Fischmarkt

20.2.2020

Jeddahs Fischmarkt ist beeindruckend. Und das Beste ist: Man kauft sich auf dem Markt wonach auch immer einem der Sinn steht (Fisch, Prawns, Octopus,…), geht zur Fisch-Ausnehmstation und lässt es im nahe gelegenen Restaurant zubereiten. Doch als wir den Fischmarkt erreichen, werden alle Stände mit einer Plane abgedeckt. Der Mujezin (Muezzin) ruft. Alles steht fünf mal am Tag still, weil die Moschee ruft. Geschäfte werden geschlossen und wir müssen 20 Minuten warten, bis der Verkauf weiter geht. Wir kaufen zwei kleine Fische. Die “Schwarze” bin übrigens ich. Winking smile

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Der einzige Nachteil ist, dass wir nicht in dem schicken Restaurant essen dürfen. Dh. Didi dürfte schon, aber ich als Frau darf dort nicht sitzen. Wir müssen durch einen separaten Eingang in ein Nebengebäude des Restaurants gehen und dürfen dort in einem Separee gemeinsam unseren Fisch verspeisen. Didi meint, der Raum fühlt sich an wie damals als er in der Werkstatt gelernt hat und man zur Mittagspause mit seinem Sandwich eben in einem solchen Raum auf dem Werkstattgelände gegessen hat.

Mein Trost ist, dass es bei den Männern nicht wirklich lustig zugeht. Es ist sehr still im Männerrestaurant, jeder schaut gelangweilt in sein Handy und es wird nicht gelacht.

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Auf dem Rückweg schlendern wir bei der roten Moschee vorbei und bemerken Einheimische beim Picknick.

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Al Balad–die Altstadt Jeddahs (Dschidda)

19.2.2020

Jeddah ist UNESCO Welterbe und wurde angeblich bereits vor 2500 gegründet. Die Altstadt beherbergte 30.000 Einwohner und war von einer Stadtmauer umgeben. 1950 lebten knapp 120.000 Menschen in Jeddah. Der rasanten Expansion fiel die Stadtmauer zum Opfer. Heute, nur innerhalb von 70 Jahren, ist die Einwohnerzahl Jeddahs auf ca. 5 Millionen Einwohner angestiegen.

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Die Altstadt ist kaum mehr bewohnt, da die Gebäude zu baufällig sind. Hier muss noch viel Arbeit in die Erhaltung der Gebäude gesteckt werden. Die kleinen Geschäfte im Erdgeschoss reihen sich dennoch, ungeachtet der Einsturzgefahr, eines nach dem anderen aneinander. Wir sehen ganze Straßenzüge mit kleinen Geschäften, die alle das gleiche verkaufen. Ein Speiseölgeschäft liegt neben dem anderen, dann gibt es Schmuckgeschäfte, dann Parfüm, Kosmetik, Spielzeugläden, religiöse Artikel, Kleider…

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Bei den Kleidern staunen wir nicht schlecht, was “frau” so alles in den eigenen vier Wänden tragen darf. Wir entdecken Männer, die sich im Herrenausstatter die verschiedenen Weißtöne für ihren Kaftan (Dschallabija) mit dem dazugehörigen Kopfschmuck (Tücher in verschiedenen rot-weißen Mustern oder auch ganz in weiß) anschauen. Sie achten schon sehr auf ihr Äußeres. Winking smile Gut riechend und sehr gepflegt sind sie hier.

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Und plötzlich erscheint Johannes auf der Bildfläche. Ein Deutscher, der in bayerischen Lederhosen Jeddah unsicher macht. Er meint, dass er in einer Tracht überall auf der Welt angemessen gekleidet sei. Interessanter Mensch. Wir gehen gemeinsam zum Kaffee trinken und lauschen seiner Weltanschauung.

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Durch moderne Häuserschluchten laufen wir zurück zum Hotel. Überall wird gebaut und modernisiert.

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Dschiddah–Kleidervorschriften und die Entscheidung Privatunterkunft oder Hotel

17.2.2020

Es ist schwül-heiß und wir müssen mal raus aus diesem Klima. Wir finden über Airbnb ein Zimmer in einer Privatunterkunft. Bad, Toilette, Küche werden mit dem Wohnungsbesitzer geteilt. Zuerst bin ich skeptisch, denn ich möchte nicht immer, wenn ich “unser” Zimmer verlasse, den “Dress” anlegen müssen. Doch Naveed aus Pakistan ist da entspannt. Leider steht das Zimmer lediglich für eine Nacht zur Verfügung.

