Didis Geburtstag

13.9.2019

Es ist Freitag der 13. Didi hätte sich sicherlich nicht gewünscht diesen Tag mit einem Besuch auf der Polizeistation zu beginnen (siehe vorherigen Bericht).

Wir fahren zum See und hoffen ein nettes Plätzchen zum Übernachten und ein gutes Restaurant zu finden.

Unglaublich welche Lasten hier bergauf- und bergab transportiert werden.

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Wir finden ein herrliches Fleckchen Erde, doch genau heute entschließt sich das Wetter mit der Regenzeit zu beginnen.

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Im Restaurant gibt es sehr leckeres Essen und so kann Didi doch noch seinen Geburtstag genießen. Candle light Dinner ohne candle…. (Stromausfall, aber es gibt leider keine Kerzen).

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Wir wurden bestohlen

12.9.2019

Zum ersten Mal in knapp vier Jahren auf der Straße werden wir in Ruanda bestohlen.

Es passiert tagsüber an den heißen Quellen im Südwesten Ruandas. Viele Einheimische gehen im heißen See baden. Wir werden, auch von Erwachsenen,  unverblümt angestarrt und ab dem Zeitpunkt, als wir das Auto verlassen, auch penetrant angebettelt. Die Menschen hier sind distanzlos und unser Auto umringt von Menschen, die es anfassen. Kinder klettern auf VAnGO herum und schauen unter das Auto. Wir bemerken leider nicht sofort, dass eines von ihnen den Sensor für das Luftdruckmesssystem abschraubt. Leider! Wohin das Teil gekommen ist? Keine Ahnung.

Wir sind der Meinung, dass wir das nicht einfach so hinnehmen sollten. Andere Reisende werden kommen und dann eventuell mit demselben Problem konfrontiert werden. Außerdem ist so ein Sensor auf unserer weiteren Reise nur für viel Geld wieder zu bekommen. In Afrika gibt es ihn nicht. Deshalb hoffen wir natürlich auch, dass wir ihn irgendwie möglichst unkompliziert wieder zurückbekommen.

Zufällig ist ein Mann des Militärs vor Ort. Eigentlich will er gerade im See schwimmen gehen. Nachdem er von unserem Problem hört wird er aktiv. Ein einziger Junge (er verkauft so eine Art Berliner) ist noch anwesend und wird befragt. Wir wissen, dass es dieser Junge nicht gewesen sein kann, denn er war die ganze Zeit mit dem Verkauf seines Gebäcks beschäftigt und nicht mit unserem Auto. Der Junge nennt zwei Namen. Jimmy und Frank hätten den Sensor abgeschraubt. Der Militärbeamte ruft den Chief des nahegelegenen Dorfes an. Dieser kommt. Die beiden Jungs seien in der Schule. Wir sollen mit ins Dorf kommen, um weitere Informationen zu sammeln. Das macht man in Afrika gerne: Informationen sammeln. Nachdem der Militär zusagt, während er zum Schwimmen geht gleichzeitig auf unser Auto zu achten, gehen wir gemeinsam mit dem Chief ins Dorf. David, ein sehr netter, smarter, verantwortungsbewusster Teenager, stellt sich als Dolmetscher zur Verfügung. Er ist zuversichtlich, dass das Problem gleich gelöst sein wird.

David:

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Im Dorf angekommen sollen wir dann doch nicht in die Schule gehen. Der Chief meint, dass die Kinder Angst vor uns bekommen könnten. So geht er alleine in die Schule und kommt mit Jimmy und Frank zurück. Die beiden bestreiten, den Sensor abgeschraubt zu haben. Ab jetzt wird der Versuch die Sache zu klären unlogisch (in unseren Augen). Wir sollen mit den beiden Schülern zum “Tatort” zurück kehren, um Informationen zu sammeln… Zurück am See versucht das Militär nochmal aus den Kindern irgend etwas heraus zu bekommen. Den Stock schon in der Hand wissen die Kinder, was ihnen droht. Nach erteilter Hiebe berichtet der Mann des Militärs, dass er keine weiteren Informationen hat, nimmt aber an, dass wir nun mit der Sache zufrieden sind, da ja jemand bestraft wurde. Wir sind alles andere als froh darüber, dass diese Kinder Stockhiebe bekamen.

