Die letzten Tag in der Sommerresidenz in Al Bahah

20.4.2020

Plötzlich kommt von der österreichischen Botschaft Bewegung in die Sache. Sie haben uns vor einigen Tagen einen Flug in Aussicht gestellt. Obwohl noch ungewiss ist, ob wir mitfliegen können nutzen wir die Ankündigung als Anlass zu packen, die letzte Wäsche zu waschen und somit alles für die Abfahrt und lange Unterstellzeit für VAnGO klar zu machen. Bis Jeddah sind es nur 400 km. Trotz Ausgangssperre ab 15 Uhr sind die locker an einem Tag zu schaffen. Nach Riad hätten wir mindestens zwei Tage benötigt und nicht gewusst, wo und ob wir auf dem Weg übernachten dürfen. Der Flug nach Wien ist der erste seit Schließung der saudischen Flughäfen, der das Land nicht von Riad aus verlässt. Wir hoffen sehr, mitgenommen werden zu können.

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen, hatten wir bis zum Abflug noch eine hektische Zeit.

Wir verabschieden uns von Avais, dem Gärtner, der uns täglich mit frischem Fladenbrot versorgte. Ein fröhlicher, in sich ruhender Mann, der sich sichtlich über unser Abschiedsgeschenk –ein Taschenmesser aus Deutschland- freut. Seiner lieben Frau, die für uns ein paar Mal gekocht hat, schenken wir ein kleines Taschenradio. Auch sie freut sich sehr, möchte sich aber nicht fotografieren lassen. Avais bereitet die Feuerstelle vor und als der Zeitpunkt des Abschiednehmens gekommen ist, verdrückt er glaube ich ein paar Tränen. Er hatte ja durchaus mehr Arbeit mit uns, als er ohne uns gehabt hätte (Brot bringen, Wasser anschalten, nach dem Rechten schauen) und die Kommunikation war nur mit Händen und Füßen möglich. Dennoch wird er uns vermissen und möchte unsere Telefonnummern haben. Das Gespräch würde dann so ablaufen:

Salam aleikum. (Begrüßung)

Salam aleikum, Avais.

Kayf halakum? (Wie geht es dir?)

Mia Mia. (Gut.)

Bye.

Bye bye.

Eventuell würde noch das ein oder andere Hamdulla (Gott sei Dank), Mashalla, Inshallah (Wenn Gott will) oder Allah kareem (Gott ist groß) eingestreut… Winking smile

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Ausharren in der Sommerresidenz

16.4.2020

Ja, wir sind immer noch hier. Seit Freitag dem 27.3.2020.

Seit ein paar Tagen telefonieren wir fast täglich mit einem Herrn der deutschen Botschaft. Uns ist es nicht wirklich verständlich, weshalb sich die Zollfrage so lange hinzieht. Eigentlich sollte es nicht so schwierig sein, in dieser Ausnahmesituation eine schnelle und einfache Lösung zu finden. Doch wir werden immer wieder vertröstet. Die Botschaft hat alle Hände voll zu tun Flüge und Reise-Ausnahmengenehmigungen (die Provinzgrenzen sind noch immer gesperrt) zu organisieren. Anscheinend wird ihnen das Leben von saudischer Seite nicht einfach gemacht, wie der Herr der Botschaft sagt. Ein Erklärungsversuch von seiner Seite.

Dieses Auf und Ab zwischen Hoffnung und Enttäuschung nimmt uns alle emotional mit. Man kann halt nichts planen und wir sitzen fest. Keiner weiß, ob für einige Wochen, Monate oder ein halbes Jahr… Die Ausgangssperre von 15 – 6 Uhr macht es nicht besser. Es ist ein Gefängnis, wenn auch ein Schönes mit sehr angenehmer Gesellschaft. Dennoch kann dieser Zustand noch lange, noch sehr lange andauern. Die Zahl der neu Infizierten nimmt trotz der schnellen Reaktion des Königs und dessen strickten Reglementierungen zu statt ab. Deshalb möchten wir ausreisen.

Die Tage verbringen wir mit kochen, waschen, einkaufen gehen. Die angenehme Seite sind die gemeinsamen langen Frühstücke, Fotos der bisherigen Reise anschauen, lesen, die Gespräche mit Elisabeth, Oli und Dagmar, mit dem Hund spazieren gehen (noch geht es noch zwischen 6 und 15 Uhr), die Seele baumeln lassen so gut es geht. Zu Ostern backt Dagmar einen Kuchen. Smile

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Im Garten der Sommerresidenz in Al Bahah

4.4.2020

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Unsere kleine Kommune ist wirklich cool. Jeder arbeitet Hand in Hand mit dem anderen zusammen und in der Gemeinschaft ist diese Situation nur halb so schlimm. Wir halten uns mit Yoga und Ausdauersport fit und die Tage sind zunächst erfüllt mit der Fortsetzung der gründlichen Reinigung VAnGOs und die Klärung der Zollfrage, die immer noch im Raum steht.

