Souterrain Wohnungen in der Nähe Abomey

Die Tour mit Mark geht weiter zu den Untergrundwohnung. Über 50 Wohnungen, gab es hier einst. Entdeckt hat man sie, als die Straße gebaut werden sollte und ein Bagger in ein Loch fiel. Nun muss der Bauunternehmer diesen archäologischen Fundort schützen und restaurieren.

Die Wohnungen wurden vom König des Reiches Dahomey gebaut, um die nigerianischen Eindringlinge zu bekämpfen. Eine ganze Armee war hier untergebracht.

Ursprünglich waren es nur Löcher im Boden. Mit einem großen Ast, der als Leiter diente stieg man hinab. Für die Touristen hat man eine Leiter hingestellt. Man steigt hinab und gelangt in eine runde Kammer, an der weitere halbrunde Kammern angegliedert sind. Eine ist mit Wasser gefüllt, eine dient als Vorratslager und in der dritten wird geschlafen. Ganz schön kuschelig… Zwinkerndes Smiley

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Die Tour geht zu Ende- Schön und interessant war es. Smiley

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Beim Voodoo Priester am Freitag den 13ten

In Abomey gönnen wir uns den Luxus mit einem Tour Guide einen Tag zu verbringen.

Morgens um pünktlich 9 Uhr afrikanischer Zeit, also um 9.40 Uhr Party-Smiley holt er uns wie verabredet mit seinem Moped ab. Auf seinen Bruder müssen wir dann –untypische- nur weitere 5 min.  warten. Mit 2 Mopeds geht es Richtung Voodoo Dorf, wo wir uns bei einem Priester umschauen dürfen.

Vor dessen Grundstück stehen zwei Voodoo Fetische, die jeden Morgen gespeist werden wollen. Der Priester gießt ein Mais/Wasser Gemisch in den Behälter, der im Fetisch integriert ist. Sofort kommen ein paar Hunde, die davon trinken. Das ist gut, erklärt uns Mark unser Tour Guide, denn somit möchte der Geist, der im Fetisch ist essen und ist zufrieden. Damit dieser Geist essen kann, schlüpft er schnell in die Hunde. Die vorbeilaufende Ziege möchte nichts von der Nahrung, somit wohnt auch kein Geist in ihr.

Soweit so gut. Die Geister sind uns also wohlgesonnen und der Priester kann somit gute Arbeit verrichten.

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Im Raum, in dem er den einzelnen Göttern huldigt, darf ich nicht fotografieren. In diesem Zimmerchen steht eine Holzbank, auf die wir uns setzen. Gegenüber stehen Fetische. Der Priester hockt davor und speist die Fetische, indem er Wasser in seinen Mund nimmt und dieses auf die Holzfiguren spuckt. Er isst ein bisschen Salz und benetzt sich die Augen mit einer Flüssigkeit, die in einem der Fetische aufbewahrt wird. Dieses Wasser befähigt ihn nun zu “sehen”. Vor ihm steht eine Schale mit einer ziemlich ekligen Flüssigkeit drin. Gelblich orange und mit einem scheinbar monatealten Ziegenschädel bedeckt schwabbert die glibberige Masse in einer Kalabasse. Er isst ein bisschen davon und jetzt wäre er bereit eine Zeremonie durchzuführen.

Ich frage ihn, ob er wohl Didis Asthma heilen könnte. Oh ja, darin sei er Spezialist. Dazu müssten wir auf den Fetischmarkt gehen und 17 verschiedene Dinge kaufen. Wir brauchen auch ein Huhn, das dann geopfert wird und zusätzlich zu den Dingen, die wir sowieso kaufen müssten noch 40.000 CFA (ca. 65 Euro) für den Priester. Eine lebenslange Heilung sei garantiert. Die Zeremonie würde bis heute Abend dauern und anschließend darf man das Huhn auch essen.

Didi überlegt, ist sehr hin- und hergerissen und lehnt dann doch ab. Nach dem Besuch auf dem Fetischmarkt und dem Gedanken, dass er ein von toten vor sich hin verwesenden Tieren zusammengestelltes Pulver essen müsste, ist er dann auch ganz froh über seine Entscheidung. Ich lache noch und sage, dass er selbstverständlich für den Rest seines Lebens geheilt gewesen wäre, denn nach dem Konsum von toten bzw. verwesten, vertrockneten Tieren hätte er bestimmt nicht mehr lange gelebt.

Zurück zum Priester. Im Außenbereich gibt es nochmals einige Fetische, die auch gefüttert werden möchten. Hier darf ich fotografieren.

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Und wie immer geht so eine “Besichtigung” auch hier in Afrika am Ende durch den Souvenirshop. Zwinkerndes Smiley

Pulver zur Potenzsteigerung, Ringe für eine unfallfreie Fahrt… alles kann man kaufen.

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Weiter geht es, jetzt zu dritt auf nur einem Moped, da das andere liegen geblieben ist Nur ein Scherz, zum Fetischmarkt.