Mittlerweile ist es Mittag. Wir sollen Geduld haben. In Afrika dauern die Dinge länger, als in Deutschland, meint David. Das wäre ihre Kultur.

Der Chief schlägt vor, dass nach Schulschluss alle Kinder befragt werden und eine große Suchaktion gestartet werden soll. Wir müssten bis 16 Uhr warten. Hm… Wir sind nun auch neugierig geworden, wie in Afrika mit einer solchen Situation umgegangen wird und warten. Der Chief erscheint kurz vor Einbruch der Dunkelheit ohne Kinder. Es sei ihm nicht gelungen weitere Informationen zu sammeln. Nun wird es langsam lächerlich, denn jetzt möchte er die Fußballspieler, die ca. 100 m vom Schauplatz entfernt gerade eben mit Fußball spielen begonnen haben, befragen. Unser Versuch zu erklären, dass das wohl wenig Sinn macht, scheitert. Die Fußballspieler wissen verständlicher Weise von nichts.

Wir berichten dem Chief von drei weiteren Zeugen, die Jimmy und Frank eindeutig als die Schuldigen erkannt haben. Das scheint ihn nicht zu interessieren.

Wir bieten an, dass das Teil nachts einfach abgelegt werden kann. Von irgend jemandem. Der Schuldige muss sich nicht outen und mit keiner Bestrafung rechnen. Finderlohn würden wir außerdem bezahlen.

Unser Vorschlag, dass den Kindern beigebracht werden könnte, dass man fremdes Eigentum nicht ohne die Einwilligung des Eigentümers anfasst, beklettert, abschraubt, o.ä. wird mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Für sie war es doch nur ein “joke”/ein Witz sagt man uns doch tatsächlich ins Gesicht.

David ist immer noch bei uns und übersetzt. Er ist enttäuscht, dass es bislang keinen Fortschritt gab. Das widerspricht seinem Gerechtigkeitssinn. Er erklärt, dass des Chiefs eigene Kinder wohl in die Sache verwickelt sind und es deshalb keine Lösung geben wird. Auch nicht für Geld.

Die Hinhaltetaktik des Chief macht uns nun wirklich sauer. So beschließen wir am nächsten Tag das Ganze der Polizei zu melden. Veräppeln lassen wir uns nicht.

In Afrika schiebt man gerne die Verantwortung vom einem auf den anderen.

Vielleicht erinnert ihr euch an vorherige Berichte, wie z.B.:

Wenn jemand zu spät zur Arbeit erscheint, weil er den Bus verpasst hat wird statt “Sorry. I missed the bus, because I was too late.” das Ganze so formuliert: “The bus left without me.” Die Verantwortung/Schuld liegt demzufolge beim Bus. Oder ein anderes Beispiel: Es wurde Geld aus der Firmenkasse gestohlen. Die Videoaufnahme zeigt die Frau beim Entwenden gestochen scharf. Sie sagt: “Sir, it wasn t me. It was my hand.” (Beides ist tatsächlich so passiert. Wir denken uns das nicht aus!)

Hier möchte man ebenfalls keine Verantwortung übernehmen.

Nachdem wir unser Problem bei der 12 km entfernten Polizeistation schildern sollen wir doch bitte zu einer anderen Polizeistation gehen, die 28 km in der entgegengesetzten Richtung liegt. Wir kennen die Strecke. Es ist die, die zu den Quellen über üble Steinstraße führt. Wir weigern uns dorthin zu fahren und bestehen auf die Erledigung unseres Falles hier und jetzt. Der Polizeibeamte meint noch, dass wir unbedingt am Tatort gebraucht werden, um… na was wohl… Informationen zu sammeln. (Ach was…) Auch als wir erklären, dass wir dies gestern den ganzen Tag gemacht haben und es zu nichts führte, möchte er, dass wir wieder dort hin fahren. Ich werde ärgerlich und drohe mit der Einschaltung höherer Autoritäten in der Hauptstadt Kigali. Langsam werde ich dann doch sauer.

