COVID 19 (Teil 1)

20.3.2020

… und was er für uns bedeutet. Aus unserer Sicht als Reisende:

Wir sind auf unserer gesamten Reise immer Gast im Land. Wie in vielen anderen Ländern auch, wurden wir in Saudi Arabien herzlich mit “welcome” begrüßt. Ca. 14 Tage nach dem uns ersten bekannten Corona Fall in Jeddah werden wir mit “Corona” andere Reisenden sogar mit “Go home” begrüßt. Das stimmt nachdenklich. Was wird passieren, wenn sich die Lage zuspitzt? Werden wir Ausländer für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht? Werden wir somit zum Buhmann und Ziel von Aggressionen? In Ghana werden die Reisenden mit Steinen beworfen… Wir können lediglich hoffen, dass wir weiterhin ungeschoren hier sein dürfen, so lange sämtliche Landesgrenzen und Flughäfen geschlossen sind. Die Einheimischen sind reserviert und halten Abstand. Das ist völlig in Ordnung und vernünftig.

Doch von Anfang an:

3.3.2020

Bei MAN erfahren wir vom ersten Corona Fall in Saudi Arabien, der am Tag zuvor in Jeddah aufgetreten sein soll.

7.3.2020

Saudi Arabien schließt seine Grenzen.

8.3.2020

Wir werden auf dem Parkplatz mit “Corona” begrüßt.

13.3.2020

Freitag der 13. abends: Wir erfahren, dass der Oman seine Grenzen ab 15.3.2020 schließen wird. Das war eigentlich als unser Etappenziel für Anfang April geplant. So ein Mist. Was tun? Wir sind über 2000km vom Oman entfernt und müssten über die Vereinigten Arabischen Emirate dorthin einreisen, dh. 2000km plus zwei Grenzübergänge in zwei Tagen. Wir überlegen sofort loszufahren. Verwerfen diesen Gedanken wieder. Es wäre nicht zu schaffen.

15.3.2020:

Saudi Arabien stellt jeglichen Flugverkehr für die nächsten 14 Tage ein. Mindestens. (Im Nachhinein waren es fast 1 1/2 Jahre! Erst am 1.8.2021 !! werden die Flughäfen wieder für Touristen geöffnet sein.)

Wir erzählen Oli und Dagmar von der Grenzschließung in den Oman und beraten, was wohl zu tun ist. Bevor die Grenze in die VAE schließt, möchten wir dort gerne einreisen. In den Emiraten ist unser Carnet gültig (das Zollpapier für VAnGO anerkannt, in Saudi Arabien nicht. In Saudi ist die Aufenthaltsdauer für das Auto wie auch für uns auf 90 Tage begrenzt) und wir hätten somit die Möglichkeit VAnGO bis Mitte Oktober unterzustellen und nach Hause zu fliegen, so lange der Flugverkehr noch statt findet. Wir gründen eine whatsapp Gruppe “Saudi News”… Overlander gestrandet in Saudi Arabien.

Eine Schlucht liegt fast auf dem Weg. Die würden wir uns gerne noch anschauen, bevor wir uns Richtung Grenze aufmachen. Janina und Peter waren schon dort und fanden sie so fantastisch, dass sie gerne noch einmal dorthin fahren möchten. Wir treffen uns und fahren mit insgesamt drei Autos dort hin und übernachten in der Schlucht. Am nächsten Tag purzelt der Landrover fast einen Dünenabhang hinunter.

15.3.2020

Mittags fahren wir aus der Schlucht heraus. Unsere Wege trennen sich. Janina und Peter erkunden den Norden Saudi Arabiens. Dagmar, Oli, Didi und ich fahren Richtung Riyad. Über whatsapp erfahren wir, dass die Grenze in die VAE am 17.3.2020 schließen wird. Wir wissen nicht, ob die Grenze am 17.3. noch offen sein oder schon geschlossen haben wird, doch interpretieren wir die Nachricht so, dass wir bis zum 16.3. Mitternacht Zeit haben und keine Minute länger. Wir geben Gas und fahren mit 110km/h die Landstraße entlang. Es sind 1600km bis zur Grenze. Wir müssen durch mehrere Großstädte durch fahren, auch durch Riyadh. Es ist 15:00 Uhr.

Die nervliche Anspannung ist immens, denn wir sind uns immer noch nicht sicher, welches die richtige Entscheidung ist: Durchrasen oder hier bleiben?