Avais, der Gärtner, versorgt uns jeden Tag mit frischem Fladenbrot und würde auch Mittag- und Abendessen bringen, was wir ablehnen. Wir möchten diese Gastfreundschaft von Rasheed und Mohammed nicht ausnutzen und kochen selbst. Ab und zu backt Dagmar sogar einen Kuchen. Uns geht es also gut.

Avais spricht kein Englisch und wir sprechen kein Wort Arabisch. Das ergibt lustige “Unterhaltungen”. Avais ist schlau und versteht es uns mit Mimik und Gestik immer klar zu machen, was er meint. Einmal kommt der Google Translator doch zum Einsatz. Er tippt ein: “Avais möchte nach Australien gehen.” Übersetzt wird das mit: “Avais wants to go a stray.” Winking smile

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Tourismus und speziell der Individualtourismus ist für Saudi Arabien neu und so gibt es für den durch Corona ausgelösten Fall (dass Fahrzeuge länger als die erlaubten 90 Tage im Land bleiben und dass man selbst eventuell aus dem Land ausfliegt) noch keine Gesetzesgrundlage und noch keine Lösung. In Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft und der Hilfe von Wael s Kontakt beim saudischen Zoll erstellen wir ein Schreiben, das den Aufenthalt unserer Autos dokumentieren soll. Wir warten auf deren “Daumen hoch”.

Es ist unglaublich, wie besorgt Rasheed und sein Vater Mohammed um uns sind. Sie schicken sogar einen befreundeten Krankenpfleger vorbei, der sich vergewissert, dass es uns gut geht. Drei Tage später erscheinen drei in voller Schutzklamotte eingekleidete Arzthelfer, die unsere Temperatur messen. Die Gastfreundschaft nimmt kein Ende und wir dürften uns sogar im ganzen Haus ausbreiten, was wir aber nicht möchten. Wir leben gerne draußen und das Wetter und dieser Garten sind perfekt dafür. Die erste Woche vergeht wie im Flug.

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Rasheed s Onkel bringt uns unerwarteter Weise jede Menge Gemüse vorbei. Wir sind beschämt.

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Besorgt blicken wir nach Deutschland. Dort nehmen die Reglementierungen erschreckende Ausmaße an. Man darf nicht alleine auf einer Parkbank sitzen und Kaffee trinken, man darf nicht Motorrad fahren (Pferde reiten aber schon?)… die Liste ist endlos. Und, wie wir finden, am falschen Ende begonnen und gegen das Grundgesetz und die hart erkämpften Menschenrechte. Dennoch bemühen wir uns nach Hause zu kommen. In der Heimat fühlt man sich in der Krise doch wohler. Hier in Saudi Arabien sind wir trotz aller Gastfreundschaft Ausländer, deren Visum demnächst abläuft, die die Sprache nicht sprechen, die sich mit den örtlichen Begebenheiten nicht auskennen…

Die Ausgangssperre wird verschärft und wir wissen nicht, wie wir im Falle eines Rückflugs von Riad aus, dort hin kommen könnten. Es sieht so aus, als würden wir hier mehr Zeit verbringen, als “geplant”. Planen ist so eine Sache… das ist in diesen Zeiten nicht möglich. Wir müssen uns den äußeren Gegebenheiten wohl oder übel anpassen. Die Tage gehen ins Land und von der Botschaft/Zollbehörde hören wir seit einer Woche nichts mehr. Wir sind nun bereits zwei Wochen hier.

Al Shaq Canyon

24.3.2020

Und wieder ein bezaubernder Platz in Saudi Arabien. Winking smile

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Am späten Nachmittag kommt noch eine einheimische Familie vorbei, die uns zum Kaffee einlädt. Wir lehnen zu deren und unserem Schutz dankend ab. Schade, dass der Corona Virus die sozialen Kontakte so sehr einschränkt. Sad smile

Im Canyon gibt es Wasser und ich nehme die Gelegenheit wahr, VAnGO mal wieder gründlich zu putzen.

Wir bleiben ein paar Tage, steigen immer wieder den nahen Hügel empor, um Internetempfang zu haben und bekommen die erleichternde mündliche Nachricht vom Zoll. Unser Auto darf so lange in Saudi bleiben, wie nötig. Jetzt brauchen wir das nur noch schriftlich und dann fällt uns ein großer Stein vom Herzen.

Eigentlich wollten wir zum Wadi Dam und zum Flugzeugwrack, doch der Prinz macht uns einen Strich durch die Rechnung…

Wadi Disah

23.3.2020

Wir fahren vom Norden her ins Wadi ein und campen oberhalb mit Blick in die Schlucht an einer kleinen Höhle. Bis kurz vor der Schlucht ist die Straße geteert. Dann führt der Weg durch tiefen Sand ins bewohnte Wadi hinein. Ab der Hälfte wird es nass. Wir campen hier nicht, da wir wegen Corona mit Kontakten im Moment vorsichtig sind und sich unerwarteter Weise viele Einheimische hier aufhalten.