Umständlich wird der Polizeibericht aufgenommen, den wir aber nicht in Kopie erhalten oder fotografieren dürfen. Des Polizeibeamten vollen Namen und Personalnummer dürfen wir auch nicht haben. Er wird es an den Polizeibeamten, zu dem wir uns ja weigern zu fahren, weiter leiten. Wir erhalten dessen whatsapp Nummer und sind gespannt.

Wir denken nicht, dass irgendjemand noch irgend etwas unternimmt. Man weiß, dass wir lediglich eine begrenzte Aufenthaltsdauer im Land haben und somit keine Handhabe mehr.

Papier… in diesem Fall whatsapp… ist ja geduldig, sagt man. Wir können nicht überprüfen, ob der Polizeibeamte auch wirklich das tut, was er uns so schreibt.

Es ist mittlerweile der dritte Tag (Samstag). Angeblich war der Polizeibeamte am Ort des Geschehens und hat für Sonntag früh den Chief und die beiden namentlich benannten Kinder zu einer Befragung einbestellt. Informationen sammeln. Das hätte er eigentlich auch gleich am Samstag erledigen können. Aber wir sind ja geduldig. Winking smile

Wie ihr euch denken könnt, kam bei der Befragung das Gleiche raus, wie zwei Tage vorher. Man nimmt erneut an, dass wir das Teil verloren haben. Man kann es während des Fahrens (selbst wenn es vorher etwas los geschraubt wurde) nicht verlieren, da sich sofort der warnende Piepton melden würde. Auch das haben wir mehrmals erklärt. Wir kennen den exakten Ort und die beiden Kinder… was will man mehr.

Der Polizist kümmert sich offensichtlich nicht weiter um die Sache und verabschiedet sich per whatsapp mit den Worten: “You will excuse those kids. They made a joke. They are poor.”

Schade. Es hätte viel Möglichkeiten gegeben herauszufinden, wo der Sensor ist. Die von uns bevorzugte Vorgehensweise wurde nicht einmal in Erwägung gezogen: Wenn die Sprachbarriere nicht gewesen wäre, hätten wir vernünftig mit allen Kindern (am besten in der Schule) reden wollen und ihnen erklären, dass ihr Verhalten nicht korrekt war. Da sie aber noch Kindern sind und noch lernen müssen, würde keine Strafe drohen, wenn der Sensor zurück gegeben wird. Für das nächste Mal hätten sie ja dann etwas dazu gelernt.

Nationalpark Nyungwe und eine heiße Quelle

10.9.2019

Im Transit durchfahren wir den Nationalpark und nehmen noch die Stichstraße Richtung Burundi. Sofort sticht und die Präsenz des Militärs auf allen Straßen im Park ins Auge. Spätestens alle 100 m und in Sichtweite zueinander steht ein schwer bewaffneter, voll ausgerüsteter Militärbeamter am Straßenrand. Wir erfahren, dass es im Januar zu Entführungen im Park kam. Rebellen kamen angeblich aus Burundi (der Park grenzt an den unsicheren Teil Burundis, den man wirklich vermeiden sollte). Tourismus ist für Ruanda eine gute Geldeinnahmequelle und so steht seit Januar das Militär am Straßenrand und läuft nachts Patroullie. Um die Touristen nicht zu sehr zu erschrecken, sind die Tour-Guides im Nationalpark seitdem ebenfalls in Camouflage gekleidet. So verbindet der Tourist Militärkleidung mit harmlosen Guides, erklärt uns Olivier, der Managers des Hotels. Winking smile

Nyungwe ist richtig schön. Hoher dichter Regenwald –ein Bilderbuch Dschungel- an extrem steilen Hängen. Das “Land der 1000 Hügel” wie sich Ruanda selbst nennt, macht seinem Namen Ehre. Orchideen, Vögel und die nett anzuschauenden Ruwenzori Colobusaffen (eine der 13 hier vorkommenden Primatenarten) machen das Bild perfekt. Von den über 500 Schimpansen lässt sich leider keiner am Straßenrand blicken. Lediglich zwei Dikdiks (kleine Antilopen) zeigen sich noch.

