Aggressionen? In Ghana werden die Reisenden mit Steinen beworfen… Wir können lediglich hoffen, dass wir weiterhin ungeschoren hier sein dürfen, so lange sämtliche Landesgrenzen und Flughäfen geschlossen sind. Die Einheimischen sind reserviert und halten Abstand. Das ist völlig in Ordnung und vernünftig.

Doch von Anfang an:

3.3.2020

Bei MAN erfahren wir vom ersten Corona Fall in Saudi Arabien, der am Tag zuvor in Jeddah aufgetreten sein soll.

7.3.2020

Saudi Arabien schließt seine Grenzen.

8.3.2020

Wir werden auf dem Parkplatz mit “Corona” begrüßt.

13.3.2020

Freitag der 13. abends: Wir erfahren, dass der Oman seine Grenzen ab 15.3.2020 schließen wird. Das war eigentlich als unser Etappenziel für Anfang April geplant. So ein Mist. Was tun? Wir sind über 2000km vom Oman entfernt und müssten über die Vereinigten Arabischen Emirate dorthin einreisen, dh. 2000km plus zwei Grenzübergänge in zwei Tagen. Wir überlegen sofort loszufahren. Verwerfen diesen Gedanken wieder. Es wäre nicht zu schaffen.

15.3.2020:

Saudi Arabien stellt jeglichen Flugverkehr für die nächsten 14 Tage ein. Mindestens. (Im Nachhinein waren es fast 1 1/2 Jahre! Erst am 1.8.2021 !! werden die Flughäfen wieder für Touristen geöffnet sein.)

Wir erzählen Oli und Dagmar von der Grenzschließung in den Oman und beraten, was wohl zu tun ist. Bevor die Grenze in die VAE schließt, möchten wir dort gerne einreisen. In den Emiraten ist unser Carnet gültig (das Zollpapier für VAnGO anerkannt, in Saudi Arabien nicht. In Saudi ist die Aufenthaltsdauer für das Auto wie auch für uns auf 90 Tage begrenzt) und wir hätten somit die Möglichkeit VAnGO bis Mitte Oktober unterzustellen und nach Hause zu fliegen, so lange der Flugverkehr noch statt findet. Wir gründen eine whatsapp Gruppe “Saudi News”… Overlander gestrandet in Saudi Arabien.

Eine Schlucht liegt fast auf dem Weg. Die würden wir uns gerne noch anschauen, bevor wir uns Richtung Grenze aufmachen. Janina und Peter waren schon dort und fanden sie so fantastisch, dass sie gerne noch einmal dorthin fahren möchten. Wir treffen uns und fahren mit insgesamt drei Autos dort hin und übernachten in der Schlucht. Am nächsten Tag purzelt der Landrover fast einen Dünenabhang hinunter.

15.3.2020

Mittags fahren wir aus der Schlucht heraus. Unsere Wege trennen sich. Janina und Peter erkunden den Norden Saudi Arabiens. Dagmar, Oli, Didi und ich fahren Richtung Riyad. Über whatsapp erfahren wir, dass die Grenze in die VAE am 17.3.2020 schließen wird. Wir wissen nicht, ob die Grenze am 17.3. noch offen sein oder schon geschlossen haben wird, doch interpretieren wir die Nachricht so, dass wir bis zum 16.3. Mitternacht Zeit haben und keine Minute länger. Wir geben Gas und fahren mit 110km/h die Landstraße entlang. Es sind 1600km bis zur Grenze. Wir müssen durch mehrere Großstädte durch fahren, auch durch Riyadh. Es ist 15:00 Uhr.

Die nervliche Anspannung ist immens, denn wir sind uns immer noch nicht sicher, welches die richtige Entscheidung ist: Durchrasen oder hier bleiben?