Das mit dem dress-code ist hier so ne Sache. Die Abaya (Abajeh) ist ein traditionelles islamisches Kleidungsstück, dass außerhalb des Hauses über der normalen Kleidung getragen wird. Es ist mir aber schon im T-Shirt zu heiß und die schwarze Farbe der Abaya macht die Sache nicht besser. Ich trage so wenig wie möglich unter diesem langärmligen, unförmigen Kleid und entschließe mich, nach Befragung verschiedener einheimischer Männer verschiedenen Alters, das Kopftuch weg zu lassen und meine Haare in einem Zopf geflochten zu tragen. An der Waterfront haben wir junge Mädchen gesehen, die mit offenen Haaren und vorne offener Abaya am Strand entlang liefen. Die Kleidervorschriften lockern sich, zumindest hier in Dschiddah/Jeddah.

Es mutet für unsere Augen merkwürdig an, Frauen lediglich als etwas “Schwarzes, Undefinierbares” vorbei huschen zu sehen (wenn man überhaupt Frauen auf der Straße sieht). Diese “schwarzen Geister” nimmt man kaum wahr. Zumindest wir verbinden diesen Anblick nicht mit einem menschlichen Wesen/einer Persönlichkeit/etwas “Wertvolles”, das darunter steckt. Man muss den Frauen direkt in die Augen blicken, um einen Eindruck von der Person zu bekommen. Auch mit den Augen können diese Frauen viel ausdrücken und wir möchten die Frauen nicht als “Nichts” wahrnehmen. Merkwürdig, was Kleidung mit dem Betrachter macht und eigentlich wäre ich neugierig zu wissen, was speziell eine Burka (die Vollverschleierung) mit den Frauen macht, die sie tragen. Fühlt man sich wie in einem “geschützten Raum”? Fühlt man sich als Teil des Geschehens oder lediglich als unbeteiligte Betrachterin? Wie sehen die Männer ihre Frauen? Wie nehmen Kinder ihre Mütter außerhalb der Wohnung wahr? Diese Kultur unterscheidet sich sehr von der unsrigen und gibt uns Stoff zum Nachdenken. Gerne würde ich mich Frauen und auch Männern darüber unterhalten. Bislang ergab sich noch nicht die Gelegenheit. Wir bleiben dran. Winking smile

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Könnt ihr mich sehen?:

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Meine bisherigen Erlebnisse als Frau:

Wir bestellen einen Kaffee an einer kleinen Bude. Ich bezahle. Die Bedienung nimmt das Geld auch aus meiner Hand, doch das Wechselgeld bekomme ich nicht. Das wird Didi übergeben.

Mit Handschlag werde ich lediglich von jüngeren Männern begrüßt.

Teilweise werde ich von den Männern im “Dreier-Gespräch” wie Luft behandelt. Mit anderen kann ich mich ganz normal unterhalten. Die einheimischen Frauen treten bei Gesprächen -bislang immer- zurück und halten Abstand.

Beim Albait Chicken Take Away gibt es einen seperaten Eingang für Frauen. Es gibt mittlerweile immer mehr “Family-Restaurants”, in denen Männer und Frauen öffentlich an einem Tisch sitzen können. Wenn Familien gemeinsam zum Essen gehen wollten, mussten sie sich bislang ein Restaurant mit “Räumen”(Separees = abgeteilte, sichtgeschützte Räume) aussuchen.

Wir haben eine Frau gesehen, die Auto gefahren ist. Thumbs up Verschleiert. Winking smile 

In unserer nächsten Unterkunft einem preisgünstigen Hotel (23 Euro pro Nacht) Arqa Almasaken fühle ich mich wohl. Es ist sauber, privat und liegt recht zentral. Von hier aus erkunden wir die Stadt.

Dschiddah

16.2.2020

Wir haben jetzt mindestens eine Woche Zeit. Dh. wir machen ausgiebig Sightseeing.