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Der Weg zu den heißen Quellen ist weiter als gedacht und so übernachten wir vorher noch. Alles ist steil in Ruanda und so müssen wir VAnGO ausleveln, damit wir gut schlafen können.

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Die Straße ist steinig, führt aber durch schöne Landschaft.

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Die Quelle ist ein ganzer See. Die Einheimischen baden und waschen sich hier. Uns ist es direkt im See viel zu heiß. Ein Stückchen weiter unten, wo das Wasser in einen Bach abfließt, ist es etwas kühler. Angenehme Badetemperatur. Herrlich.

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Leider werden wir von den Einheimischen unverblümt angestarrt und hemmungslos mit “Dauerwiederholung” ein und desselben Satzes (Give me money. – Und damit sind die Englischkenntnisse auch schon ausgeschöpft.) angebettelt.

Völkermord

8.9.2019

Wir besuchen das “Murambi Genocide Memorial”, wo am 6.4.1994 zwischen 3 – 10 Uhr morgens 50.000 Tutsi von den Hutu umgebracht wurden. Lediglich 34 Tutsi überlebten.

Ursprünglich sind Tutsi und Hutu keine Rassen/Stämme, erklärt uns der Museumsführer. Als Tutsi wurden reiche Menschen bezeichnet (reich=man hat mehr als 15 Kühe), die Hutu waren die Armen. Demzufolge wurde ein Hutu, der es zu mehr als 15 Kühen gebracht hatte, zu einem Tutsi. Ein Tutsi, der z.B. aus irgendeinem Grund statt 15 Kühen nur noch 12 besaß wurde zum Hutu. Alle lebten friedlich miteinander. Die belgischen Kolonialherren meinten Unterschiede im Aussehen zwischen Tutsi und Hutu festzustellen und sprachen den Tutsi, deren Gesichtszüge den europäischen ähnlicher zu sein schienen, mehr Intelligenz zu. Die Tutsi bekamen die besseren Jobs (in der Verwaltung, etc). Die Hutu wurden unterdrückt. Die Einführung eines “Rassen-Passes” verstärkte die Kluft. Nach Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1962 wollten sich die Hutu der von den Kolonialherren bevorzugten Tutsi entledigen. Über die Jahre gab es immer wieder Morde bis die Situation 1994 im Genozid endete.

Eindrucksvoll wird die Geschichte an diesem Ort (einer nie fertig gestellten Schule, in denen die Tutsi vor ihrer Abschlachtung zusammen getrieben wurden) geschildert. In Nebengebäuden werden 1.000 Tote, die zur Konservierung mit Kalk eingerieben wurden “ausgestellt”. Der Geruch nach totem Fleisch ist grauenvoll.

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Wir erholen uns von diesen schrecklichen Eindrücken in der Kitabi Eco Center Lodge.

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Die Schwestern von Huye

7.9.2019

Die Kirche von Huye ist beeindruckend. Wir fragen eine Schwester, ob man hier wohl übernachten kann. Godserife führt uns zum Missionsgästehaus, wo wir auf dem bewachten Parkplatz übernachten dürfen. Die diensthabende Schwester vermittelt uns einen ersten Eindruck vom touristischen Ruanda. Sie verlangt für das Parken unseres Autos und Benutzung der öffentlichen Toilette denselben Preis, den sie für das teuerste Zimmer inkl. Dusche verlangt. Sehr geschäftstüchtig. Nach Vorbringen einiger Argumente ist sie zum Glück verhandlungsbereit, wenn auch missmutig.