Didi fährt, ich versuche Informationen per whatsapp und im Internet zu recherchieren und bin gleichzeitig mit Dagmar und Oli in Kontakt, die das gleiche tun. An dieser Stelle gilt mein unendlicher Dank Sabine. Secret telling smile Sie ist sonntags von ihrem sonnigen Platz in der Natur nach Hause gedüst, um im Internet herauszufinden, wie die saudischen Zollbestimmungen sind. Liebe Sabine, du warst eine enorme Hilfe und Stütze. Du weißt es bereits. DANKE. In Saudi Arabien ist der Tourismus erst seit knapp einem halben Jahr eingekehrt und somit sind die Reglungen für ausländische Fahrzeuge noch nicht ausgereift. Mit einem solchen Fall kennt sich niemand aus. Man solle sich an die Hauptzollbehörde in Dammam wenden. Dagmar hat bei der Immigrationsbehörde angerufen. Auch hier lediglich eine schwammige Aussage. Das ist uns zu unsicher. Wie würde es sein, falls wir ausfliegen sollen und das Auto hier bleibt? Wie und wann könnten wir unser Auto ausführen? Vielleicht würden die Saudis das neu eingeführte Touristenvisa wieder rückgängig machen und niemanden mehr ins Land lassen? Was dann? Wir düsen weiter. Die Autofahrer hier sind nicht gerade die Besten und so wird es bei der für VAnGO hohen Geschwindigkeit nicht ganz ungefährlich. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit bekomme ich von Dagmar und Oli eine whatsapp. Sie fahren nicht weiter mit uns. Wir halten an, verabschieden uns kurz mit Wehmut und fühlen uns beim Weiterfahren sehr alleine. Ich recherchiere Klimatabellen. Ein weiterer Punkt, den es zu bedenken gibt. Es soll hier im Sommer unerträglich heiß werden, hieß es. Doch es gibt Berge, in denen ist es nachts wohl noch auszuhalten ist. Die Corona Infizierten Tabelle von Saudi Arabien zeigt knapp über 100 positive Fälle. In den Emiraten ist die Zahl um ein Vielfaches höher. Die Emirate sind von der Landfläche her sehr viel kleiner. Bei einem Heimflug würden wir uns höchst wahrscheinlich anstecken. Didi hat Asthma und ist über 50, zählt somit zur Risikogruppe. Ich möchte meine Eltern sehen. In Deutschland wird eventuell Ausgangssperre verhängt. In Saudi Arabien kann man sich leichter von Menschen fern halten. Würden wir bei einem Heimflug einen Unterstellplatz für unser Auto so schnell finden können? Wir müssten auch noch packen, VAnGO einmotten, damit bei der hohen Luftfeuchtigkeit nichts schimmelt. Würden, bis wir alles erledigt haben, überhaupt noch Flugzeuge fliegen? Und wenn nicht, säßen wir in den super heißen Emiraten fest, vielleicht für Monate. Die Gedanken rasen und Didi auch. Es ist dunkel. Die Kilometeranzeige geht nicht so schnell runter wie ich hoffte. Es sind immer noch 110 km bis zur Grenze. Es ist 22.00 Uhr. Es bleiben noch 26 Stunden Zeit. Wir müssen noch durch zwei große Städte. Die letzten 500 km sind schlechte Teerstraße. Wir müssten die Nacht durchfahren und der Verkehr wird  um Riyadh herum bis zur Grenze zunehmen. Das ist eigentlich schon lebensmüde. Mich erreicht eine whatsapp von Overlandern, die die schriftliche Zusage des Oman hatten, dass die Grenze zum Oman bis 15.3. bis Mitternacht geöffnet sei. Sie hatten bereits gültige Visa in ihren Pässen. Die Emiratis haben sie am 15.3. abends (ebenfalls nach halsbrecherischer Fahrt) nicht mehr ausreisen lassen. Sie sagten, der Oman hätte bereits am Morgen die Grenzen dicht gemacht. Falls sie dennoch ausreisen wollen, dürften sie nicht mehr zurück in die Emirate einreisen. Falls sie nicht in den Oman kämen, müssten sie im Niemandsland bleiben.

Um 22.30 Uhr brechen wir ab und fahren auf einen Truckparkplatz.

16.3.2020

Am Morgen fühlen wir uns trotz unruhiger Nacht ganz gut. Endlich ist eine Entscheidung getroffen. Jetzt würden wir es auf gar keinen Fall mehr bis zur Grenze schaffen. Ob es die richtige Entscheidung ist, wissen wir nicht. Aber es ist eine Entscheidung.

Geschäfte schließen. Lediglich Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und Krankenhäuser sind noch offen.

16.3.2020

Jetzt gilt es Zoll und Immigration zu klären. Wir fragen direkt bei den entsprechenden Behörden nach, bekommen aber keine zufriedenstellende Auskunft.

17.3.2020

Wir registrieren und bei “elefand”, der Seite beim Auswärtigen Amt. Dadurch bekommen wir Emails von der deutschen Botschaft in Riyadh zur aktuellen Lage. Wir wenden uns mit unseren speziellen Fragen an die deutsche Botschaft. Sie wollen sich mit den hiesigen Behörden in Verbindung setzen. Da der Flugverkehr in Saudi Arabien eingestellt ist, kann man uns nicht ausfliegen. Außerdem kümmert man sich zuerst um die Rückholung von Deutschen aus sog. Urlaubsländern, wie Marokko, Dom.Rep., etc. Saudi steht ganz unten auf der Prioritätenliste. Es gibt zu wenig deutsche Urlauber hier.

20.3.2020

Laut einem facebook post, kann man das Visum für Saudi Arabien online verlängern. Frühestens kann man das 7 Tage vor Ablauf des bestehenden Visas tun. Na, das wäre schon mal was. Von der deutschen Botschaft ist das allerdings noch nicht bestätigt. Die Zollfrage steht immer noch im Raum.

Fahrt Richtung Tabuk-Al Disah Schlucht

19.3.2020

Wir decken uns in Al Ula mit Lebensmitteln ein. Am Eingang des Supermarktes stehen Einmalhandschuhe bereit.

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Mit Blick auf die Schlucht übernachten wir oberhalb derselben an einer kleinen Höhle. Die Nacht ist kalt. Es hat nur 6 Grad, aber wir schlafen wie die Murmeltiere. Endlich mal wieder. Der Corona Virus beschäftigte uns sehr (siehe nächster Beitrag).

Saudi Arabien hat wunderschöne Landschaften. Die Zufahrt zur Schlucht ist steil. Auf guter Teerstraße gleiten wir ins Tal. Ein Araber führt sein Kamel Gassi. Winking smile Durch die starken Regenfälle der letzten Tage ist die Hälfte der Schlucht sehr nass, aber noch gut befahrbar.

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