Straßeneindrücke. Waterfront (Corniche). Gebetsteppiche zum Ausrollen. Saudis, die am Strand oder an der Waterfront picknicken und ihren Teppich oder Campingstuhl dabei haben. Traditionelle Kleidung maßgeschneidert (ca. 1000 Riyal). Schwarz/weiß  Frau/Mann. Männerwelt. Automatisierte Welt. Straßenreinigungsmaschinen. Kunstwerke. … alles völlig anders, als in Afrika. Wir müssen uns hier erst einmal zurecht finden.

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Warten auf das Ersatzteil in Jeddah

22.2.2020

Wir sind guter Dinge, dass wir unser Ersatzteil am Montag bekommen und sind deshalb nicht gestresst, wie wir es in Afrika wären. Wir haben das Gefühl, dass hier “Dinge funktionieren”. Die ruhigen Tage im Hotel tun uns gut. Wieder einmal kann liegen Gebliebenes (wie Blog-Beiträge schreiben, sich um VAnGO kümmern, die Landkarte -auf der die arabische Halbinsel bisher fehlte, weil wir keine schwarze Folie kaufen konnten- ergänzen usw.) aufgearbeitet werden und es bleibt dennoch Zeit, um ein Buch zu lesen, die Umgebung zu erkunden oder die so andersartigen Eindrücke sacken zu lassen.

Zeit für ein Foto-Shooting ist auch. Winking smile 

Das Kleiderthema beschäftigt uns beide sehr. Männer tragen hier lange, weiße Gewänder Thobe genannt. Unter dem weißen oder rot/weißen Kopftuch, der Kufiya tragen sie oft eine Art Mütze mit Löchern drin, die Kofia. Für Didi ist das nichts. Zu meiner Abaya meint er: “In den großen Supermärkten war es schon immer nicht einfach, dich wieder zu finden. Mit deinem neuen “Schwarzen” ist es fast unmöglich.”

Wie schon gesagt, ist laut visit.saudi Internet Seite weite, körperunbetonte Kleidung für Touristinnen gut genug. Im Sudan wollte ich mich schon vorbereiten. Weite Hosen habe ich, aber lediglich nur eng anliegende T-Shirts, die auch nicht bis über den Popo gehen. Also kaufe ich mir in Suakin (Sudan) das, was es dort gibt. Die Sudanesen farbenfroher in ihrem Kledungsstil und so habe ich Schwierigkeiten etwas Passendes zu finden. Eine Art Poncho ist das Beste, was ich für “Obenrum” finden kann. Zusammen mit meiner bunte Hose passe ich doch wohl ins Morgenland, oder? Winking smile

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Leider wussten wir beide nicht, dass die für Frauen “übliche” Farbe schwarz ist. Und so laufe ich jetzt rum. Die Bevölkerung ist Tourismus noch nicht gewohnt (Touristenvisum gibt es erst seit September 2019). Mit der Lockerung der Kleidervorschriften für die einheimischen Frauen hat der amtierende Monarch auch gleich ein Gesetz, das “Belästigungsverbot”, erlassen. Wie ich nach einem kurzen Spaziergang ohne Didi und ohne Kopftuch feststelle, ist das auch nötig. Aufdringlich wird keiner, doch in ihrer Kultur ist es äußerst unangebracht eine fremde Frau anzusprechen und ihr Komplimente zu machen oder ihr nachzupfeifen, was zwei Männer bei mir tun. Auch wenn man es sich schön reden und sich mit Kopftuch wie Audrey Hepburn fühlen könnte… mich stört das Ding und ich finde, dass man sich mit der Öffnung Saudis (Agenda 2030) an den Anblick eines anderen Kleidungsstils gewöhnen darf. Ich beginne sanft mit dem Weglassen des Kopftuchs. Winking smile

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Vollverschleierte Frauen mit Sonnenbrille sieht man häufig. Unter dem Tuch bekomme ich aber kaum Luft.