Didi fährt, ich versuche Informationen per whatsapp und im Internet zu recherchieren und bin gleichzeitig mit Dagmar und Oli in Kontakt, die das gleiche tun. An dieser Stelle gilt mein unendlicher Dank Sabine. Secret telling smile Sie ist sonntags von ihrem sonnigen Platz in der Natur nach Hause gedüst, um im Internet herauszufinden, wie die saudischen Zollbestimmungen sind. Liebe Sabine, du warst eine enorme Hilfe und Stütze. Du weißt es bereits. DANKE. In Saudi Arabien ist der Tourismus erst seit knapp einem halben Jahr eingekehrt und somit sind die Reglungen für ausländische Fahrzeuge noch nicht ausgereift. Mit einem solchen Fall kennt sich niemand aus. Man solle sich an die Hauptzollbehörde in Dammam wenden. Dagmar hat bei der Immigrationsbehörde angerufen. Auch hier lediglich eine schwammige Aussage. Das ist uns zu unsicher. Wie würde es sein, falls wir ausfliegen sollen und das Auto hier bleibt? Wie und wann könnten wir unser Auto ausführen? Vielleicht würden die Saudis das neu eingeführte Touristenvisa wieder rückgängig machen und niemanden mehr ins Land lassen? Was dann? Wir düsen weiter. Die Autofahrer hier sind nicht gerade die Besten und so wird es bei der für VAnGO hohen Geschwindigkeit nicht ganz ungefährlich. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit bekomme ich von Dagmar und Oli eine whatsapp. Sie fahren nicht weiter mit uns. Wir halten an, verabschieden uns kurz mit Wehmut und fühlen uns beim Weiterfahren sehr alleine. Ich recherchiere Klimatabellen. Ein weiterer Punkt, den es zu bedenken gibt. Es soll hier im Sommer unerträglich heiß werden, hieß es. Doch es gibt Berge, in denen ist es nachts wohl noch auszuhalten ist. Die Corona Infizierten Tabelle von Saudi Arabien zeigt knapp über 100 positive Fälle. In den Emiraten ist die Zahl um ein Vielfaches höher. Die Emirate sind von der Landfläche her sehr viel kleiner. Bei einem Heimflug würden wir uns höchst wahrscheinlich anstecken. Didi hat Asthma und ist über 50, zählt somit zur Risikogruppe. Ich möchte meine Eltern sehen. In Deutschland wird eventuell Ausgangssperre verhängt. In Saudi Arabien kann man sich leichter von Menschen fern halten. Würden wir bei einem Heimflug einen Unterstellplatz für unser Auto so schnell finden können? Wir müssten auch noch packen, VAnGO einmotten, damit bei der hohen Luftfeuchtigkeit nichts schimmelt. Würden, bis wir alles erledigt haben, überhaupt noch Flugzeuge fliegen? Und wenn nicht, säßen wir in den super heißen Emiraten fest, vielleicht für Monate. Die Gedanken rasen und Didi auch. Es ist dunkel. Die Kilometeranzeige geht nicht so schnell runter wie ich hoffte. Es sind immer noch 110 km bis zur Grenze. Es ist 22.00 Uhr. Es bleiben noch 26 Stunden Zeit. Wir müssen noch durch zwei große Städte. Die letzten 500 km sind schlechte Teerstraße. Wir müssten die Nacht durchfahren und der Verkehr wird  um Riyadh herum bis zur Grenze zunehmen. Das ist eigentlich schon lebensmüde. Mich erreicht eine whatsapp von Overlandern, die die schriftliche Zusage des Oman hatten, dass die Grenze zum Oman bis 15.3. bis Mitternacht geöffnet sei. Sie hatten bereits gültige Visa in ihren Pässen. Die Emiratis haben sie am 15.3. abends (ebenfalls nach halsbrecherischer Fahrt) nicht mehr ausreisen lassen. Sie sagten, der Oman hätte bereits am Morgen die Grenzen dicht gemacht. Falls sie dennoch ausreisen wollen, dürften sie nicht mehr zurück in die Emirate einreisen. Falls sie nicht in den Oman kämen, müssten sie im Niemandsland bleiben.

Um 22.30 Uhr brechen wir ab und fahren auf einen Truckparkplatz.

16.3.2020

Am Morgen fühlen wir uns trotz unruhiger Nacht ganz gut. Endlich ist eine Entscheidung getroffen. Jetzt würden wir es auf gar keinen Fall mehr bis zur Grenze schaffen. Ob es die richtige Entscheidung ist, wissen wir nicht. Aber es ist eine Entscheidung.

Geschäfte schließen. Lediglich Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen und Krankenhäuser sind noch offen.

16.3.2020

Jetzt gilt es Zoll und Immigration zu klären. Wir fragen direkt bei den entsprechenden Behörden nach, bekommen aber keine zufriedenstellende Auskunft.

17.3.2020

Wir registrieren und bei “elefand”, der Seite beim Auswärtigen Amt. Dadurch bekommen wir Emails von der deutschen Botschaft in Riyadh zur aktuellen Lage. Wir wenden uns mit unseren speziellen Fragen an die deutsche Botschaft. Sie wollen sich mit den hiesigen Behörden in Verbindung setzen. Da der Flugverkehr in Saudi Arabien eingestellt ist, kann man uns nicht ausfliegen. Außerdem kümmert man sich zuerst um die Rückholung von Deutschen aus sog. Urlaubsländern, wie Marokko, Dom.Rep., etc. Saudi steht ganz unten auf der Prioritätenliste. Es gibt zu wenig deutsche Urlauber hier.

20.3.2020

Laut einem facebook post, kann man das Visum für Saudi Arabien online verlängern. Frühestens kann man das 7 Tage vor Ablauf des bestehenden Visas tun. Na, das wäre schon mal was. Von der deutschen Botschaft ist das allerdings noch nicht bestätigt. Die Zollfrage steht immer noch im Raum.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.