Kommentar Didi:

“Die rechte Sozius Fußraste hat bei Abfahrt schon gefehlt und die linke ist mir unterwegs unter dem Fuß weggebrochen. Nachdem ich dann an einem Hühnerhügel absteigen und laufen muss, da es an Leistung mangelt ist dieses Häufchen Elend endlich ganz ausgefallen! “

 

Der Priester ist der Doktor und der Markt die Apotheke, erklärt Mark.

Ui, wie das hier stinkt…..wir bekommen den Geruch den ganzen Tag nicht mehr aus der Nase Katze

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Wir schlendern umher und fassen es nicht was man hier alles zu kaufen bekommt. Leider ist es meist untersagt zu fotografieren oder es werden Unsummen für das Bild verlangt. Also bezahlen wir an einem Stand und dürfen deshalb auch nur an diesem einen fotografieren. Wir sehen noch viel ungewöhnlichere Dinge, die man hier anbietet. Bis hin zu einen Elefantenfuß Vor Wut kochen

Voodoo Festival in Ouidah

Voodoo ist in Benin als Religion anerkannt. Jährlich finden am 10. Januar im ganzen Land Zeremonien statt. Das Zentrum des Festivals ist in Ouidah.

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Direkt am Strand dürfen wir dem Tanz- und Trommelfestival beiwohnen. Die Atmosphäre ist total locker und entspannt. Das anwesende Militär muss nicht für Ordnung sorgen, da alles ganz friedlich von statten geht.

Vor der offiziellen Eröffnungsrede, spielen und tanzen sich die einzelnen Voodoo-Richtungen warm bzw. in Trance. Als sie so richtig eingespielt sind, bittet das Militär um Ruhe. Der Spirit (ja man darf das auch wortwörtlich nehmen, denn zur Unterstützung der Trance wird hier fleißig Gin getrunken) ist aber nun schon so richtig in Fahrt gekommen und die Trommler wollen einfach nicht aufhören. Wir stehen direkt neben einer kleinen Trommelgruppe und finden die Rede des Präsidenten auch nicht wirklich spannend. Die Musiker beginnen wieder zu spielen, andere Trommler gegenüber am Platz “antworten”. Keiner kümmert sich mehr darum, was auf der Bühne in der Mitte des Platzes geschieht. Zwinkerndes Smiley Wenige schimpfen über dieses ungebührliche Verhalten und kassieren natürlich sofort Widerworte der Musiker. Die meisten tolerieren es einfach…..und wir amüsieren uns still Cooles Smiley

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Immer wieder begrüßen sehr gut gekleidete Menschen per Handschlag oder durch Knien und Kopf senken die Trommler. Viele stecken ihnen ein wenig Geld zu. Die Menschen in Benin haben eine tolle Weise miteinander umzugehen. Friedlich, freundlich, respektvoll auf eine ganz natürliche Art. Sehr angenehm. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

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Die verschiedenen Voodoo Richtungen sind für uns interessant zum Anschauen. Der Hintergrund ist aber so kompliziert und ohne Erklärung für uns nicht zu verstehen.

 

Man erkennt die verschiedenen Gruppen am “Outfit”.

Die weiß bepuderten müssen was ganz besonderes sein, da sie zunächst nichts dagegen hatten fotografiert zu werden. Nachdem ein Voodoo-Priester etwas innerhalb eines Menschenkreises mit ihnen gemacht hat, waren sie aber extrem wütend, wenn man sie fotografieren wollte. Sie schubsen die Fotografen weg oder bewerfen sie mit Sand. Anscheinend sind sie nach der Zeremonie “heilig” und mit den Geistern nahe verbunden. Für uns o.k. und zum Glück waren wir früh genug da und haben vorher schon einige Fotos gemacht.  Wir akzeptieren das, um ehrlich zu sein wundern wir uns sogar ein wenig, dass man das respektlose Verhalten einiger Fotografen (weiß wie schwarz)  so tolerant “übersieht”.

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Die gelben sind wirklich heftig drauf. Das Zeug, das sie immer wieder auf sich drauf schmieren, stinkt richtig übel. Man riecht sie bevor man sie sieht…  Sie zerschlagen Glasflaschen auf ihren Körpern und ritzen sich mit Messern in Arme und Oberkörper. Manche binden sich Kakteen auf den Rücken oder schlagen diese über ihren Rücken.

Es fließt Blut und eines ist ganz gewiss. Dies ist KEINE Show! Man macht dies aus Überzeugung Erstauntes Smiley

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Im Reiseführer habe ich gelesen, dass getanzt wird bis man völlig “besessen” (also von einem Geist, Gott) ergriffen ist. Jemand, der so etwas noch nie erlebt hat, wird hier bemitleidet. Kakteen und Messer sind dazu nicht unbedingt nötig. Einfach so in Trance tanzen geht auch Zwinkerndes Smiley

Die mit den übergroßen roten Kugeln sind harmloser und hübsch zum Anschauen. Letztendlich basiert das in Trance tanzen darauf, dass man sich bis zur völligen Erschöpfung tanzt. Dies wird oft dadurch beschleunigt, indem man sich schwere Gewichte aufschultert oder artistische Kunststücke vollführt. Unfassbar wie man in dieser Hitze stundenlang diese Anstrengungen aushält!