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Von hier aus sind es ein paar Schritte bis zur Kirche, die wir uns anschauen und der Chorprobe lauschen. Hier treffen wir “unsere” Schwester wieder, die uns in ihr Schwesternheim einlädt. Vier Schwestern und acht Novizinnen leben hier. Wir werden mit Kaffee und selbst gebackenen Fleischstückchen im Teigmantel bedient. Aufgrund mancher “lost in translation” Situationen lachen wir viel und verbringen so eine für alle Seiten nette Zeit miteinander. Wir bringen ihnen ein paar Worte Deutsch bei und sie uns einige Wörter ihrer Muttersprache. Zum Abschied werden wir mit Orangen frisch vom Baum gepflückt beschenkt. Der zweite Eindruck Ruandas stimmt uns wieder zuversichtlicher und dem Land wohlgesonnen. Winking smile

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Doch am nächsten Morgen, es ist ein Sonntag und viele Männer taumeln betrunken auf der Straße herum, wünschen wir uns schon fast wieder nach Burundi zurück. Wir müssen eine SIM Karte besorgen und Geld abheben. Bei beiden Stopps werden wir von Männern umringt, die aufdringlich an das Auto klopfen und uns anbetteln. Fordernd und recht unfreundlich. Am Geldautomat werden wir von einem Betrunkenen missmutig angeschaut und wir sind froh, dass der Security der Bank ein Auge auf ihn hat. Beim Ausparken schaut uns ein anderer Mann mit einem hasserfüllten Blick an. Grundlos. Wir fühlen uns sehr unwohl und nicht wirklich sicher. Aus irgend einem Grund scheinen wir nicht wirklich willkommen zu sein. Schnell verlassen wir diese Stadt und hoffen, dass dieses Erlebnis eine Ausnahme war.

Grenze Burundi-Ruanda

7.9.2019

Steil führt der Weg wieder bergauf. Uns begegnen Fahrradfahrer, die in halsbrecherischer Geschwindigkeit den Berg herunter flitzen. 50 km/h sind keine Seltenheit. Das wäre mit einem guten Fahrrad ja schon schnell. Diese Fahrräder haben einige Jahre auf dem Buckel und sind außerdem mit Steinen, Brettern oder Kohle schwer beladen. Ein Fuß ruht beim Lenkkopf auf dem Rahmen, der andere auf dem Pedal. Manchmal sitzen die Männer auch im “Damensitz” auf dem Fahrrad. Es wundert uns, dass bei den engen Straßen und riskanten Überholmanövern der Autos (hupen heißt ich überhole genau jetzt und warte nicht länger, egal ob es kurvig ist) nicht mehr Unfälle zu sehen sind. Die Fahrradfahrer kommen so schnell und unerwartet um die Kurve geschossen, dass ich keine Zeit hatte ein Foto zu machen. Bergauf wird die schwere Last geschoben.

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Wir haben unser letztes Geld in Bujumbura gelassen. Ein Souvenirhändler reicht uns beim Wegfahren eine Postkarte ins Auto. Er möchte sie uns schenken. Ja, das kennen wir schon, denken wir uns… Doch schon in dem Moment, in dem ich den Geldbeutel zücke (ich möchte ihm zeigen, dass wir wirklich kein Geld mehr haben) winkt er ab und meint, dass es wirklich als Geschenk gedacht ist. Das ist uns in der Art noch nie passiert. Ein sehr schönes Andenken an das freundliche Burundi.

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An der Grenze geht es gesittet zu. In 2 min. sind unsere Pässe ausgestempelt und auch das Carnet wird flugs bearbeitet.

In Ruanda benötigen wir mehr Zeit, da wir zunächst das Visum beantragen müssen und hierfür Schlange stehen müssen. 30 US Dollar für Single Entry gültig für einen Monat. Das Auto kostet nichts und das Carnet wird anstandslos abgestempelt.