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Fahrt Richtung Tabuk-Al Disah Schlucht

19.3.2020

Wir decken uns in Al Ula mit Lebensmitteln ein. Am Eingang des Supermarktes stehen Einmalhandschuhe bereit.

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Mit Blick auf die Schlucht übernachten wir oberhalb derselben an einer kleinen Höhle. Die Nacht ist kalt. Es hat nur 6 Grad, aber wir schlafen wie die Murmeltiere. Endlich mal wieder. Der Corona Virus beschäftigte uns sehr (siehe nächster Beitrag).

Saudi Arabien hat wunderschöne Landschaften. Die Zufahrt zur Schlucht ist steil. Auf guter Teerstraße gleiten wir ins Tal. Ein Araber führt sein Kamel Gassi. Winking smile Durch die starken Regenfälle der letzten Tage ist die Hälfte der Schlucht sehr nass, aber noch gut befahrbar.

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Disaster auf dem Dünenkamm

15.3.2020

Das Wetter ist besser. Der Wind hat nachgelassen und der Himmel erstrahlt in tiefem Blau. Nach ausgiebigem Frühstück fahren wir alle gemeinsam los. Die Teerstraße ist lediglich eine Stunde entfernt und dort heißt es Abschied nehmen.

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Doch zuvor geschieht fast ein Unglück. Peter und Janina fahren mit ihrem Landrover eine Düne hoch, dicht gefolgt von Didi und mir. Sie fahren über die Kuppe hinweg und sind kurz verschwunden. Als wir sie sehen stockt uns vor Schreck der Atem. Der Landy hängt schräg auf dem Dünenkamm und droht seitlich abzurutschen. Falls das passiert, wird er sich mindestens auf die Seite drehen, wenn nicht gar überschlagen. Den Wagen mit der Nase nach unten zu richten und die Düne so herunter zu fahren ist von der jetzigen Position aus auch keine gute Idee mehr. Die Rettungsaktion beginnt.

Sämtliche Sandbleche werden hervor geholt. Ein Abschleppseil wird an den Landy und VAnGO gebunden. Oli und Dagmars Ford dient VAnGO als Anker, falls der Landy unkontrolliert die Düne runter kullert. Alle behalten die Nerven und arbeiten als Team super zusammen. Didi hat in seinen früheren Urlauben bei Saharadurchquerungen mehr als genug Erfahrungen mit solchen Situationen gesammelt und übernimmt die Leitung. In Absprache mit Peter folgen alle anderen seinem Rat und nach mehrmaligen Anläufen, in denen immer wieder die Sandbleche neu ausgerichtet werden müssen, können wir den Landy befreien. Tiefe Erleichterung bei allen!!! Zwischendrin war es mal ganz schön knapp. Der Landy rutschte noch weiter den Dünenabhang hinab…

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Ein letztes Fotoshooting mit allen Fahrzeugen und dann heißt es Abschied nehmen von Janina und Peter.

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Offroad in der Wüste

13.3.2020

Für die nächsten beiden Tage war Sandsturm angekündigt und so haben wir uns am Elefant Rock zwischen hohen Felsen und steinigem Untergrund für zwei Tage eingenistet. Diese Idee hatten auch Tim (alleine unterwegs) und Elisabeth (mit Hund unterwegs und einem Toyota Hiace, Rechtslenker!!! Einfuhrverbot für Rechtslenker in Saudi, doch blau-grüne Augen schaffen alles Winking smile). Alle, durch Corona Virus in Saudi Arabien gestrandeten Deutschen, scheinen sich hier zu treffen. Winking smile Die durch den Virus ausgelösten Grenzschließungen machen uns schwer zu schaffen und wir überlegen, welche Möglichkeiten der Weiterreise uns bleiben. Die begrenzte Aufenthaltsdauer für Personen und Autos, sowie die bald einsetzende unerträgliche Hitze und die eventuellen Flugstornierungen müssen berücksichtigt werden. Im Moment ist lediglich noch eine Grenze offen und das ist die in die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Wir machen Brainstorming und fahren erst einmal mit Dagmar und Oli und Janina und Peter in die Wüste.

Leider ist es ziemlich diesig. Die Luft ist stauberfüllt. Das ergibt eine eigentümliche Stimmung. Die Landschaft ist grandios. Wir finden Felszeichnungen, ob wirklich alt oder nicht…? Egal. Wir treffen auf Marc, der die Gegend mit seinem Motorrad erkundet. Didi bekommt Gelüste. Winking smile 

In einer Sackgassen-Schlucht finden wir einen windgeschützten Übernachtungsplatz.

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Felsformationen in der Wüste um Al Ula

9.3.2020

Die Umgebung von Al Ula ist fantastisch. Wir fühlen uns hier sehr wohl: Ruhe, nette Gesellschaft, tolle Landschaft… Es gibt viel zu entdecken. Die Twins Rocks, The Face, Rainbow Arch… einfach herrlich.

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Nachts gehen wir mit unsere Schwarzlichtlampe auf Skorpion Jagd und werden fündig.

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