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Und es gibt noch viele mehr…

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Benin hat schon jetzt die besten Chancen, sich zu unserem Favoriten der westafrikanischen Länder zu entwickeln.

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Benin und erneut Probleme mit der Gesundheit

Wir fahren weiter nach Benin und der erste Eindruck an der Grenze und unterwegs ist, dass es hier gefallen wird. Die Menschen sind ganz anders drauf als im restlichen Westafrika finden wir. Völlig entspannt und unaufdringlich grüßt man uns. Ein schönes Gefühl Smiley mit geöffnetem Mund

Unser Weg führt uns direkt nach Grand Popo. Ja der Ort heißt wirklich so Cooles Smiley und dort in die gleichnamige Lodge. Hier ist ein großer Garten zwischen einem Kolonialgebäude und dem Meer in den wir uns stellen dürfen, obwohl es keine Einfahrt gibt und wir uns diese erst bahnen müssen. Der Besitzer der Lodge, ein Franzose, nimmt dies mit französischer Gelassenheit. Er meint “Fahrt einfach über die Pflanze drüber, die wächst schon wieder.”

Alles ist sehr gepflegt hier und wir genießen ein paar Tage die Ruhe, die wir in der Großstadt Lome vermisst haben. Wir haben sogar einen Pool, in dem wir uns immer wieder abkühlen können. Insel mit Palmen

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Dann fahren wir weiter nach Ouidah und von dort aus die wunderschöne “Route de peches” – Straße der Fischer” entlang bis nach Cotonou, wo wir wieder einmal Visaangelegenheiten zu klären haben.

Nach Ouidah werden wir in einigen Tagen zurückkehren, um das Voodoo Festival zu besuchen, das hier jährlich stattfindet. Anzeichen auf den Voodoo Glauben treffen wir hier in dieser Gegend sehr häufig in Form von Figuren, Zeichnungen bzw. Zeichen an Häusern oder Fetischen, die ähnlich eines Altares zu verstehen sind.

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In Cotonou angekommen treffen wir wieder auf die harte Realität der Verkehrssicherheit afrikanischer Fahrzeuge und deren Beladung.

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Wir fahren weiter Richtung Norden in die Berge und wollen dort an einem See übernachten. Doch irgendwie ist mir den ganzen Tag schon etwas komisch und ich kann nicht wirklich genießen, was wir sehen.

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Öffentliche Toilette direkt am See. Hier soll man besonders gut Fische fangen können Verspotten

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Auch strengt mich die Pistenfahrerei mehr an als sonst……..

werde ich alt? Nur ein Scherz

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Der ist hingefallen Trauriges Smiley

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Am Nachmittag trifft es mich wieder mit voller Härte. Kopfschmerzen, leichtes Fieber.

Der Quicktest bestätigt die schlimmste Befürchtung. Ich habe schon wieder -oder etwa noch immer – Malaria!

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Also nichts wie zurück ans Meer nach Grand Popo. Hier gibt es ein Krankenhaus und man kann sich auch sonst viel besser die nötige Ruhe gönnen, die man neben den Medikamenten dringend braucht.

Wieder werfe ich mir Malariatabletten ein, Antibiotika, Paracetamol und Vitamintabletten.

Als am nächsten Tag keine spürbare Besserung eintritt und ich noch dazu starke Hustenanfälle und Schmerzen in der Lunge bekomme, fahren wir ins Krankenhaus.

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Hier bekomme ich eine Spritze und mangels Röntgengerät werde ich ins nächste größere Hospital geschickt. Dies ist nur eine gute Stunde entfernt Müdes Smiley

Hier bestätigt sich der Verdacht, ich habe eine leichte Lungenentzündung. Naja ändern tut sich deshalb auch nicht viel. Ein paar Medikamente mehr, langsam tun muss ich ja eh Krankes Smiley

Hier ein Bild der Toilette im Röntgenraum

 

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Der Röntgenraum hat nicht wirklich besser ausgesehen, aber dort konnte ich leider mein Handy nicht rausholen Zwinkerndes Smiley

Nun, in europäischen Krankenhäusern entwickeln sich resistente Keime und hier normale…….was ist nun schlimmer? Ahnungsloses Smiley

Wieder zurück am Resort treffen wir zufällig den norwegischen Arzt Ness, der hier das Wochenende verbringt. Er ist für 4 Wochen auf dem Schiff “Africa Mercy”, das in Cotonou im Hafen liegt, als freiwilliger Helfer/Chirurg beschäftigt.

Eine wie wir finden sehr gute Sache, die viel zu wenig Beachtung findet.

Meine Hochachtung vor den vielen Helfern die hier freiwillig und unentgeltlich einen ziemlich harten Job machen!

https://www.welt.de/gesundheit/article133145646/Schwimmendes-Hospital-bricht-auf-nach-Madagaskar.html

https://www.mercyships.de/wer-wir-sind/mercy-ships-flotte/africa-mercy/

 

Nun Ness gibt gute Tipps mit der Medikamentation  und 2 Tage später geht`s mir wieder besser.

 

Anmerkung Dani: Zum Glück ist dieser Malariaschub nicht so schlimm, wie der erste. Aber Didis Asthma schlägt böse zu. Mit den Medikamenten geht es ihm zum Glück bald besser.