Die Landschaft ist wie auf Burundi Seite gebirgig und von Landwirtschaft geprägt.

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Bujumbura-Hauptstadt Burundis

6.9.2019

Unser Weg führt uns durch die Berge, wo in den Dörfer der Markt mitten auf der Hauptstraße abgehalten wird:

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Wir sind von Burundi positiv überrascht. Es gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas. Wir hatten erwartet, dass es kaum etwas zu Essen gibt und die Menschen uns bedrängen. Doch nichts davon ist der Fall. Die Landbevölkerung ist fleißig, jeder geht einer Arbeit nach (häufig auf den Feldern) und das Angebot an Obst und Gemüse ist groß. Zurückhalten und sehr höflich begegnet man uns. Selten wird gebettelt. Wir haben den Eindruck, dass Burundi gut organisiert ist und man sich mit den Menschen auf Augenhöhe unterhalten kann.

In der Hauptstadt sehen wir hochmoderne Hotels, Supermärkte und Restaurants. Europäischer Standard und auch dementsprechend teuer. Skuriler Weise sind die Preise aufgrund der Präsenz der Hilfsorganisationen so hoch… In einer von Italienern geführten Pizzeria gehen wir lecker Pizza essen und dürfen am Strand in einem bewachten Areal einer im Bau befindlichen Bar übernachten. Vom Strand aus kann man bei klarer Sicht die Berge im Kongo sehen. Leider sehen wir sie nur schemenhaft.

In Burundi haben wir es uns richtig gut gehen lassen: Omlette zum Frühstück oder Schoko Croissants und jede Menge leckeren Kaffees. Steak, Pizza und Salate zum Abendessen. So gut und billig gelebt haben wir wohl noch nie.

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Quelle des Nils und die heißen Quellen

5.9.2018

Südlich von Rutovu befinden sich angenehm temperierte Quellen, in den die Einheimischen gerne baden. Es gibt zwei natürliche Pools. Einen für Frauen und einen für die Männer. Didi und ich gehen also getrennt voneinander baden. Winking smile  Es ist ein ganz spezielles Erlebnis.

“Mein” Badetümpel ist klein und schon gut belegt. Teenager und eine ältere Frau waschen sich hier mit viel Seife. Es wird gekichert aber verständigen können wir uns leider nicht. Ein Mädel steckt den Kopf unter Wasser während eine andere die Sekunden zählt. Als beide gleichzeitig den Kopf unter Wasser stecken zähle ich auf deutsch, was bei den anderen zu weiterem Gekicher führt und als ich die dreiunddreißig Sekunden mit trois – trois übersetze finden sie es großartig. Schee (hessisch für schön) Winking smile

Didi s Pool ist wesentlich größer und ist umrahmt von einer Grasfläche. Ein traumhaft natürlicher Warmwasserpool. Die Männer starren ihn wohl die ganze Zeit an und ca. 10 jährige Jungs leiern ständig den selben Satz “Give me money” runter. Trotzdem genießt auch Didi das warme Bad.

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Die Quelle des Nils ist enttäuschend. Wir lassen die Bilder sprechen:

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In Rutovu übernachten wir in einem Hotel, das früher mal sehr nobel gewesen sein muss. Aus der Dusche kommt schon seit über einem Jahr kein Wasser mehr raus und so müssen wir uns mit einer bucket shower (Wasser wird in einem Eimer zur Verfügung gestellt) begnügen. Die Matratze ist gut, das Zimmer sauber. Und für 5 Euro für s Zimmer beschweren wir uns nicht weiter. Winking smile Im Hotelrestaurant gehen wir abends essen. Zunächst wird die Menue-Karte ewig lange gesucht. Nachdem wir uns für ein Gericht entschieden haben heißt es, dass wir lediglich aus zwei Gerichten auswählen können. Das hätte man auch gleich sagen können. Außerdem muss der Koch erst geholt werden. Unsere Erwartungshaltung sinkt und wir sind uns gar nicht mehr so sicher, ob wir hier wirklich etwas essen sollen. Wir schließen vom Service auf die Qualität des Essens. Wir malen uns aus, dass das Steak knochentrocken sein wird und die Pommes halbroh und fettgetränkt. Doch werden wir positiv überrascht. Seit Namibia haben wir nicht mehr so gut gegessen. Das Steak ist butterzart und die Pommes auf den Punkt. Dieser Koch ist spitze. Er freut sich sehr über unsere Lobeshymne. Danke für das extrem leckere Essen.