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Der Tageslauf wird von den Gebetszeiten bestimmt. Und diese verändern sich auch noch jeden Tag um ein paar Minuten, denn das erste Gebet findet bei Sonnenaufgang statt und die anderen vier richten sich danach. Fünf mal am Tag wird gebetet. Das Morgengebet findet statt, bevor wir aufstehen. Wenn man Dinge erledigen möchte, so ist man gut beraten das vormittags zu tun, denn am Mittag bis zum Abend liegen die Zeiten der vier verbleibenden Gebete. Geschäfte, Restaurants, Supermärkte… alles lässt die Rollläden herunter und verschließt die Türen. Dann geht erst einmal für 20 – 40 min. nichts mehr. Ab ca. 13 Uhr werden wir immer wieder ausgebremst. Zur Mittagsessenzeit hat unser Lieblingsbillighähnchengrill geschlossen (wie die anderen Restaurants auch). Wenn man dann um ca. 14.00 Uhr mit dem Essen fertig ist und sich auf die Suche nach dem richtigen Differenzial-Öl begibt, wofür man kreuz und quer durch die Stadt fahren muss, kommt man dort garantiert um 15:30 Uhr, sprich zur nächsten Gebetszeit, an. Viele Geschäfte haben aber auch generell zwischen 13.00 und 17.00 Uhr geschlossen. Wenn man sich also um 17.00 Uhr erst wieder auf den Weg macht, ist es sehr wahrscheinlich, dass man um 18.30 Uhr ankommt. Und dann? Beten! Um 20.00 Uhr dann nochmal. Da nützt es auch nicht viel, wenn die Geschäfte bis 22.00 Uhr geöffnet haben. Es ist einfach mühsam. Die Polizei patroulliert übrigens und schaut, dass niemand etwas “Falsches” tut. Aber der Muezzin singt wenigstens schön. Winking smile

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Al Baik take away Hühnchengrill mit getrennten Eingängen für Mann und Frau, ohne Sitzgelegenheit.

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Ein mit Vorhängen abgetrennter “Family” Bereich in einem indischen Restaurant:

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Überall wird gebaut. Die Saudis sind da sehr ambitioniert und wollen im Norden eine Mega-Stadt, 33 mal größer als New York, bauen. Neom soll die “neue Zukunft” Saudi Arabiens werden. In Jeddah soll das höchste Gebäude der Welt nächstes Jahr fertig gestellt sein (doch im Moment ist Baustopp). Über 1000m hoch soll der Gigant werden. Die Saudis lieben es, den Freitag (ihren freien Tag) am Meer zu verbringen. Campingstühle oder Teppiche werden dafür mitgebracht. Es gibt kinderfreundliche Restaurants mit Planschmöglichkeit und viele Vergnügungsparks. Wer hätte das gedacht, dass die Araber so gerne Riesenrad fahren. Das Klischee über “Araber und ihre Datteln” stimmt. Es gibt massenweise Datteln in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Qualität. Einem Reisenden oder Fremden gibt man gerne eine. Das ist so Sitte.

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Differenzial kaputt

14.2.2020

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Das Geräusch ist nach dem Wechsel des Kreuzgelenks schlimmer, statt besser geworden. Didi vermutet, dass das hintere Differenzial nicht in Ordnung ist. Leider sind es nicht nur die Lager, sonders das Ganze Ding. Sad smile In Dschiddah gibt es kein Ersatzteil. Didi bestellt in den USA und wir hoffen, dass wir das Teil ohne Probleme aus dem Zoll bekommen.

Bevor es zur Bestellung kommt treffen wir auf Muhammed (hatte ich nicht schon in Khartoum erwähnt, dass die Männer fast alle hier so heißen Winking smile). Wie kommen wir nun zu diesem Muhammed? Auf der Suche nach der Lösung für unser Problem landen wir in einer guten Gegend Dschiddahs. Teure Autos ohne Ende. Didi ist im Internet am Recherchieren und ich will Koordination ins Navi im Auto eingeben, als ein Ford neben VAnGO hält. Ich spreche den Fahrer an, ob er eine Ford-Werkstatt kennt. Rafeeque, der Fahrer des Ford, kennt leider keine und hat auch nicht viel Zeit. Er “übergibt” uns an Muhammed. Dieser fährt uns quer durch Dschiddah auf der Suche nach einem Ersatzteil und lädt uns dann noch in ein nicht gerade billig aussehendes Restaurant zum Kamelfleisch Essen ein, das extrem zart und lecker schmeckt.