Aber mich hat es auch wieder erwischt. In Togo schon hatte ich einen heftig juckenden, roten mit Quaddeln versehen Hautauschlag am gesamten Oberkörper und den Oberschenkeln. Mit Anti-Allergie Tabletten ging er wieder weg. Kam aber 3 Tage in Folge wieder und zwar immer dann, wenn die Wirkung der Tabletten nachließ. Jetzt habe ich wieder Ausschlag. Ness, der norwegische Arzt hat mit uns ganz schön zu tun. Er erklärt mir, dass es sich um Urticaria handelt und es sein könnte, dass ich das jetzt immer habe. Er zeigt mir Fotos im Internet. Auf einem ist zu sehen, dass man sogar auf seiner Haut schreiben kann. Dh, wenn man sich kratzt sind rote Spuren zu sehen. Das habe ich und auch die Quaddeln und die großflächigen roten Flecke. Was die Allergie auslöst, weiß man nicht. Das kann alles sein. Gaaaanz toll. Anscheinend hat mich die Aussage des Arztes, dass das jetzt chronisch sein könnte so geschockt (“Nein, ich will das nicht”), dass ich bis jetzt keinen weiteren Ausschlag mehr bekommen habe. Zwinkerndes Smiley Kühlung im Salzwasserpool hat geholfen. Smiley 

 

Afrika ist nix für Weicheier. Smiley mit herausgestreckter Zunge

Weihnachten bei Chez Alice in Togo

Alice ist eine über 80 jährige Schweizerin, die seit über 40 Jahren in Togo lebt und einen gemütlichen Platz für Reisende aufgebaut hat. Sie liebt die Begegnung mit Overlandern und hat sich auch um Didi gesorgt. Ich bin beruhigt, denn es geht ihm zwar immer noch schlecht, aber wesentlich besser als in der ersten Nacht. Ich habe keine Angst mehr.

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Didi:

Die folgenden Tage geht es mir immer besser. Ich bin zwar noch geschwächt, aber fühle mich relativ gut. Ich nehme weiterhin die Malariatabletten ein, Vitamintabletten und Antibiotika. Am 3ten Tag nach den Spritzen in den Bergen kommen in der Nacht aber wieder diese Kopfschmerzen…. Am Morgen rät mir Alice sofort ins örtliche Krankenhaus zu gehen. Diese wären gut ausgerüstet und sind auch gleich um die Ecke.
Wir marschieren also los und erreichen wenig später die kleine Privatklinik, die sich in einer Seitengasse versteckt. Wieder werde ich untersucht, Blutdruck, Fieber, Quicktest und auch ein großer Bluttest wird gemacht. Schon der Quicktest und auch einige Stunden später der Bluttest bestätigt unsere Befürchtung. Die Malaria ist immer noch da! Mist!
Der Arzt sieht anhand des Bluttestes, dass ich sehr starke Malaria habe und sagt, dass ich Infusionen bekommen muss. 3 Tage lang! Hier werden Mittel verabreicht gegen die Erreger, aber auch gegen das Fieber und die weiteren Symptome, die sich bei mir zeigen.
OK da muss ich nun durch……Aber es besteht die Möglichkeit dies auch in unserem Zimmer bei Chez Alice zu machen! Toll! Hier bin ich ungestört und habe einen Ventilator. Die Hitze hier in Lome ist unerträglich im Moment.
Die folgenden 3 Tage hänge ich nun also täglich ca. 2-3 Stunden an der Infusion. Schon nach dem ersten Tag geht es mir besser und die Lebensgeister kehren zurück. Die Müdigkeit und leichte Schmerzen werden aber noch für Wochen bleiben prophezeit man mir. Ebenso wie die immer wieder kehrenden Schmerzen im Hinterkopf. ….

 

 

Im Garten von Chez Alice leben Fruit Bats in Mango Bäumen. Ein kleines Äffchen und ein Pavian hat sie von klein auf großgezogen. Didi versucht geduldig über Tage dem Papagei, der die Melodie für empfangene Whatsapp-Nachrichten nachmachen kann und auch sonst sehr sprachbegabt ist, “Servus” beizubringen. Mit Erfolg Smiley Nach einer Woche, kann er s.

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Das Restaurant –es gibt Rösti, Wiener Schnitzel und Spaghetti Bolognese Zwinkerndes Smiley– ist geschmückt mit traditionellen Masken, Figuren und Tüchern.

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Beim Fleischfondue lassen wir es uns an heilig Abend mit anderen Reisenden so richtig gut gehen. Auch Didi kann das Essen, dank der Infusionen, genießen.

Links: Mick aus Australien, Inko aus dem Baskenland, ich, Laura aus Spanien.

Rechts: Didi, David aus Irland, Laura aus Irland sieht man glaube ich nicht, Mick aus Australien, Chrigi aus der Schweiz, Ed von den Fiji Inseln.