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Failles des Allemands

4.9.2019

Wir verzichten auf den Besuch der Wasserfälle für 20 US Eintritt pro Person. Jetzt nach der Trockenzeit sollen sie nicht sehr beeindruckend sein und in Sambia haben wir sehr viele wunderschöne Wasserfälle gesehen. Was uns interessiert ist dieses “Loch der Deutschen”.

In Rutana in der Peace Lodge (super sauber und extrem freundliches Personal) zeichnet uns der englisch sprechende Armand den Weg auf. Über eine gute dirt road erreichen wir das “Loch”: Es ist eine Schlucht. Schön zum Anschauen und angeblich 250 m tief. Angeblich sollen sich hier um den ersten Weltkrieg herum die Engländer, die Tansania von den Deutschen erobert hatten und die Deutschen gegenüber gestanden haben. Vielleicht waren es auch die Belgier, da ist man sich hier nicht so einig. Auf jeden Fall soll die Schlucht den Deutschen das Leben gerettet haben, da sie (und hier ist man sich auch nicht einig) die Schlucht entweder bergauf oder bergab als Fluchtweg genutzt haben.

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Am eigentlichen Schild “Failles des Allemands” ist von der Schlucht nicht viel zu sehen. Das ganze Dorf steht jedoch um unser Auto herum. Leider wird nach Geld gebettelt und als wir ohne etwas zu geben weiter fahren wirft ein Mädchen einen Stein. Dieser trifft die hintere Scheibe und hinterlässt eine Macke. Zum Glück ist die Scheibe nicht zersprungen und die Macke nicht wirklich groß. Doch ungeahndet können wir das nicht lassen, sonst wird der nächste Reisende wieder mit Steinen beworfen.

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Didi fährt mit Vollgas das Auto zurück und VAnGO stößt schwaren Rauch aus dem Auspuff. Es sieht aus, wie ein Feuer speiender Drache. Alle rennen sofort weg, doch ich erkenne das Teenager Mädchen, das den Stein geworfen hat. Sie rennt weg und ist zwischen den Hütten verschwunden. Für uns nicht mehr auffindbar. Sprachlich ist das Erklären der Situation schwierig. Als ich einen Stein aufhebe und pantomimisch nach unserem Auto werfe wird die Sache für die Dorfbewohner klar. Doch das Mädchen bleibt verschwunden. Didi hält einen älteren Mann so lange am Arm fest und droht mit der Polizei, bis das Mädchen auftaucht. Sie kniet sofort vor Didi nieder und hat offensichtlich Angst.

Wir haben schon oft gesehen, dass nach Tieren (Kühe, Ziegen,…) Steine geworfen werden, um sie zu verscheuchen. Auch nach Kindern werden in einigen Ländern Steine geworfen. Es gehört hier zum Alltag. Doch wir können ein solches Verhalten, wenn es gegen uns gerichtet ist nicht dulden. Wie gesagt: Der nächste Tourist wird das nächste Opfer sein. Vielleicht wird ihn der Stein, der durch s offene Fenster fliegt am Kopf treffen oder eine Scheibe zerspringt, die dann in Afrika nicht beschafft werden kann. Wir hoffen, dass sämtliche Dorfbewohner aus dieser Geschichte gelernt haben.

Steil und steinig führt der Weg zurück zum Hotel.

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