Wir bemerken alle drei die Blicke der Menschen, die auf meine farbenfrohe Kleidung fällt. Laut offizieller Saudi-Arabien Internet Seite (visit.saudi) soll ich als Frau lockere, körperunbetonte Kleidung tragen. Das Oberteil sollte so lang sein, dass es den Hintern bedeckt. Haare müssten nicht bedeckt werden. Ich trage Kopftuch und sonst auch alles “nach Vorschrift”. Muhammed bemerkt: “Unsere Frauen tragen schwarz.” Damit mein Saudi Aufenthalt angenehm wird und ich “respektiert” werde, würde er mir gerne eine dieser schwarzen Kutten kaufen. Hm… die Blicke von Mann sowie Frau habe ich ebenfalls bemerkt und mir so meine Gedanken gemacht. Was vom König auf der visit.saudi Seite veröffentlicht wird und was im Land selbst von der Bevölkerung bislang akzeptiert wird, sind wohl doch noch zwei verschiedene paar Schuhe. Veränderungen brauchen ihre Zeit. Saudi Arabien wird offener, aber ich bin um meine Abaya doch ganz froh. Eine Burka (Vollverschleierung) hätte ich jedoch abgelehnt. Ich habe durch den Wind auch so genug mit meinem Kopftuch zu kämpfen.

Die Gastfreundschaft von Muhammed ist wirklich unglaublich. Er erklärt, dass es sein Glaube (er ist Moslem) so vorsieht. 2,5% seines jährlich Ersparten seien für die Armen bestimmt. Die dürfen seine Hilfe auch einfordern. Dieses Recht haben sie. Reisende sind “verletzlich” und somit besonders schützenswert. Er hilft gerne und es bereitet ihm Freude.

Auch beim SIM Kartenkauf hilft er uns noch, da die Beamten bei der Immigration vergessen haben uns eine ID Nummer in den Pass zu schreiben und wir somit nicht registriert werden können. Erst als er sich auf arabisch mit der Dame unterhält wird klar, dass wir auch mit unserer Visa Nummer eine SIM Karte kaufen können. Fingerabdruckgerät am Straßenrand. Alles hochmodern hier.

Vielen herzlich Dank an Muhammed für seine großartige Hilfe. Wir werden es ihm nie vergessen.

Grenze Dschiddah

13.2.2020

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Die Saudi s scheinen auf Zack zu sein. Computer, Kamera, Fingerabdruckgerät. Alles ist sauber und es geht geordnet zu. Ruck zuck sind wir durch. Dann beginnt das Warten auf die Zollbeamten. Die beginnen mit ihrer Arbeit erst um 13:00 Uhr. Wir haben jetzt 10:00 Uhr Ortszeit.

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Es wird eine Zollgebühr in Höhe von 270 Riyal erhoben. Ganz schön happig. 70 Euro damit wir unser eigenes Auto wieder bekommen. Doch wir haben kein Bargeld. Die nächste Bank ist nicht weit und wir stellen bei der Gelegenheit auch gleich fest, dass sich der Parkplatz hinter der Bank gut zum Übernachten eignet. Winking smile Durch drei Mauern und von VAnGO geschützt vor Blicken.

Überraschender Weise treffen wir beim Zoll auf Mahmood (der mit dem Flugzeug nach Dschiddah geflogen, statt mit der Fähre gefahren ist) und er übersetzt bei den Verhandlungen mit dem Typ von der Kfz-Versicherung. Wir haben eine weltweit gültige Versicherung, doch er will sie nicht anerkennen und glaubt auch nicht, dass sie im Schadensfall zahlen würde. Mahmood gibt sein Bestes ihn vom Gegenteil zu überzeugen, doch die Versicherung sei obligatorisch.

Nachdem das erledigt ist, wird unser Auto “durchsucht”. Der Zollbeamte schaut kurz ins Auto, fragt nach “any drinks”. Ich biete ihm unser Wasser an. Er schaut mich an. Ganz nach dem Motto: Wie naiv ist die denn? und winkt uns durch. Der Versuch Alkohol ins Land zu schmuggeln wäre übrigens gar keine gute Idee. Das kostet pro Flasche 800 – 1000 USD und jede Menge Ärger.