Mitte: Mick, Chrigi, Ed, Laura, Inko, Didi, David, Laura

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Malariaausbruch in den Bergen

 

Schon bei den Wli Wasserfällen hatte ich in der letzten Nacht Durchfall und Erbrechen. Fühlte mich seitdem etwas schlapp und hatte gestern Kopfschmerzen am Morgen. Alles halb so wild, das kann ja schon mal vorkommen. Nun fahre ich hier auf wilden Pisten durch die faszinierende Bergwelt Togos und mir wird kalt.

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Ein schönes Gefühl, endlich –nach Monaten dieser schwülen Hitze- fröstelt es mich wieder einmal. Als ich Dani begeistert davon erzähle sieht sie mich wiederum entgeistert an!

Es hat 32 Grad draußen, die Lüftung der Klimaanlage ist aus und die Autofenster sind geöffnet Erstauntes Smiley

Dani kramt das Fieberthermometer heraus und schiebt es mir in den Mund. 37,6° zeigt es an. In Anbetracht dessen, dass meine “Normaltemperatur” immer einiges unter 36 Grad ist habe ich also garantiert Fieber.

Mist denke ich. Das wird doch keine Malaria sein? Dani ist davon überzeugt, ich meine dass dies Quatsch ist. Eine Stunde später habe ich schon 38,9°, bin kraftlos und habe immer wieder Schweißausbrüche und Schüttelfrost.

Noch fahre ich Auto, aber nun ist es wohl klar, was mit mir los ist und ich gebe das Steuer ab. Ich kann nicht mehr…….Ablenkung tut mir zwar gut, wir fahren eh nur Schritttempo hier auf der löchrigen Piste und außer ein paar Fußgängern ist keiner hier. Aber ich bin so kraftlos, dass es trotzdem einfach zu gefährlich wird.

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Anmerkung Dani: Didi ist unglaublich blass. Er sieht gar nicht gut aus. Und der Sturkopf will immer noch Autofahren, meint, das lenke ihn ab. Schnell merkt er, dass es doch nicht mehr geht. Zum Quicktest musste ich ihn mehr oder weniger zwingen. Ich habe Angst, weil die Malaria so unerwartet und plötzlich kam und wir mitten in den Bergen ohne schnellen Zugang zu ärztlicher Versorgung sind.

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Wir haben alles Nötige dabei. Quicktest für Malaria und die nötigen Medikamente. Der Quicktest zeigt negativ! Aber wir wissen auch nicht genau, wie er anzuwenden ist……ich schlucke also die ersten 4 Malariatabletten. Mein Zustand wird immer schlimmer. Es geht rasant bergab mit mir. Das Fieber wird immer höher und ich immer schwächer. Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten, der Körper schmerzt. Ich habe irrsinnige Gliederschmerzen und auch meine Haut brennt. Als Dani mir mit ihrer Hand über meinen Unterarm streichelt spüre ich jedes einzelne Haar und habe das Gefühl, sie zieht mir mit Klebeband gaaanz langsam die Haare heraus. Ich zittere am ganzen Körper und habe extreme Kopfschmerzen im Hinterkopf. Die Augen wollen auch nicht mehr scharf stellen….ich kann nicht mehr!

Dani möchte natürlich weiterfahren, ist auf der Suche nach einem Krankenhaus oder zumindest einen Arzt. Aber hier in dieser Gegend? Ich bettle sie immer wieder an sie soll anhalten. Ich kann einfach nicht mehr sitzen. Mein Körper fühlt sich an, als ob er seit Tagen auf dem Autositz angekettet ist. Ich will aufstehen, Pause machen.

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Dani: Ich will so weit wie möglich fahren. Bin auf der Suche nach einem Arzt. Rede auf Didi beruhigend ein: Nur noch ein paar Kilometer… Er fällt immer wieder in sich zusammen. Hängt im Sitz wie ein nasser Sack und ich muss ihn manchmal mit der Hand stützen, damit er nicht vom Sitz fällt.

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Gegen Abend kommen wir in die Nähe einer “Stadt” (wie wir erst später erfahren) aber ich mag nicht mehr weiter, ich möchte einfach nur noch stehenbleiben und rasten. Morgen früh können wir weiter nach Hilfe suchen. Aber bitte nicht mehr jetzt. Das Fieber ist auf 40 Grad gestiegen….ich habe Durst aber kann nichts trinken. Alleine der Gedanke daran zieht meinen Magen zusammen.

Dani hält an einer etwas breiteren Stelle am Pistenrand an und bereitet alles für die Nacht vor. Ich lege mich ins Bett und fühle mich irgendwie so, als ob ich morgen nicht mehr aufwachen werdeNachdenkliches Smiley

 

Dani: Es halten immer wieder Einheimische an, die fragen ob sie uns irgendwie helfen können. Von einem, der ein bisschen Englisch spricht erfahre ich, dass es in ein paar Kilometern ein Krankenhaus gibt. Es wird jetzt aber gleich dunkel und ich denke mir, dass der Arzt dort sowieso schon nach Hause gegangen ist. Außerdem will und kann Didi nicht mehr weiter transportiert werden. Ich müsste ihn liegend transportieren. Auf der Couch würde er herunterfallen. Der Boden ist selbst mit Decken auf dieser Strecke zu hart. Es tut ihm ja jetzt schon alles weh. Ich bin mir unschlüssig, was das Beste ist. Denke, dass er einfach nur schlafen und sich ausruhen muss und die Tabletten schon wirken werden. Ein anderer Reisender sagte, dass es ihm am nächsten Tag schon viel besser ging…

 

Die Nacht ist schrecklich, ich träume, haluziniere, schwitze, friere, habe Schmerzen und muss mich übergeben. Das Fieber sinkt, um dann doch wieder zu steigen. Der Blutdruck ist bei 180 zu 100 und der Ruhepuls bei über 100.

