17.04.2017
Luozi, unsere erste Stadt, der wir in der demokratischen Rep. Kongo einen Besuch abstatten.
Wir fahren sofort zur Zollbehörde, um den Stempel ins Carnet zu bekommen. Der Beamte ist sehr freundlich, bietet uns sofort Stühle an und nach 10 Minuten sind wir wieder draußen.
Nun gehen wir erst einmal auf den Markt. Wir müssen Geld am Schwarzmarkt tauschen, etwas zu Essen kaufen und vielleicht finden wir sogar ein Restaurant? Tagträume
Es wird feste gezockt hier in Luozi. Geld scheint also vorhanden zu sein bei der Bevölkerung, denken wir uns. Natürlich sind dabei auch immer Zigaretten und Bier im Spiel. Das gibt es ja auch nicht umsonst hier.
Alle sind freundlich und grüßen uns herzlich, als wir durch die Straßen schlendern.
Auch finden wir eine Wechselstube. Wir sind nun Millionäre
Man mag es nicht glauben, aber dieser Mann hat tausende von US Dollars in seiner unverschlossenen Schublade liegen. Als wir ihn nach einen Platz fragen, an dem wir etwas essen können lässt er alles einfach liegen und geht mit uns einen Häuserblock weiter. Soviel zum gefährlichen, kriminellen Kongo denken wir uns. Als wir ihn fragen ob er keine Angst hätte, dass etwas gestohlen wird scheint er erst einmal unsere Frage nicht zu verstehen. “Nein nein, das ist kein Problem”, sagt er dann.
Unser Essenswunsch wird also erhört! Wir haben die Auswahl zwischen diesen zwei Restaurants:
Lecker war es!
Neben wenig Gemüse und keinem Obst gibt es einen Schraubengroßhandel hier
und eine Tankstelle.
Was will man also mehr.
Als wir zu unserem Auto zurückkommen, werden wir erwartet. Ein grimmig dreinschauender Polizist erklärt uns, dass wir ihm folgen sollen zur Station.
Ach ja…..warum erkenne ich diese Typen immer sofort. Ist schon klar was er will.
Da sitzen wir also in seiner armseligen Stube. Er uns gegenüber mit seiner prunkvollen goldenen Armbanduhr und er füllt Formulare aus. Dieselben, die wir schon beim Immigrationsbeamten, der wohl nicht schreiben kann, 100 km zuvor ausgefüllt hatten.
Schön, wir haben ja Zeit und es hat auch nur knapp 40 Grad……
Aber mittlerweile sind wir alle so abgebrüht, dass uns selbst das nicht die kleinste Änderung unseres Blutdruckes bewirken kann. Wir sitzen da und unterhalten uns, machen Witze und schmieden Pläne wie wir weiterfahren.
Natürlich erklären wir ihm, dass wir schon längst den Stempel im Pass haben und er sich das Ganze eigentlich sparen könnte, aber er ist natürlich anderer Meinung. Warum er sich die Mühe macht erfahren wir bald.
Als er alles ausgefüllt hat schaut er mich an und sagt:
“10 US Dollar.”
Ich schaue ihn an und kippe den Kopf seitlich:
“Bitte? …..für was?”
“Für den Stempel im Pass.”
Ich lache ihn freundlich an, wie wenn er einen guten Witz gemacht hat und sage:
“Ich will keinen Stempel haben, den willst Du reinmachen in meinen Pass. Deshalb musst Du mir etwas bezahlen!”
Er schaut mich unfreundlich an…..das mag er nun gar nicht hören.
Ok denke ich mir dann halt anders. Ich beuge mich über den Tisch und sage:
“Schau mal, ich zeige dir etwas” und greife mir dabei meinen Pass von seinem Tisch.
Ich zeige ihm den Stempel, der schon im Pass ist und sage:
“Ich habe schon den Stempel und ich zahle NICHTS.”
Als er den Pass wieder haben will behalte ich ihn zunächst. Da er dummerweise aber noch die anderen Pässe hat und ich unnötigen Stress vermeiden will, gebe ich ihm meinen auch wieder.
Nun reden wir zu dritt auf ihn ein und machen ihm klar, dass er mit seinen Forderungen bei uns auf die Falschen getroffen ist. Noch nie haben wir bezahlt und werden das auch keinesfalls tun. Kein Stempel dieser Welt, der in unseren Pass gedrückt wurde, hat oder wird Geld kosten.
Punkt aus fertig…..
Als ich ihm fordernd die Hand ausstrecke, gibt er mir die Pässe zurück. Wir bedanken uns freundlich und lassen einen enttäuschten Beamten zurück, der eben eine Zusatzeinnahme in Höhe eines halben Monatslohnes verloren hat….
Wir fahren raus aus der Stadt, um wenige Meter später an einem Highlight einer Afrikadurchquerung anzukommen.
Der Congo River oder auch Zaire River genannt.
Er ist der tiefste Fluss der Welt mit einer Tiefe von über 220 Metern und der zweitgrößte Fluss der Welt (nach dem Amazonas) Er hat eine Länge von 4700 km, kreuzt den Äquator 2 mal und beansprucht 13% der gesamten afrikanischen Landmasse!
Und da müssen wir jetzt rüber!
Nein nicht so…..
wir nehmen die Fähre.
Fährfahrten in Afrika sind immer wieder ein kleines Abenteuer. Nicht selten gehen sie unter oder treiben mit defektem Motor irgendwohin. Immer gibt es auch harte Verhandlungen (gerade mit Weißen) über den Preis der Überfahrt. Und meist wird ein Preis verlangt, dass man denken mag, man kauft die ganze Fähre mitsamt Besatzung.
Nicht so jedoch hier! Eine große Ausnahme. Der Preis ist fix und er ist fair! Es gibt ein Preisschild.
Wir bezahlen 20 USD.
Das ist die Anfahrt zum Anlegesteg,
wo der hier auch erst einmal hängen bleibt……keine Ahnung wann und wie er jemals den Hang hinaufkommt
Egal, nun sind wir dran.
Die Fähre besteht aus drei kleinen piroggenähnlichen Booten, welche mit den Planken, auf denen wir nun stehen miteinander verbunden sind.
Funktioniert….bisher, wenn nicht – der Fluss ist ja nur 220 Meter tief.
Er hat keine Bedenken.
Er hier vieleicht?
Und sie?
Dani jedenfalls nicht.
Geschafft!
Ob er hier weiß, dass man den Helm anders herum aufsetzt? Ich habe es ihm nicht verraten
Sein Kollege ist smarter, er fährt und steht immer im Schatten.
Die hier scheinen ewig zu laufen, auch wenn er aussieht, als ob er eben erst aus dem Fluss gezogen wurde.
Wir jedenfalls haben nun wieder “festen” Boden unter den Rädern,
und schlagen abermals ein “wild camp” am Straßenrand auf.
Wir genießen die Abendsonne und die extreme Freundlichkeit der Menschen, die am Abend noch hier vorbeilaufen. Kongo DRC ist ein fantastisches Land und wir lieben es….
…und genießen die Wildheit, mit der es im nächsten Land Angola vorbei sein wird, in vollen Zügen.