Erst nachdem wir an unserem Bank-Schlafplatz die Diebstahlsicherung (provisorische “Wand” aus Sandblechen und unserem Campingtisch) zurück gebaut und alles wieder eingeräumt haben stellen wir fest, dass wir kein Temporary Import Paper bekommen haben. Da in Saudi Arabien das Carnet nicht gestempelt wird, benötigen wir das dringend. Also fahren wir wieder zum Zoll zurück. Doch wieder einmal sind alle gerade beim Beten in der Moschee. Doch während der Arbeitszeiten geht das mit dem Beten relativ schnell und nachdem das richtige Formular von einem anderen Büro geholt wurde, wird dieses schnell handschriftlich auf arabisch ausgefüllt und uns übergeben. (Das TIP ist kostenlos.)

Good bye Africa

12.2.2020

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Ein Leben auf der Straße, ein Leben im Van….
Nach über 4 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent verlassen wir ihn nun mit der Fähre von Sudan nach Saudi Arabien.

1501 Tage auf dem „schwarzen“ Kontinent prägen.
Jedes Land hat seine Eigenheiten und oft ist es so, dass man mit dem Grenzübertritt einen neuen Raum betritt, der so gar nichts mehr mit seinem Nebenraum zu tun hat. Die Leute sind komplett anders, die Kultur, Bildung, Haus und Ackerbau könnten oft nicht unterschiedlicher sein. Immer wieder ist es eine spannende Situation für uns „Neuland“ zu betreten.
In mehr als 1500 Tagen haben wir sehr viele schöne, aber auch weniger schöne Erlebnisse gehabt. Letztendlich waren es aber oft Erfahrungen, die man im „normalen“ Leben so nicht erlebt und auf die wir -bis auf wenige Ausnahmen- nicht verzichten möchten.
Vor allem die Vielzahl der visuellen Eindrücke, die auf uns darnieder prasseln, lassen sich nicht in Worten fassen. Wir haben Länder besucht, in denen die AK47 zum Straßenbild gehört wie in Deutschlands Herbst der Regenschirm. Wir sind Menschen begegnet, die uns eine Gastfreundschaft entgegen gebracht haben, die oft nicht begreifbar war für uns. Wir hatten unvergessliche Begegnungen mit Wildtieren, so nahe dass uns der Atem stockte und unser Körper vor Furcht erstarrte. Faszinierende Landschaften, oft bizarr und unreal. Ob unberührter Regenwald, mit Palmen bewachsene Traumstrände, unendliche Weiten der Wüste oder die mit leuchtend grünem Tee bewachsenen rollende Hügel im Hochland. Dann noch die Nächte unter unfassbar klarem Sternenhimmel oder am „African TV“ (Lagerfeuer).

Alles hatte seinen Reiz und war so anders als in unserer Heimat, in der wir aufgewachsen sind. Manches davon hatte uns regelrecht zum Längerbleiben aufgefordert und oft genug gaben wir nach.

Seit 4,5 Jahren hat unser Zuhause 4 Räder. Oft musste es unvorstellbare Strecken unter diese Räder nehmen und ebenso oft dachten wir uns “ Unfassbar wie er das alles wegsteckt“. Natürlich gab es während der knapp 140.000 km auf Afrikas Pisten die ein oder andere Panne. Natürlich fragte unser rollendes Zuhause auch ab und an mal nach Streicheleinheiten. Dennoch, das teuerste Ersatzteil bisher war das Autoradio für 240 Euro. Das sagt doch einiges aus denke ich.

Bisher 1563 Tage unterwegs! 38 Länder, 61 Grenzübertritte, tausende Roadblocks mit korrupten Beamten, die bis zum Scheibenwaschwasser alles kontrollieren, um einen Grund zu finden an Geld zu kommen. Noch mehr nette Begegnungen, Smalltalk am Straßenrand mit Militär, Polizei und natürlich auch der normalen Bevölkerung. Kaum einer kann hier verstehen, was wir machen und wie wir leben. Seit viereinhalb Jahren unterwegs ohne die Familie, ohne Freunde und ohne festem Dach über den Kopf. Ein Nomadenleben.