Ich schlafe immer wieder ein. Dani wohl eher nicht. Sie kümmert sich rührend um mich. Ich bekomme wenig mit, aber das schon. Sie ist (m)ein Engel Herz was würde ich ohne sie nur machen?  Alleine in dieser Situation? Nein das möchte ich mir gar nicht vorstellen. Ich glaube ich würde mich einfach auf die Piste legen und darauf warten, dass mich jemand aufliest.

 

Dani: Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so heiß war. Didis Kopf glüht. Er redet unendlich viel wirres Zeug. Findet die richtigen Worte nicht. Ist verzweifelt, weil ich nicht weiß, was er mir sagen will. “Kannst du… (Pause)… willst du… kannst du…. dich einloggen….in meinem Account… du gibst mir …und dann geht es mir wieder gut… der Aufpasser muss nicht wissen, dass du mir was gibst…und wenn ich im plus bin, gebe ich es dir zurück…” Er hat das mit wirren Beispielen versucht, deutlicher zu machen. Ich denke, er war so sehr am Limit, dass er einfach eine Art “Vorschussbonus” wollte, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich hatte richtig, richtig Angst und dachte, dass er die Nacht nicht überlebt.

Der Schüttelfrost hielt über Stunden an. Ich habe versucht Didi mit allen Decken und meinem Körper zu wärmen. Ich habe geschwitzt ohne Ende und Didi war es immer noch kalt, obwohl sein Kopf ganz heiß war.

Endlich ist die Nacht um und es wird hell. Es hat geregnet heute Nacht und die Piste ist nun auch noch schlammig und rutschig.

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Dani bereitet alles zur Abfahrt vor, all die Arbeit bleibt nun an ihr hängen. Das schwere Dach schließen, alles Chaos, das ich in der Nacht veranstaltet habe wieder wegräumen und zu allem Überfluss liegt ein Häufchen Elend namens Didi auch noch dabei im Weg rum….Verlegenes Smiley

Wir fahren los, zur Stadt ist es nicht weit und wir fragen nach einem Krankenhaus, welches wir auch schnell finden. Ein übler Feldweg führt dort hin und wir treffen auf ein erdfarbenes Gebäude ohne Glasscheiben an den Fenstern und ohne Tür. Eine Schwester in blauem Kleid steht am Eingang.

Wir gehen hinein und fragen nach einen Arzt. Das Gebäude besteht aus dem Eingangsbereich, der zugleich Warteraum ist. Dann gibt es wohl ein Patientenzimmer. Zumindest steht da ein Bett darin. Von der Holzbank auf der die Patienten warten hat man direkten Blick auf das Bett. Türen gibt es hier nicht. Genauso wenig einen Lüfter oder Licht.

Es geht mir schlecht, sehr schlecht……aber ich sage zu Dani “Hier bleibe ich auf keinen Fall. Ich lege mich nicht in dieses Bett!”

Wir warten auf den Arzt der mit einer Frau und deren Kind beschäftigt ist. Privatsphäre gibt es hier nicht. Das Zimmer des Arztes ist ebenfalls ohne Tür und man hat freien Blick auf alles was darin passiert.

Auf dem alten Holzschreibtisch des Arztes liegen Blutdruckmessgerät, Fieberthermometer, ein Papierstapel und ein Taschenrechner. Im einfachen Holzregal an der Wand liegen seine anderen wenigen Utensilien, die er hat. Das war es. Wie wir erfahren, ist das ein Krankenhaus für den gesamten  Landkreis. Zuständig für eine Stadt mit ca. 8000 Einwohnern und den weiteren Bewohnern im Umkreis einer Tagesreise!

Der Quicktest hier zeigt positiv an. Das war zu erwarten. Der Doktor gibt mir eine Spritze gegen das Fieber und eine weitere gegen die Malaria. Mehr kann er nicht für mich tun, da er keine anderen Medikamente hat. Er sagt ich soll meine Malariatabletten ab dem Abend weiter einnehmen bis sie zu Ende sind.  Weiterhin Vitamintabletten und Paracetamol gegen das Fieber.

Wir fahren weiter und Gott sei Dank fängt bald eine gute Teerstraße an. Ich bin so dankbar, nicht mehr durchgeschüttelt zu werden!