Zu unseren Übernachtungsplätzen gehörten Nationalparks, der Parkplatz eines Stundenhotels ebenso wie der Parkplatz an der Waterfront von Kapstadt, Hunderte Wildcamps mit grandiosem Rundumblick sowie auch der Straßenrand in Südafrikas Metropolen oder die Einladung des Managers in die Luxuslodge, bei Botschaftern zu Hause oder beim House-sitting. Ob auf der Wiese neben der Schule oder im Vorgarten der Kirche, auf Farmen, bei Antipoacher Einheiten, vor der Polizei oder – wenn es mal wieder etwas länger dauert- auch an der Grenze. Unser Übernachtungsplatz ist flexibel. Meist wissen wir frühmorgens noch nicht, wo wir abends schlafen. Auch wir sind flexibel. Müssen das auch sein, unerschrocken trotzen wir allen Unberechenbarkeiten.

Bekanntschaften gab es unzählige. Oft nur oberflächliche, aber wir haben durchaus auch Freunde fürs Leben gefunden. Oft waren es ebenfalls Overlander und der Abschied fiel schwer. Doch die Welt ist klein und Kontakt zu halten ist in dieser modernen Zeit so einfach.

38 Länder 38 Bilder. Wild zusammengewürfelt aus unserem Leben in Afrika.

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Unsere weitere Reise führt uns über die arabische Halbinsel zurück nach Europa, sofern es Corona zulässt. Wo und wann unsere nächsten Abenteuer zu lesen sind, lassen wir euch über diesen Blog wissen. Danke für eure Geduld. Und vielen Dank für eure treue Begleitung auf unserer Reise rund um Afrika.

Grenze Suakin

12.2.2020

Es ist die chaotischste Grenze seit Beginn unserer Reise. Durch das Tagelange Ruhen des Schiffverkehrs legen heute drei Schiffe gleichzeitig ab. Dh. all diese Menschen und die, die noch zusätzlich einen Fährplatz bekommen haben, müssen heute abgefertigt werden. Die Organisation der Abfertigung trägt ein Übriges zum Chaos bei.

Bereits um 8 Uhr ist die Schlange an einem der beiden kleinen Häuschen (in dem lediglich je zwei Beamte Platz finden) beachtlich. Frauen stehen getrennt von den Männern an. Die Schlange bei den Frauen ist kürzer. Ich stelle mich an, um den Boarding Pass für Didi und mich zu erlangen. Nach kurzer Zeit bin ich schon ziemlich genervt, weil diese “Weiber” (sorry, aber zivilisierter kann ich es nicht ausdrücken) drängeln und schubsen was das Zeug hält. Irgendwann stehe ich direkt vor dem Fenster des Beamten. Natürlich wird hier noch mehr gedrängelt und Fährtickets werden von hinten versucht durch das Fenster zu reichen. Diejenige mit dem längsten Arm wird als erstes bedient. Nun gut. Das kann ich auch. Links und rechts von meinem Kopf bin ich von zwei verschiedenen Armen eingeklemmt und von hinten drückt es. Jetzt hat der Beamte auch noch ein Problem mit seinem Computer. Er fragt mich irgend etwas, doch lediglich auf arabisch. Englisch spricht hier keiner. Geduld Dani. Nur nicht aufregen. Irgendwann ist es soweit. Die Boarding Pässe werden an die Reisepässe getackert. Fertig, sagt er. Ich stoße mich mit viel Druck vom Fenstersims nach hinten ab und bin endlich wieder in Freiheit.

Wir denken, wir könnten jetzt unseren Ausreisestempel bekommen, doch nein. Wir müssen wieder zurück an eben dieses kleine Gebäude. Es fehlt ein Stempel. Und dann fehlte noch ein Stempel. Und jetzt wollen sie eine Kopie des Sudan Visums, inkl. der Alien Registrierung. Doch der einzige Kopierer steht hinter verschlossener Tür und der Typ mit dem Schlüssel ist seit zwei Stunden nicht auffindbar. Ohne Kopie kein Ausreisestempel. Die spinnen doch. Wenn sie eine wollen, dann sollen sie dafür sorgen, dass sie einen Kopierer haben oder einer zugänglich ist. Nachdem Didi die Hutschnur platzt erscheint von irgendwo her ein englisch sprechender Mann. Er arbeitet auf der Fähre und bietet uns an die Kopie dort anfertigen zu lassen. Mit dieser Kopie gehen wir an den Schalter, im großen Hauptgebäude, an dem wir schon ein paar Mal waren. Jetzt schickt er uns wieder weg. Wir müssen zunächst die Ausreisegebühr entrichten. Das geht relativ schnell. Wieder an den Exit-Schalter. Nein, ein Stempel fehlt noch. Wir sollen wieder zu dem kleinen Gebäude nach draußen gehen. Dort ist die Schlange riesig. Mittlerweile stehen auch hinter dem Häuschen Menschen an. Ein Irrenhaus. Wir ergattern den Stempel, den jemand ohne hinzuschauen auf unseren “Laufzettel” drückt. Wofür die ganze Stempelsammelei gut sein soll, weiß nur Allah. Jetzt endlich bekommen wir den Ausreisestempel in unsere Pässe gedrückt. Doch wir brauchen auch noch den Stempel im Carnet.