Erst jetzt realisiere ich auch das meine Zunge angeschwollen ist und stark schmerzt. Ich muss mir im Fieberwahn darauf herumgebissen haben Augen rollendes Smiley 

Wir wollen nach Cotonou fahren. Dort zu Alice, einer 84 jährigen Schweizerin, die seit 40 Jahren in Togo lebt und die Anlaufstelle für Overlander ist hier in Togo. Sie kann sicher weiterhelfen und bei ihr kann ich mich gut erholen. Die Fahrt fällt mir sehr schwer. Immer wieder bitte ich Dani anzuhalten und eine Pause zu machen. Nach der Spritze und den Paracetamol geht es mir zwar besser, aber dennoch schmerzt alles. Kurz vor Abend erreichen wir Chez Alice und wir gönnen uns ein Zimmer bei Ihr. Ich will nur noch schlafen Nachdenkliches Smiley

 

 

Aufgrund meines Zustandes haben wir keine Bilder vom Krankenhaus gemacht (davon abgesehen wäre das auch doof gewesen finden wir) , aber wer etwas Gutes tun will und etwas spenden will, sei es etwas Geld oder noch besser Medikamente oder andere nützliche Dinge, die man in einem Krankenhaus gebrauchen kann……hier wäre es gut aufgehoben.

Wer mag kann sich direkt an den Arzt wenden. Er wird sich über jede noch so kleine Aufmerksamkeit freuen:

 

Mr.Odjo Koni

Tel. +228 90793665

komiodjo@yahoo.fr

 

Er spricht nur Französisch!

 

 

Hier eine Zusammenfassung was Malaria (Malaria Tropica bei mir ausgewirkt hat. Nicht etwa um Mitleid zu erzeugen, sondern als Information für diejenigen, die in Malariagebiete reisen. Je früher man erkennt, dass man Malaria hat und etwas dagegen unternimmt, desto weniger muss man leiden!

Ich hatte über längere Zeit:

Erbrechen Durchfall
Stundenlang Schüttelfrost
Schweißausbrüche
Kraftlos bis nicht mehr fähig zu laufen und zu stehen
40 Grad Fieber
Haut so empfindlich, das jede Berührung schmerzt
Elende Kopfschmerzen im Hinterkopf
Nicht mehr klar sehen
Gliederschmerzen
Stundenlanges sinnloses Gerede, so dass Dani schon befürchtet hat, das die Viecher schon mein Hirn auffressen…..
Kein Appetit und nicht fähig etwas zu trinken obwohl man das Gefühl hat zu verdursten
Wochenlang danach noch extreme Müdigkeit.

beim Neuausbruch (dazu später mehr)
Atemnot bei der kleinsten Anstrengungen wie Aussteigen aus dem Auto
Herzstechen
Trockener Husten mit Schmerzen in der Lunge (ich hatte eine leichte Lungenentzündung)
Nase zu
Fieber
Extrem Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Augen fallen mir zu
Kopfschmerzen
Leichte Schmerzen in den Beinen

 

Malaria kann aber eine völlig individuelle Auswirkung haben und bei anderen Menschen andere Symptome oder auch eine völlig andere Reihenfolge dieser bewirken!!!!

Grenzübergang bei den Wli Wasserfällen

Wir wählen wieder eine kleine Grenze, weil die viel stressfreier verlaufen als die Großen. Auf Ghana Seite verläuft alles super professionell und wir bekommen eine Art Wasserdruck-Stempel ins Carnet gedrückt. Sieht sehr schön aus. Smiley Auf Togo Seite bekommt Didi erst mal eine kleine Rüge, da er auf der Schlaglochstrecke im Niemandsland nicht angeschnallt war. Man bleibt freundlich, fragt nach einem “Geschenk”, akzeptiert aber, dass man keines bekommt. Zwinkerndes Smiley Wir sagen, dass wir über so viele Grenzen und Polizeikontrollen gefahren sind, dass die Mitbringsel aus Deutschland schon längst aufgebraucht sind. Zwinkerndes Smiley

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Erst 14 km später kann man hier sein Carnet abstempeln lassen. Der Verantwortliche ist aber leider gerade beim Shoppen… na dann warten wir eben. Früher als gedacht, kommt er zurück und stempelt schnell unser Carnet. Anscheinend ist es ihm peinlich, dass wir haben warten müssen.

Wir fahren Richtung Norden in die Berge und genießen die wunderschöne Landschaft.

An einer kleinen Dorfschule schlagen wir unser Lager auf. Heute ist Samstag, dh. wir können getrost ausschlafen, da am Sonntag keine Schule ist. Eigentlich dachten wir, dass hier gar niemand vorbei kommt. Den Trampelpfad, wohl eine Abkürzung zum Dorf sehen wir erst, als immer wieder Menschen vorbei kommen. Sie sind auf dem Weg in die Kirche. Es wird gegrüßt oder wir werden von hinter dem Schulgebäude beäugt. Alles sehr nett. Vom nahen Dorf hören wir afrikanischen Gesang. Wir schlafen friedlich ein.

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Am Sonntag fahren wir weiter Richtung Norden… und erleben eine schreckliche Nacht: Didi bekommt mittags urplötzlich und richtig, richtig schlimm Malaria…

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An alle Lehrer-Kollegen: Wie vermeide ich erfolgreich burn-out? (Wli Wasserfälle, Volta Region)

In den Bergen der Volta Region fühlen wir uns wohl. Die Menschen sind superfreundlich und entspannt. Sie begrüßen uns immer mit “Good afternoon/Good morning. Welcome.” Bettelei oder Rassismus ist hier nicht angesagt und wir können uns frei und unbeschwert bewegen. In der Nähe der Wli Falls steigen wir bei Bernhard und Sabine ab. Wir kommen an einem Dienstag an, deren Ruhetag. Das wussten wir nicht. Nach gutem Zureden lässt uns Bernhard dennoch durch das Tor fahren und wir können auf dem Rasen campen. In unserem “Vorgarten” wachsen Ananas und Bananen. Wir haben einen herrlichen Blick auf die Wasserfälle, zu denen wir am nächsten Tag wandern möchten.

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Auf dem 45 min Weg zu den Fällen sind wir umringt von Schmetterlingen und anderem Getier.

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Didi springt sofort ins Wasser. Das war eine gute Entscheidung. Ich habe zu lange gewartet, denn dann kommt eine Schulklasse….

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Jeder Lehrer in Deutschland hätte in den ersten 5 min. schon 7 Herzinfarkte gehabt, hätte er diese Kinder unter seiner Aufsicht gehabt. Nicht so in Ghana Zwinkerndes Smiley

 

“Anleitung” zur Vermeidung von Burn-out Zwinkerndes Smiley

Man lässt die Kinder den langen und nicht gerade ungefährlichen Weg durch den Wald alleine finden, kommt 10 min. nach dem letzten Kind am Wasserfall an und setzt sich dann erst einmal auf die Bank, um ohne auch nur einmal aufzublicken seine Whatsapps für die nächste viertel Stunde zu checken.

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Die Kinder –ja schon vor den Lehrern eingetroffen- haben sich bereits eigenständig einen Platz gesucht, die Haut der beiden weißen Touristen ausgiebig angefasst, um dann mit oder auch ohne Kleider ins kalte Wasser zu hüpfen. Im Wasser gibt es Unebenheiten und scharfe Felsen, der Wasserfall hat eine ganz schöne Wucht… Die Lehrer wissen davon noch nichts, aber auch nach deren Ankunft bleiben die Kinder sich selbst überlassen. Sie toben durchs Wasser, kreischen, zerren aneinander und drängen sich gegenseitig unter den Wasserfall, der sie mit voller Wucht nach unten drückt.

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Sie bleiben so lange im Wasser, bis sie komplett durchgefroren sind. Die Lehrer, bequem auf der Bank sitzend, schauen immer noch in ihr Handy. Die vor Kälte am ganzen Leib zitternden afrikanischen Kids wissen sich aber selbst zu helfen. Die beiden etwas besser beleibten frieren sowieso nicht Zwinkerndes Smiley, einige essen etwas, um sich aufzuwärmen. Die älteren Jungs machen Liegestütze und die ganz Kleinen ein Lagerfeuer (im Nationalpark), über dem sie ihre Kleider trocknen.

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Nun ist meine Stunde gekommen…denke ich. Ich gehe ins Wasser. Dumm nur, dass einige Kinder doch noch nicht genügend durchgefroren sind oder es ihnen egal ist wie sehr sie frieren. Weiße Haut ist so attraktiv, dass sie mir ins Wasser folgen und mich immer wieder berühren.

Mir ist es nach wenigen Minuten schon viel zu kalt.

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Kaum aus dem Wasser, hören wir einen Schuss. Hunderte von Flughunden fliegen auf.

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Doch woher kam der Schuss?? Einige Jungs bauen sich aus Streichhölzern eine Art Silvesterböller.

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Liebe Kolleginnen… wie viele Herzstillstände hattet ihr während des Lesens? Was denkt ihr, tun die beiden Lehrer?

Nun, sie haben tatsächlich mal aufgeschaut. Sind aber in keinster Weise besorgt oder nervös. Sie bleiben immer noch völlig tiefenentspannt auf ihrer Parkbank sitzen. Einige der älteren Mädels schreiten dagegen ab und an mal ein, wenn die Bölleraktionen der 8-10 jährigen zu gefährlich werden und zu nahe am Gesicht der anderen stattfinden.

Die Gruppendynamik der Schüler bewirkt, dass sie nun alle im Aufbruch sind. Die Kleider sind halbwegs trocken, das Essen ist aufgegessen… es wird langweilig. Die ersten Kinder machen sich auf den Rückweg. Die Lehrer folgen, nicht jedoch ohne vorher ein Selfie von sich vor dem Wasserfall zu machen. Um die Lagerfeuer und den hinterlassenen Müll kümmern sie sich nicht. Zwei spielen immer noch am Feuer, als die Lehrer schon längst gegangen sind. Auch das vergessene T-Shirt entgeht der Aufmerksamkeit der Aufsichtspersonen.

Man trifft sich ja nach 45 min. durch den Busch wieder am Bus. Zwinkerndes Smiley 

Ob dann dort die Kinder gezählt werden und/oder nach Verletzungen, deren Befindlichkeiten geschaut wird?

Didi und ich hatten auf jedem Fall eine gute Zeit dort und ich bin mir sicher, Lehrer und Kinder auch. Smiley

Nun ist wieder Ruhe eingekehrt und die Flughunde sind sicherlich froh, wieder eine einsame Nacht verbringen zu dürfen.