Das ist genauso eine Odysee wie bei der Immigration. Im Immigration Gebäude gibt es auch eine Zollbüro. Doch diese weigern sich unser Carnet zu stempeln. Eine Begründung gibt es nicht. Das andere Office sei zuständig. Dort ist aber niemand. Und der Beamte im Gebäude dazwischen hat Urlaub. Vertretung gibt es keine. Seit 8 Uhr sind wir hier. Um 14:30 Uhr bekommen wir endlich (nach dem Ausfüllen von Formularen in arabischer Sprache) endlich doch noch unseren Stempel ins Carnet gedrückt. Die Beamten kommen wohl immer erst um 14 Uhr zur Arbeit. Der Beamte, der unser Auto checkt füllte einen Zettel aus. Ein anderer schrieb die Daten in unser Carnet. Ein dritter drückte dann endlich noch den Stempel rein.

Wir düsen zum Hafen. Wieder ein anderer Mann checkt unser Ticket, schreibt etwas auf unser Auto. Didi darf VAnGO selbst in die Fähre fahren. Endlich geschafft.

Zum Glück hat es ein Restaurant auf dem Schiff. Wir haben einen Bärenhunger. Hähnchen mit Reis und anschließend einen leckeren Kaffee. Noch während wir beim Essen sind, legt die Fähre ab. Puhhhh. Glück gehabt.

Naja, sie versucht abzulegen. Durch den starken Wind muss ein Pilotschiff seitlich gegen unser Schiff drücken, um es in Fahrtrichtung zu bringen. Eine halbe Stunde dauert der Kampf, doch dann können wir den Hafen verlassen.

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15:30 Uhr Abfahrt und bye bye Afrika.

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Die Fähre von Spanien nach Marokko brauchte ca. 2 Stunden. Von Afrika nach Asien benötigen wir die ganze lange, stürmische durch Seekrankheit gezeichnete Nacht. Zum Glück haben wir eine Kabine gebucht (kostet lediglich 11 Euro pro Person Aufpreis). Binnen kürzester Zeit belagern die vielen Reisenden nicht nur ihre gebuchten Sitzplätze, sondern auch die Treppen, Flure und den Außenbereich. Man richtet sich ein für die Nacht. Essensreste sind schon jetzt überall auf dem Boden zu finden und wie die Toiletten aussehen, möchte ich gar nicht wissen.

Am nächsten Morgen sehen wir, dass nicht nur wir seekrank waren. Überall ist Erbrochenes zu sehen.

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Kurz vor dem Anlegen in Dschiddah sollen sich alle Passagiere im Restaurant einfinden. Nachdem der Doktor uns “gesehen” hat, sollen wir unsere Pässe bekommen. Wieder geht es geschlechtlich getrennt zu. Zuerst die Männer. Ich erfahre von einem jungen Mann, dass wir alle eine Medizin einnehmen müssen. Ne, nicht mit mir. Wer weiß, was das ist. Er sagt, wenn ich sie nicht nehmen möchte, sei es auch kein Problem. Alle hätten Angst vor dem Corona Virus. Dafür sei die Medizin. Wie schlau, dass man dann alle Menschen auf engstem Raum zusammen versammelt…. Auch Didi lässt die Pille heimlich “verschwinden” und trinkt das gereichte Wasser einfach so.

VAnGO darf von Didi von der Fähre gefahren werden. Doch dann übernimmt ein saudischer Fahrer das Steuer. Wir müssen in einen Bus einsteigen und zur Immigration fahren.